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So können Christen die Zukunft lebenswert gestalten

Corona, Krieg, Demografie und Klima sind nur vier von vielen Krisen. Theologe Markus Müller meint: Um diese zu überwinden, müssten Christen bisher nicht Gedachtes bedenken.

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„Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents“ – „Überschrittener Höhepunkt unseres Wohlstandes“ – „So oder so: Die Revolution ist im Gange“. Namhafte Persönlichkeiten unseres öffentlichen Lebens – an dieser Stelle Olaf Scholz, Friedrich Merz, Bernd Ulrich – charakterisieren mit solchen und vergleichbaren Aussagen die Zeit, in der wir leben. Höchste Zeit, dass auch unter Christen ein fundiertes Nachdenken über unsere sich rasant verändernde Zeit stattfindet! Ich versuche einen Beitrag in vier Schritten.

Es ist ausgerechnet ein Arzt und Professor für Internationale Gesundheit, Hans Rosling, der eindringlich darauf hinweist, dass wir nach 75 Jahren Friedenszeit und einem nie dagewesenen Wohlstand dazu neigen, unsere Wirklichkeit nicht nur systematisch falsch, sondern systematisch negativ zu beurteilen. Begriffe wie „überdramatisierte Weltsicht“, „Dramenkonsum“ oder „instinktive Negativität“ verdeutlichen eine Diagnose (so in seinem Buch „Factfulness“).

Auch unter Christen herrscht Negativität vor

Natürlich ist Schönfärberei keine sinnvolle Alternative zur Schwarzmalerei. Beides trägt krankhafte Züge in sich. Dass wir als Gesellschaft tendenziell zum Negativen tendieren, mag angesichts der „Polykrisen“ (Jean-Claude Juncker) nachvollziehbar sein. Und doch: Dürfen wir zulassen, dass auch unter Christen diese Negativität vorherrscht? Die Antwort liegt auf der Hand: Auf gar keinen Fall!

Mir selber sind keine aussagekräftigen Untersuchungen bezüglich Negativität in der Weltdeutung unter Christen bekannt. Allerdings spricht die alltägliche Erfahrung eine klare Sprache. Müsste ich etwa die Gesprächsdauer über Dankbar-Verheißungsvolles und Pessimistisch-Negatives gegenüberstellen, so schätze ich, dass das Verhältnis in etwa 10:90 wäre.

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Die Frage: Wäre es nicht ein geniales Signal, wenn einzelne Christen zunehmend den Ruf hätten, Vorreiter und Experten eines zukunftsorientiert-hoffnungsstiftenden Denkens zu sein, und wenn Gemeinden als Trainingslager für verheißungsgeleitetes Denken, Deuten und Handeln in einer ernüchtert-desillusionierten Zeit und Welt gelten würden?

4+ Anlässe zum Nachdenken

Keine Frage: Eine weltgeschichtliche Epoche geht zu Ende. Dies allerdings ist eine durch Jahrhunderte hindurch bereits vielfach erlebte Selbstverständlichkeit. Unschwer lassen sich im Jahr 2022 zumindest vier deutliche Anlässe zu grundlegendem Nach- und Neudenken erkennen: Corona – Krieg – Demografie – Klima. Jedes dieser vier Phänomene tritt unfreundlich-parallel und nicht freundlich-nacheinander auf.

Corona: Kaum jemand hat 2019 mit etwas Vergleichbarem gerechnet. Lange Zeit wurde die Bedrohung ignoriert. Irgendwann griff der Staat wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr in die Belange von Wirtschaft, gesellschaftlichem Leben und einzelnen Personen ein.

Die Beobachtung: Das erste Mal seit Jahrzehnten kam es zu einer Erschütterung unserer gesellschaftlichen Grundbefindlichkeit – spürbar für jede Bürgerin, spürbar für jeden Bürger. Die Idee stetiger Steigerung von Wohlergehen und Selbstbestimmung wurde brüchig. Polarisierungen bis hinein in Familie, Gemeinde und Nachbarschaft waren die Folge.

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Die Frage: Haben wir uns als Christen nicht viel zu sehr in unnötige Grabenkämpfe hineinziehen lassen, statt Orte gesunder Nachdenklichkeit und Versöhnung anzubieten?

Christen als Friedensstifter

Krieg: Kaum jemand rechnete in den vergangenen Jahrzehnten damit, dass Krieg in Europa plötzlich so nahe und derart lebensverändernd sein kann wie der im Februar 2022 begonnene Angriffskrieg in der Ukraine.

Die Frage: Ist es nicht gerade angesichts dieser Kriegsbedrohung in unmittelbarer Nähe notwendig, dass Christen ganz neu Frieden lernen und sich unübersehbar als Friedensstifter in ihre Umfelder einbringen?

Demografie: Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Wenn es heute in etwa gleich viel Menschen unter 20 und über 65 gibt, wird im Jahr 2050 das Verhältnis 18:28 sein. Der Soziologe Horst W. Opaschowski spricht ungeschminkt davon, dass das 20. Jahrhundert ein Jahrhundert der Jungen gewesen ist, dass aber das 21. Jahrhundert ein „Jahrhundert der Alten“ sein wird.

Nicht Lebensstilfragen entscheiden über den Fortgang des 21. Jahrhunderts, sondern wir alle. Wir Älterwerdende: Werden wir die Jüngeren mit unseren Ansprüchen erdrücken oder mit unseren Ermutigungen beflügeln?

Die Frage: Müssten in unserer Gesellschaft nicht wenigstens die Christen so etwas wie eine Pro- statt eine Anti-Aging-Melodie erklingen lassen? Und müsste nicht bei ihnen anschaubar sein, wie man lernt, mündig und weise älter, alt und sterbend zu werden?

Christen als Klimaschützer

Klima: Die Rede von Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen und folgerichtig von Hunger prägt die Debatten im Sommer 2022. Greta Thunberg mag in Vergessenheit geraten, doch die Waffen von Befürwortern und Gegnern von Tempolimit, von Energiesubventionen, von Brachlandumwidmung, von Atomenergie und anderem werden gewetzt.

Die Frage: Sind nicht zuerst Christen Menschen, die sich im Umgang mit der von Gott geschaffenen Schöpfung und dem Maßhalten in der Nutzung des ihnen Anvertrauten auskennen und sich gerade deshalb an dieser Stelle als Fachleute erweisen?

Vier plus: Natürlich wird man einwenden, dass es zahllose weitere Herausforderungen gibt. Das stimmt. Unser Umgang mit Menschen aus anderen Völkern und Kulturen, unser Respekt vor der Ehe, die Verschuldungen insbesondere des Staates, globaler Fachkräftemangel, das Leben auf Kosten der kommenden Generation, das Artensterben, die Bedrohung freier Meinungsäußerung, die Macht der Digitalisierung, die Anfälligkeit für radikalisierte und verschwörungsbehaftete Ideologisierungen sind nur eine kleine Auswahl grundlegender Herausforderungen, die nach Bewältigung rufen.

Die Frage (in Anlehnung an den Zukunftsforscher Matthias Horx): Es ist ein Leichtes, über globale gesellschaftliche Trends Urteile zu fällen. Sind wir aber auch fähig, Samen- statt Sandkörner in all jene gesellschaftlichen Bereiche zu tragen, die uns in den kommenden Jahrzehnten elementar herausfordern werden?

4+ Schlüssel für ein lebenswertes 21. Jahrhundert

Durch Jahrhunderte hindurch waren es in den zahllosen Erschütterungen die Christen, die dafür sorgten, dass etwas Neues und Tragfähiges entstehen konnte. Im Übergang von Altertum zum Mittelalter war das Kernmerkmal Liebe entscheidend (u.a. in Form der sieben Tugenden der Barmherzigkeit), im Übergang von Mittelalter zur Neuzeit das Kernmerkmal Glaube (sola fide, …).

Dass Liebe und Glaube die Grundlage zu derart vielen Errungenschaften wie Demokratie, funktionierende Wirtschaft, Eigenverantwortung des Bürgers, tragfähige Bildung, grundlegende Leistungsbereitschaft und anderem darstellten, darf selbstbewusst neu zur Kenntnis genommen werden.

Weil Christen Anfang und Ende kennen, sind sie dazu prädestiniert, Hoffnungsträger in Zeiten vorherrschender Angst zu sein.

Die Schlüssel im 21. Jahrhundert? Dass es die Hoffnung ist, liegt auf der Hand. Hoffnung ist die Fähigkeit, vom Ende her Perspektive für die Gegenwart zu entwickeln. Hoffnung heißt, in Anlehnung an das hebräische „tikwa“, die Schnur gerade spannen, damit die (individuelle und gesellschaftliche) Lebensmauer gerade gebaut wird. Weil Christen Anfang und Ende kennen, sind sie dazu prädestiniert, Hoffnungsträger in Zeiten vorherrschender Angst zu sein.

Schlüssel zwei ist die Versöhnung bzw. die Fähigkeit, versöhnte Beziehungen zu leben. Versöhnung auf der Basis von Vergebung ist Urkennzeichen der Botschaft des Evangeliums. Es ist nicht zuletzt bei alten Menschen – ich arbeite und lebe in solchem Umfeld – immer wieder schockierend, wie viel Unversöhntes im Leben eines Menschen Raum zu gewinnen vermag.

Die Frage: Wie viel Lebens- und Beziehungspotenzial ging so im Laufe eines oft langen Lebens verloren?

Gesunde Identität kommt nicht aus uns selbst heraus

Gesunde Identität inklusive gesundes Selbstbewusstsein ist heute wie kaum etwas anderes bedroht und gesucht. Wer im Evangelium zuhause ist, wird zum einen merken, dass die Identitätsfrage – wer ich bin, wer wir sind – unübersehbar Kernthema ist.

Zum andern wird er merken, dass die Bibel skeptisch ist, unsere Identität aus uns selbst heraus aufzubauen. Identität wird zugesprochen. Sogar Jesus bedurfte dieses Zuspruches vor den heikelsten Stationen seines Lebens: „Du bist mein geliebter Sohn“ sagt der Vater zu ihm vor dem Gang in die Wüste und vor dem Gang nach Golgatha.

Dankbarkeit ist die Wachsamkeit der Seele gegen die Kraft der Zerstörung.

Gabriel Marcel

Schlüssel Nr. 4 ist die Dankbarkeit. Es scheint, auch unter Christen, als hätten wir in einer Welt des unwiderstehlichen Drangs nach Optimierung und Selbstoptimierung Grundgesetze des Lebens vergessen. Dankbarkeit ist, so Gabriel Marcel, die Wachsamkeit der Seele gegen die Kraft der Zerstörung.

Für Francis Bacon gilt: Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich. Dankbarkeit ist nicht Appell, sondern Ausdruck eines gesunden Seelenlebens. Darin üben wir uns – ganz praktisch, in allen Lebenslagen.

Vier plus? Natürlich gilt auch hier: Zahllos sind die Hilfen, die wir im Hinblick auf das unsichere 21. Jahrhundert benötigen. Ein hoffnungsvoller, versöhnter, in sich zur Ruhe gekommener, dankbarer Mensch wird zweifelsohne fragen, wie er auf dieser Grundlage auch zu einem Menschen der Demut, einem Menschen des mündigen Umgangs mit Schwäche und Verletzlichkeit, einem Menschen mit einem Drang zur Sinnstiftung, einem Menschen der Liebe zum Leben, einem Menschen des „Ja“ auch zum Unvollkommenen werden kann.

Die Frage: Sind wir als einzelne Christen hinreichend bereit, uns an diesen Schlüssel-Stellen des Lebens bilden und formen zu lassen? Und bietet die Gemeinde Jesu hinreichend Raum, dass genannte Schlüsselqualifikationen nicht nur gehört, sondern eingeübt werden können?

Nicht das moralisch Korrekte wird in einer ideologisch-moralisch überfütterten Zeit den Unterschied machen, sondern die Demut und das Vermögen, Irrtümer eingestehen zu können […].

„DenkBar“ ist ein Format, mit dem die Evangelische Allianz Schweiz arbeitet, um in Städten und Regionen die Liebe zum denkenden Glauben und zu glaubendem Denken zu fördern. Ohne gemeinsames Denken unter Menschen, denen der christliche Glaube entscheidend wichtig ist, wird es kaum dazu kommen, dass Christen einen wesentlichen, „vor-politischen“ Beitrag in der aktuell ernüchterten und zweifelsohne orientierungsbedürftigen Gesellschaft leisten.

Von Nicht-Christen erwarten Christen, dass sie umdenken und Undenkbares denken und glauben. Wäre es nicht an der Zeit, dass auch wir Christen ganz neu lernen, bisher nicht Gedachtes zu bedenken und Fragen an uns zuzulassen, die wir in der Vergangenheit eher verdrängt oder ignoriert haben?

Nicht das moralisch Korrekte wird in einer ideologisch-moralisch überfütterten Zeit den Unterschied machen, sondern die Demut und das Vermögen, Irrtümer eingestehen zu können und leidenschaftlich an lebenswerter Zukunft zu bauen.

Der frühere Direktor der Pilgermission St. Chrischona Markus Müller ist heute Heimpfarrer im „Zentrum Rämismühle“ für ältere Menschen bei Winterthur (Schweiz).


Ausgabe 3/22

Dieser Artikel ist im EiNS-Magazin der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) erschienen. EiNS wird in Teilen vom SCM Bundes-Verlag produziert, zu dem auch Jesus.de gehört.

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9 Kommentare

  1. „Nicht das moralisch Korrekte wird in einer ideologisch-moralisch überfütterten Zeit den Unterschied machen, sondern die Demut und das Vermögen, Irrtümer eingestehen zu können und leidenschaftlich an lebenswerter Zukunft zu bauen.“

    Mir ist auch nach zweimaligen Lesen des Artikels nicht klar, was der Autor damit meint?
    Demut vor was und welche Irrtümer?
    Ich vermisse im Artikel konkretes.
    Er greift ein paar der (derzeitig) polarisierenden Themen auf und am Ende kommt obige Aussage.

    Ist das weitere Nutzen des generischen Maskulin schon ein Irrtum oder das ich nicht auf Demos von friday for future renne, weil es in 1. Mose 8,22 heißt
    „Solange die Erde besteht, soll es immer Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht geben.“
    Und ich darauf vertraue und deswegen nicht sofort ein e-auto kaufe, sondern frage, wo werden die Ressourcen für die Batterien herkommen oder wo wird der Batterieabfall entsorgt?
    Das nur als Beispiele für was ich mit konkret meine.
    Ich denke sehr wohl, dass das moralisch korrekte in unserer Zeit den Unterschied macht, weil man auf wissenschaftliche Beweise oder Aussagen und Verhalten von Kirchen, Politik und Medien oft nichts mehr geben kann. Das haben die letzten Jahre mehr als bewiesen.
    Die Abkehr von der einzig wahren Moral, der Bibel, als Gottes Wort, lässt doch erst Raum für diesen ganzen Wirrwarr, Irr- und Ersatzglauben.
    Ist es, für den Autor, ein Irrglaube, wenn sich Gemeinden gegen die Coronamaßnahmen gestellt haben, weil sie sagten, wir wollen uns weiter versammeln, weil Gott uns das in der Bibel sagt oder ist es genau das, was unter den Aufruf umdenken fällt?

    Ich kann den Artikel und die Aussagen nicht einschätzen, weil sie mir zu Oberflächlich und eher nach erhobenen Zeigefinger, für diejenigen Christen, rüberkommt, die nicht einem der derzeitigen polarisierenden Trends nachlaufen bzw. diese kritisch und anhand der Bibel hinterfragen.
    Oder ist es genau das, was der Autor sagen will?

    • Hallo Tobias,
      ich hatte den Satz als allgemeines Plädoyer für Demut verstanden. Unabhängig von irgendwelchen Themen.

      Liebe Grüße,
      Pascal vom JDE-Team

      • Hallo Pascal, ok, das würde Sinn ergeben.
        Nachdem der Artikel aber sehr gezielt auf vier Bereiche gefasst war, hatte ich diese Schlußaussagen auch darauf bezogen und war dann etwas enttäuscht, am Ende mit so einer „Floskel“ abgespeist zu werden, was die vier genannten Themen angeht. Auch wenn Demut immer erstmal ein guter Rat(geber) ist, ist ein wenig konkreteres manchmal auch nützlich.

  2. Jesus ist gestorben um den Willen Gottes zu erfüllen. Jesus lebt wieder, weil er den Willen Gottes erfüllte. Es gibt bei Gott keinen Dualismus. Gott steht für das Ja und nicht für das Nein. Es gibt nur einen Weg und das ist der Weg des Herrn. Wer die Gnade erhalten hat, diesen Weg – zu dem Jesus aufgerufen hat- gehen und erkennen zu dürfen, ist ein wahrer Mensch und aufrichtiger Christ.

    • Jesus ist für alle Menschen gestorben

      Lieber Heinrich Wüschem, was Sie schreiben halte ich ohne wenn und aber für richtig. Allerdings sind Sie auf mein eigentliches Anliegen nicht weiter eingegangen.

      Mein Argument war das Wort Jesu, dass Gott die Welt geliebt hat und dafür seinen eingeborenen Sohn gegeben hat. Das zeigt ja auch auf, dass Gott und damit Jesus allein den Weg ebnen für die Erlösung der Menschen und dies nicht – zumindest nicht ursächlich – unsere Kraftaufwendung ist. Der Schöpfer allein ist es, der alles verändert bis hin zu dem Neuen Himmel und die Neue Erde. Ein Dualismus entsteht allerdings schon rein gedanklich, wenn wir die Milliarden Menschen aus aller Welt und allen Zeiten vor Augen sehen, die ja dann verloren wären, weil sie Jesus nie gekannt haben, kennen konnten, kennen werden oder einfach nicht glauben können. Dann haben wir einen ganz kleinen Heiligen Rest und die Aussage, dass Gott jeden Menschen liebt und Jesus für jede und jeden gestorben ist, wird quasi ad absurdum gestellt. Eine solche Mini-Erlösung eines exclusiven Personenkreises, mit einem sehr überschaubaren Himmel, würde nur ganz wenige Menschen umfassen und sie wäre auch nicht dies, was sie werden wird: Eine neue Schöpfung, also die Erlösung jeder Kreatur und des ganzen Universums. Es ist keine Behauptung von mir, sondern wie bei vielen anderen ehrenwerten Christen eine große Hoffnung, dass Gott nichts unmöglich ist und sich deshalb wirklich alle Menschen f r e i w i l l i g in Zeit und Ewigkeit mit ihrem Schöpfer versöhnen. (Lesen Sie bitte wie Saulus vor Damaskus ein Jesusnachfolger wurde und aus ihm Paulus wurde. Da hat er null dazu beigetragen und das war pure Gnade)

      Faktisch ist es aber auch eine häufige Aussage von Menschen mit einem sehr ernsthaften Glauben, die diese Welt und unsere Gesellschaft nicht mehr als rettungswert ansehen. Meines Erachtens grenzt eine solche Haltung auch schon fast an verweigerte Nächstenliebe. Denn der Nächste ist der Mensch neben mir, egal ob oder was er glaubt und für den Jesus genauso ans Kreuz ging wie für mich.

  3. Gott liebt d i e s e Welt und hat sie nicht aufgegeben

    „Höchste Zeit, dass auch unter Christen ein fundiertes Nachdenken über unsere sich rasant verändernde Zeit stattfindet“! Dies schreibt Pfarrer Markus Müller, in aller Breite, sehr fundiert und mit einigen wichtigen Stichpunkten. Nach meiner Sicht der Dinge, und dies drückt auch viele Erfahrungen der Meinungsbildung unter jesus.de aus, leben viele Christinnen und Christen in einer gedachten Dualität. (Ich spitze hierbei jetzt bewusst etwas zu). Da ist die böse Welt, man könnte auch sagen die „gottlose Welt“, die marode Schöpfung hier auf unserem Planeten und die Sichtweise: Es lohnt nicht, sich für die gefallene Schöpfung einzusetzen. Andererseits steht ihr gegenüber das Christliche, wenn man es bei den großen (gewesenen) Volkskirchen auch kaum noch zu finden glaubt, nur noch für den Umsteigebahnhof in den Himmel. Die Begeisterung ist nur lau, sich für die Bekämpfung des Klimawandelns einzusetzen. Leider muss ich eigentlich auch bei den Evangelikalen festmachen, dass sie – wenn auch nicht alle – für gesellschaftlichen Gemeinsinn, etwa auch für Engagement in Vereinen und in der Politik, offensichtlich kaum Gene haben.

    Um die Punkte, die Herr Müller hier als Stichpunkte nennt, nicht noch einmal zu erwähnen, folgende Frage zu der Aussage von Jesus Christus: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab…..“ Die böse Welt wird von Gott geliebt. Oder nicht ? Jesus liebte die Zöller und Sünder bzw. die damals abseits standen und jene die sagen konnten, sie brauchten eher den Arzt als die Gesunden und Wohlgeratenen. Dabei gibt es doch die herrliche alttestamentarische Verheißung, dass sie – die Menschen – ihre Schwerter zu Pflugscharen machen, den Krieg ächten und als alle Menschen und Völker Gott gehorsam werden. Und mein Jesus Christus, der unser aller Erlöser ist, kommt als Friedefürst. Dann haben wir doch als Welt eine herrliche Zukunft. Vielleicht, erst als Übergang und dann als Neuschöpfung, auch einen Neuen Himmel und eine Neue Erde und damit ein völlig neues Universum. Aber wenn doch Jesus für alle Menschen gestorben ist, dann kann man doch nicht behaupten es lohne sich nicht, für diese Welt und Gesellschaft eine Hand zu rühren. Außerdem sollen doch wir Christinnen und Christen Licht der Welt und Salz der Erde sein und da ist noch von dieser Welt die Rede. Sie bedarf durchaus der Rettung, auch vor dem Atomkrieg und vor Leuten wie Putin und wer sonst noch an ihrem Untergang werkelt. Heute werden die meisten Leute im Alter konservatives, aber ich komme eher zu den Idealen meiner Jugend zurück, vielleicht nicht nur so völlig blauäugig. Dass es an dieser Welt noch viel Verbesserungsbedarf gibt. Und auch dies generiert Nächstenliebe und kann aus Liebe zu Gott geschehen – und es würde uns gut tun.

  4. Lieber Herr Müller, nach der Schwere und Tragweite der vier Krisenbefeuerer gemessen steht die Erderwärmung an erster Stelle. Sie ist letztendlich, gemeinsam mit dem Biodiversitätsverlust, was auch durch Menschen verursacht ist, auch für Corona und Kriege die Ursache, denn die Zerstörung der Atmosphäre und der Biosphäre verursacht Zoonosen wie COVID und Verteilungskämpfe. Der demografische Wandel hingegen ist ja genau ein umgekehrtes Phänomen, in allen armen Ländern sind die Geburtenraten hoch, entsprechende Immigrationsbewegungen fangen unseren Geburtenmangel nicht nur auf, sondern verursachen weltweit, dass die durch Naturzerstörung sich verknappenden Resourcen Wasser und Nahrung noch weiter verknappen werden.

  5. Liebe Freunde,
    dieser eben gelesene Artikel „So können Christen die Zukunft lebenswert gestalten“ hat mich sehr angesprochen. Steht dieser Artikel im EINS-Magazin? Dann möchte ich die guten Gedanken vertiefen und teilen; ich bitte ich um Zusendung eines Probeexemplares gegen eine Spende. Vielen Dank im Voraus!

    • Hallo Winfried,
      es freut mich zu hören, dass dich der Artikel angesprochen hat. Das EiNS-Magazin kannst du hier (-> https://eins-magazin.ead.de/) kostenlos lesen und herunterladen. Allerdings scheint es da gerade einen technischen Fehler zu geben. Ich schicke dir deshalb ein PDF des Magazins an deine Mailadresse.

      LG, Pascal vom JDE-Team

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