Die humanitäre Lage im Sudan spitzt sich weiter zu. Nach Angaben von World Vision treiben steigende Dieselpreise die Wasserpreise in die Höhe – mit dramatischen Folgen für Millionen Geflüchtete.
Im Sudan herrscht eine der größten humanitären Krisen weltweit. Infolge des Bürgerkriegs, der seit 2023 tobt, sind rund 12 Millionen Menschen geflohen. Über 150.000 Zivilisten wurden getötet. Laut UNICEF sind 3,6 Millionen Kinder stark unterernährt, rund 730.000 davon lebensbedrohlich. Jetzt sorgen die gestiegenen Dieselpreise dafür, dass die Wasserpreise im Land sich dramatisch erhöht haben, heißt es in einer Pressemitteilung von World Vision. Vor allem im Norden herrschen im Sudan ganzjährig sehr hohe Temperaturen. Das Land bleibt dort oft auch in der Regenzeit trocken. Daher sind die Menschen auf Bohrlöcher angewiesen. Dieselgeneratoren pumpen das Wasser in Tanks oder Rohrleitungen, die Menschen und Vieh versorgen. Doch der Treibstoff ist kaum noch bezahlbar.
Nur ein Kanister für acht Menschen
„Die Wasserpreise sind nach der Sperrung der Straße von Hormus um 30 Prozent gestiegen, erläutert Mohammed Gebril, Koordinator für Wasser und Sanitärversorgung bei World Vision in Ost-Darfur. „Dies hat massive Auswirkungen auf Menschen, die sich kaum das Nötigste zum Überleben leisten können. Hunderttausende vertriebene Familien – die meisten davon Frauen und Kinder – erhalten fast keine internationale Hilfe und können es sich nicht leisten, Wasser zu kaufen.“ Viele Haushalte mit acht oder neun Personen müssten mit nur einem Kanister pro Tag auskommen. Zudem warnte Gebril vor der Gefahr, dass Menschen in so einer Notlage gezwungen wären, aus unsicheren Wasserquellen zu trinken. Dabei würde das Risiko für Krankheiten ansteigen.
Infrastrukturelle Probleme
Der Bundesstaat Ost-Darfur allein beherbergt mittlerweile über 189.000 Menschen. Die Mehrzahl dieser Menschen leben in Lagern, meist in und um die Landeshauptstadt El Daein. Sie täglich zu versorgen sei eine enorme Belastung für die Stadt mit ihren 377.000 Einwohnern, heißt es. Um die Abhängigkeit von den Dieselgeneratoren zu reduzieren, hat World Vision Solarmodule zur Stromerzeugung installiert. Allerdings sei die Stadt dennoch überlastet. Es fehle das Geld für zusätzliche Brunnen.
Dem Sudan mangelt es grundsätzlich nicht an Öl- und Wasservorkommen. Doch die Ölraffinerien sind aufgrund des Bürgerkriegs nicht in Betrieb. Der Sudan verfügt über das größte fossile Grundwasserreservoir der Welt, das etwa 29 Prozent des Landes bedeckt, aber ein Ausbau der Bohrbrunnen kann nur im Frieden und mit Investitionen in die Infrastruktur erfolgen.
Das könnte Sie auch interessieren:
