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USA: Streit um religiöse Ausnahmen bei der Corona-Impfpflicht

In den USA haben Ungeimpfte immer häufiger keinen Zutritt mehr etwa zu Behörden oder Universitäten. Religiöse Impfgegner pochen auf ihr Recht, Impfungen abzulehnen. Unterstützung erhalten sie vereinzelt auch von kirchlicher Seite.

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Von Konrad Ege (epd)

Immer mehr US-Behörden, Unternehmen und Universitäten erlassen Corona-Impfpflicht-Vorschriften. Diese Pflicht ist kontrovers und stößt auf Widerstand bei solchen religiösen Menschen, die ihre Glaubensfreiheit bedroht sehen. Zahlreiche Religionsvertreter befürworten Impfungen, doch der Staat nimmt auch Rücksicht auf die Minderheit der Verweigerer: US-Gesetze verpflichten Arbeitgeber und Behörden zu angemessenen Zugeständnissen an Menschen, die aus Glaubensgründen Ausnahmen von Vorschriften verlangen.

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Impfskepsis ist in den USA laut Umfragen vor allem bei weißen evangelikalen Christen verbreitet. Der Jurist John Whitehead sagt, er habe zahlreiche Bitten um Beistand erhalten von Menschen, die Impfverweigerung mit ihrem Glauben begründen. Er ist Vorsitzender des «Rutherford Institute». Die Organisation in Charlottesville in Virginia setzt sich für Religionsfreiheit und Bürgerrechte ein. Schutz der Glaubensfreiheit sei in der US-Verfassung sehr breit gefasst, sagt er. Es sei hilfreich, wenn Impfverweigerer Anträge mit Bibelstellen oder Kirchenlehren untermauern. Notwendig sei das jedoch nicht.

Es sei eine individuelle Sache, sagt Whitehead. Entscheidend sei, dass ein Verweigerer geltend macht, dass er aufrichtig und ernsthaft überzeugt ist, Impfungen seien unvereinbar mit seinem Glauben. Es genüge zum Beispiel die Überzeugung, er wolle seinen vom Schöpfer geschenkten Körper nicht schädigen mit einem „experimentellen Medikament“.

Impfen als „Akt der Liebe“

Manche evangelikale Pastoren haben Gemeindemitgliedern Hilfe zugesagt. Der Pastor der Freikirche „Destiny Christian Church“ in Rocklin (US-Staat Kalifornien), Greg Fairrington, sagte im örtlichen Fernsehsender KCRA, er unterstütze Anträge gegen Impfungen mit einem persönlichen Brief. Wer moralische Bedenken gegen die Immunisierung habe, dürfe nicht gezwungen werden. Die USA seien doch das Land der Religionsfreiheit.

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Manche religiös motivierte Impfgegner machen sich angeblich Sorgen um Stammzellen von Embryonen bei der Impfstoffforschung. Mehrere römisch-katholische Bischöfe haben es Priestern jedoch untersagt, Verweigerern Hilfe zu leisten. Es gebe keine legitimen Beweggründe „für einen Priester, eine religiöse Ausnahme zu erteilen“, hieß es laut der Zeitung „National Catholic Reporter“ in einem Memorandum der Erzdiözese New York. Papst Franziskus hat Impfen als „Akt der Liebe“ bezeichnet.

US-Präsident Joe Biden hat Ende Juli eine Impfpflicht für Regierungsmitarbeiter vorgeschrieben. Die Regierung möchte aber offenbar Streit etwa um Religionsfreiheit vermeiden. Deswegen gibt es Ausnahmeregeln. Manche Beschäftigte, die sich nicht impfen lassen, können zu Hause arbeiten oder sie müssen sich regelmäßig testen lassen. Das US-Verteidigungsministerium etwa schreibt von Mitte September an Corona-Impfungen vor. Das Ministerium nehme Religionsfreiheit ernst, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby, erwarte jedoch, dass beispielsweise Soldaten das richtige tun würden.

Mehr als 500 Universitäten verlangen Impfnachweise

Bei zahlreichen Großkonzernen, darunter Google und Facebook, müssen sich Beschäftigte vor der Rückkehr vom Homeoffice ins Büro impfen lassen. Mehr als 500 Universitäten verlangen nach Angaben der Zeitung „New York Times“ Impfnachweise. Das evangelisch-lutherische „Augsburg College“ in Minnesota zum Beispiel schreibt vor, Studierende, Professoren und Angestellte müssen vollständig immunisiert sein.

Und in der kalifornischen Stadt San Francisco müssen Restaurantbesucher nachweisen, dass sie geimpft sind. Es gehe um die Gesundheit der Mitarbeiter und der Gäste, erklärte Bürgermeister London Breed kürzlich.

Der Jurist Whitehead hofft, dass Impfverweigerer und der Staat in Zukunft zu vernünftigen Kompromissen kommen. Bisher hat noch kein Gericht Impfpflicht-Vorschriften verworfen. Schon 1905 urteile das US-Oberste Gericht, der Staat dürfe Impfungen zum Schutz der allgemeinen Gesundheit vorschreiben. Damals ging es um Pockenschutzimpfungen im Staat Massachusetts. Der lutherische Pastor Henning Jacobson wollte sich nicht impfen lassen, denn eine staatliche Impfvorschrift verstoße gegen das „angeborene Recht“ freier Menschen, über ihre Körper und ihre Gesundheit zu entscheiden. Jacobson verlor damals.

Quelleepd

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6 Kommentare

  1. Manchmal rätselhaftes evangelikales Verhalten.

    Papst Franziskus sieht in der Bereitschaft, sich für covid19 impfen zu lassen, ein Akt der Nächstenliebe. Dies ist daher richtig: Ohne dass ein großer Teil der Bevölkerung immunisiert ist, wird die Coronapandemie weder hier, noch in den USA oder weltweit zu einer normalen Angelegenheit werden, mit der alle Menschen leben können. Ohne Herdenimmunität lässt sich die Angelegenheit nicht bewältigen. Das Risiko von Impfschäden ist im Vergleich zu den Gefahren einer Erkrankung verschwindend gering. Gegen das Impfen gerichtete Verschwörungstheorien sind absurd.

    Es ist kaum nachvollziehbar, wieso evangelikale Christinnen und Christen mit einer Reihe ihrer Pfarrer*innen in manchen Fällen es fast als etwas satanisches betrachten, sich impfen zu lassen. Es gibt Menschen, die sich zwar einerseits zurecht mit einem großen Vertrauen Gott gegenüber vor der Erkrankung sicher fühlen, oder seinen Willen annehmen, die aber auch Medikamente schlucken, in gesundheitlichen Krisenfällen den Notarzt rufen, im Krankenhaus schnelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und sich zur eigenen und fremden Sicherheit vor einer Autofahrt ebenfalls anschnallen. Sie springen auch nicht von hohen Türmen, weil ihnen nichts passieren kann oder zumindest das Paradies nicht verlustig geht. Der vernünftige Mensch hustet auch in Nachcoronazeiten einem Nebenmenschen nicht ins Gesicht. Auch in der Kirche herrschen Gottes Naturgesetze, dort kann man sich erkälten oder eine Coronainfektion einhandeln. Da wir in diesem irdischen Leben krank werden und immer irgendwann sterben müssen, Naturkatastrophen passieren und auch fromme Menschen schlimmes passieren kann, sollten wir eigentlich unsere Mitmenschen und uns selbst pfleglich behandeln und schützen. Gottvertrauen und Impfen sind keine Widersprüche, weil Gott nicht funktioniert. Wir sind derzeit nicht im Paradies und diese letzteres Behauptung dürfte recht unstrittig sein. Es ist erlaubt sich nicht impfen zu lassen.

  2. Ich hoffe nicht, das der kommende internationale Impfausweis subkutan implantiert wird, das man ohne ihn nicht mehr einkaufen kann und er womöglich noch irgendeinen Bezug zu einer runden 3 stelligen Schnapszahl hat.

    Wie eben in der Offenbarung im Kapitel 13 beschrieben. Aber das ist wahrscheinlich auch eine böse VT … (Sarkasmus!)

        • Entschuldigung, vielleicht hätte ich präziser schreiben sollen: Ich glaube nicht, dass das passiert. Es ist meine Meinung. VG, Daniel vom Jesus.de-Team

          • Und meine Meinung, nein Überzeugung, ist:

            Wir müssen in diesen ganz besonderen Zeiten sehr, sehr wachsam bleiben (oder werden!) und um die Geistesgabe der Unterscheidung bitten.

            Ich bin geimpft, kein Querdenker oder Reichsbürger und auch kein „Fundamentalist“, nehme die heilige Schrift aber als Dienstanweisung für mein Leben.
            Gottes Segen, Olaf Janowski

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