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Zukunft der Kirchen: Was ist der Jesus-Weg?

Der Gnadauer Präses Steffen Kern sieht die Evangelikalen an einem Scheideweg. Er benennt fünf Fehlwege und den jeweiligen alternativen Jesus-Weg – außerdem fünf Trends, die ihn optimistisch in die Zukunft schauen lassen.

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In Rom gibt es Spektakuläres zu sehen. Dazu gehört die kleine, unscheinbar anmutende Kirche „Santa Maria in Palmis“ an der Via Appia, besser bekannt als die Kirche „Domine, Quo Vadis?“ – der Legende nach soll genau hier Petrus dem auferstandenen Christus begegnet sein.

Petrus sei gerade dabei gewesen, aus Rom zu fliehen, weil es dort drunter und drüber und im Übrigen den Christen an den Kragen gegangen sei. Als er den Auferstandenen gesehen habe, habe er ihn gefragt: „Quo vadis, Domine? – Wohin gehst du, Herr?“ Dieser habe geantwortet: „Nach Golgatha, um erneut gekreuzigt zu werden.“

Daraufhin sei Petrus umgekehrt: Zurück nach Rom, um dann dort seinerseits gekreuzigt zu werden. In der Kirche an der Via Appia sind bis heute die Fußabdrücke des Auferstandenen zu sehen, in Stein eingeprägt … Was man in Rom eben so sehen kann.

Was ist der Jesus-Weg?

Wie gesagt: Es ist eine Legende. Sie knüpft an Johannes 13,36 an. Dort fragt Petrus: „Herr, wohin gehst du?“ Er fragt nach dem Weg des Jesus von Nazareth, dem er nachfolgt. Seither ist die Frage zum geflügelten Wort geworden.

„Quo vadis?“ So fragen wir, wenn es heiß wird. Wenn ein Weg eine entscheidende Wendung nimmt. Wenn es um das Ziel geht und darum, es zu verfehlen.

Evangelikale stehen an einem Scheidweg

Um es offen zu sagen: Ich sehe „die Evangelikalen“ – wer immer das genau ist und wie hilfreich oder unbrauchbar die Bezeichnung (geworden) sein mag – an einem solchen Scheideweg. Ich sehe Gefährdungen, Fehlwege, Irrwege und Abwegiges, aber auch Chancen und sehr Verheißungsvolles.

Dazu will ich immer fragen: Quo vadis? Also angesichts jedes Fehlweges: Was ist jetzt eine hilfreiche Jesus-Orientierung? Was ist der Jesus-Weg? Denn wir sind Nachfolgende. Sein Weg ist unser Weg.

Das alles bewege ich sehr ernsthaft, zugleich aber nicht alarmistisch. Denn grundlegend leiten mich eine tiefe Gelassenheit und eine große Hoffnungsperspektive.

Fehlweg 1: Bibel-Vergessenheit

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Das ist eine Wahrnehmung in der Breite. Die Bibelkenntnis geht zurück. Ich will hier in kein Lamento einstimmen, und ich gehöre weder zu den Kultur- noch zu den Kirchenpessimisten, aber ich stelle fest: Die Vertrautheit mit der Bibel nimmt ab.

Das beobachte ich bei jungen Theologie-Studierenden, in Gemeindeleitungen, auf Tagungen von Mitarbeitenden, in Kirchen, Gemeinschaften und Freikirchen. Die vielfach beschworene „Generation Lobpreis“, aber auch die „Midlife“-Generation und die „Best Ager“ – alle sind im Schnitt nicht mehr so bibelfest und bibelvertraut.

Es droht ein Verlust der Jesus-Mitte.

Ein selbstverständlicher unbefangener Umgang mit dem alten Buch fehlt zunehmend. Folge: Wir drohen unsere Quellen zu verlieren, unsere innere Substanz. Es wächst eine eigenartige kritische Distanz zur Bibel, manchmal auch eine bibelkritische Naivität, eine Entfremdung vom Eigentlichen.

Es droht ein Verlust der eigenen Jesus-Mitte. Und damit öffnet sich plötzlich die Identitätsfrage: Wer sind wir eigentlich?

Zurück zu den Quellen

Quo vadis: Was ist jetzt der Jesus-Weg? – Antwort: zurück zu den Quellen! Es kommt darauf an, dass wir neu zu Bibelbewegern werden: zu Menschen, die die Bibel bewegen und von ihr bewegt werden. Wir brauchen eine neue Christus-Leidenschaft und eine neue Liebe zur Bibel.

Ja, ich formuliere das bewusst so. Beides gehört untrennbar zusammen. Das ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Es ist die Mitte, die uns verbindet. Das Lebenselixier jeder christlichen Gemeinschaft.

Jenseits aller berechtigten Fragen und Diskussionen, wie wir denn die Bibel richtig verstehen, brauchen wir diesen positiven Zug hin zur Bibel. Das ist mein erstes leidenschaftliches Plädoyer: mehr Bibel bitte – mehr Liebe zur Bibel! Aber es gibt auch einen entgegengesetzten Fehlweg:

Fehlweg 2: Bibel-Fundamentalismus

Einige meinen, alles genau zu wissen. Ein Glaubenssystem, das auf jede Frage eine Antwort hat. Die Klartext-Orientierten. Oft mit sehr spezifischem Endzeitbewusstsein: vermeintlich bibeltreu, weltabgewandt, exklusiv.

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Es gibt in dieser Sicht einen weithin abgefallenen Großteil der etablierten Kirchen und Gemeinden, der Wissenschaft, insbesondere der Theologie. Demgegenüber stehen die eigene Gruppierung, wenige Gemeinden der vermeintlich Aufrechten und Auserwählten, die eigene Lehre mit ihren schwarz-weiß gezeichneten Skizzen der Welt. Eine Gruppe von Menschen, die des Diskutierens und Hinterfragens müde ist und sich festlegt: „So ist es. Fertig!“

Eine Basta-Mentalität entspricht nicht dem Geist, der die Bibel durchweht.

Quo vadis: Was ist jetzt der Jesus-Weg? – Jesus hat aus der Schrift gelebt und Gottes Gebote dem Menschen zugeordnet. Beispiel „Sabbatgebot“: „um des Menschen willen“. Das „Doppelgebot der Liebe“ ist in der Schrift selbst allen Geboten übergeordnet. Eine Basta-Mentalität entspricht nicht dem Geist, der die Bibel durchweht.

Wenn wir die biblischen Texte ernst nehmen, müssen wir sie aus ihrem Kontext verstehen. Sie haben immer einen zumindest dreifachen Zusammenhang: einen a) literarischen, b) historischen und c) heilsgeschichtlichen Kontext.

Die Texte haben ein Ziel, eine Aussageabsicht. Die ganze Schrift hat eine Mitte. Dafür gilt es, den Sinn zu wecken: Wir brauchen nicht nur mehr Liebe, sondern mehr Sinn für die Bibel!

Fehlweg 3: Milieuverhaftung und missionarische Trägheit

Darf ich es mal überzogen kritisch sagen? Ich nehme Teile der evangelikalen Bewegung als eine wohlstandsgesättigte, in ihren eigenen Milieus verhaftete und missionarisch träge Masse wahr. Natürlich gibt es viele andere. Gott sei Dank!

Aber wenn wir einmal bewusst kritisch und selbstkritisch sein wollen, sage ich: Wir sind überwiegend in zurückgehenden Milieus beheimatet: bürgerlich, konservativ, traditionell. Es gibt viele missionarisch Willige – und zugleich meinen wir, Mission heiße: „Die anderen sollen so werden, wie wir sind.“ Oder besser noch: „So, wie wir eigentlich sein wollen!“

Die Folge: eine seltsame und gänzlich der Bibel widersprechende Weltabgewandtheit. Das ist Verrat an unserer Sendung, den Menschen missionarisch und diakonisch zu dienen und gesellschaftlich Verantwortung wahrzunehmen. Denn natürlich haben wir auch diese: „Suchet der Stadt Bestes!“ ist uns geboten.

Mehr Hingehen. Mehr Hingabe. Mehr Dienen. Mehr Diakonie. Mehr Sendung in die Welt.

Quo vadis: Was ist jetzt der Jesus-Weg? – Raus aus dem Milieu! „Freund der Zöllner und Sünder“ zu sein, war das Image des Jesus von Nazareth. Wann hat man das eigentlich zuletzt von uns Christen gesagt?

Warum ist unser Image ein gänzlich anderes als das unseres Herrn? – Ich wünsche mir mehr Mission. Mehr Evangelisation. Mehr offenes Bekenntnis und offenes Gespräch. Mehr Risiko. Mehr Argumente als Parolen. Mehr Hingehen. Mehr Hingabe. Mehr Dienen. Mehr Diakonie. Mehr Sendung in die Welt.

Mehr Fragen: Wem in unserer Stadt können wir dienen? Kurzum: mehr von diesem Grenzen überwindenden Jesus-Stil: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.“

Fehlweg 4: Unfruchtbare Polarisierung

Das erleben und erleiden wir einigermaßen dramatisch: Eine gewisse Aufsplitterung der doch eigentlich in ihrer Mission und Jesus-Mitte verbundenen Bewegung – konservative Evangelikale, Bekenntnis-Evangelikale, liberale Evangelikale, Linksevangelikale und solche auf allen Seiten, die sich für „Normale“ halten …

Etiketten gibt es viele. Mal selbst, mal von anderen angeheftet. Die Debatten auf Facebook, in Konsultationen und Konferenzen sind ermüdend und zum Teil unsäglich: scharf, hart, polemisch, hämisch, diffamierend, provozierend, persönlich angreifend.

Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen spricht im Blick auf mediale Debatten von einer „großen Gereiztheit“. Die Evangelikalen sind viel mehr Kinder ihrer Zeit, als ihnen lieb sein kann. Sie erliegen dem Zeitgeist der Empörung und reagieren reflexhaft auf jede Zuckung der jeweils „anderen Evangelikalen“.

Diese Hermeneutik des Verdachts befördert eine Kultur des Misstrauens.

Es blühen die Klischees: Da gibt es dann schon mal „die Betonköpfe von der Bekenntnis-Fraktion“, die etwas beschränkten Prämodernen, denen es sowohl intellektuell wie auch geistlich an Weite fehle, und auf der anderen Seite die vermeintlich „dem Zeitgeist und der Bibelkritik verfallenen Liberalen“, die sich allem anbiedern, wovon man doch Abstand genommen habe und nehmen müsse.

Unter dieses Verdikt fallen dann auch schnell Ausbildungsstätten, Hochschulen oder Gemeinschaftsverbände, und sei es nur, weil sie Referenten einladen, die den Autoren nicht ganz geheuer sind. Diese Hermeneutik des Verdachts befördert eine Kultur des Misstrauens. Das macht uns kaputt!

Mehr Differenzierung!

Quo vadis: Was ist jetzt der Jesus-Weg? – Jesus hat durchaus hart gestritten. Er war nicht zimperlich, wenn es darum ging, Missstände klar zu benennen und seine Gegner – bei Bedarf auch scharf – zu attackieren.

Er war direkt, wahrhaftig, verlässlich. Er hat nie Stimmung gemacht und andere diffamiert. Er hat nie auf Verdacht hin agiert und Misstrauen gesät. Er hatte das Ganze im Blick.

Und: Jesus ist ganz den Einzelnen zugewandt, die betroffen sind oder die eine jeweilige Sache unmittelbar angeht. Beispiele gibt es unzählige, etwa die Ehebrecherin (Joh. 8): Jesus stellt sich an ihre Seite. Obwohl die anderen mit den Steinen in der Hand ja recht haben.

Manches Wort braucht den richtigen Ort, um wirklich „als wahr genommen“ zu werden …

Er redet öffentlich nicht gegen sie, sondern steht neben ihr und steht zu ihr. Das ist der Jesus-Platz! Dann redet er auch mit ihr und zu ihr, im vertrauten Zweiergespräch: „Sündige hinfort nicht mehr.“ Erst da. Manches Wort braucht den richtigen Ort, um wirklich „als wahr genommen“ zu werden …

Darum bitte ich herzlich um mehr Sachlichkeit und Differenzierung. Ohne Differenzierung hat es die Wahrheit schwer. Ich bitte um weniger Polemik und um mehr Selbstbeschränkung. Meine dringende Bitte ist, auf Diffamierung zu verzichten!

Ein Wut-Christentum hat keine Verheißung!

Vieles, was ich in sozialen Netzwerken lese, grenzt nicht nur daran, falsch Zeugnis gegen die Nächsten zu reden. Beispiele nenne ich nicht, obwohl ich sie in erschreckender Zahl vor Augen habe. Ich bitte um emotionales Abrüsten: Ein Wut-Christentum hat keine Verheißung! Und ich empfehle die Leitfrage: Worin könnte der Christus in meinen Geschwistern, die mir gegenüberstehen, mir etwas zu sagen haben?

Aber: Das alles ist nicht das größte Problem der Evangelikalen. Ihre größte Herausforderung besteht nicht darin, dass es zumindest zwei gegenläufige Bewegungen gibt, die sich polemisch voneinander abgrenzen. Das alles ist mühsam. Aber ihre größte Gefährdung besteht in ihrer schleichenden Politisierung.

Fehlweg 5: Rechtspopulistische Politisierung

Die Entwicklungen der letzten Jahre in den USA sind dramatisch. „Jesus is my Lord – Trump is my President“ wurde zum Bekenntnis vieler. Eine fatale Instrumentalisierung großer Teile der weißen Evangelikalen. Das wirkt weltweit.

Manche Akteure sind auch hierzulande populär, etwa John MacArthur oder Eric Metaxas. Und wir haben unsere eigenen zunehmend politisch einseitig engagierten Evangelikalen. Die Corona-Debatten haben diese Entwicklungen nochmals beschleunigt.

Es sind bestimmte Trigger-Themen, die wertkonservative und biblische Grundhaltungen scheinbar (!) mit Populisten verbinden. Alles allerdings nur vermeintliche Verbindungen, was näher zu entfalten wäre.

Man beklagt eine Ideologisierung gesellschaftlicher Debatten und übersieht die eigene ideologische Brille.

Die Evangelischen Kirchen im Allgemeinen mögen gelegentlich zu linkslastig sein – kleine, aber wahrnehmbare Teile der evangelikalen Bewegung drohen jedoch auf der anderen Seite nicht nur vom Pferd, sondern ins ideologische Abseits zu fallen.

Es ist die gleiche Gefahr wie in den 30er und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts: Man ist felsenfest davon überzeugt, im Kampf gegen eine Gefahr von links auf der richtigen Seite zu stehen. Dabei wird man blind für die eigene Gefährdung. Man beklagt eine Ideologisierung gesellschaftlicher Debatten und übersieht die eigene ideologische Brille.

Der böse „Mainstream“

Diese rechtslastige Politisierung, verbunden mit einem grundlegend negativen Gesellschaftsbild, ist leider an wenigen, aber zu vielen Stellen mit Händen zu greifen. Die etablierten Akteure und Institutionen in Politik, Wissenschaft, Medien und Kirchen stehen unter Generalverdacht.

Sie werden nicht nur kritisiert, was in der Sache gelegentlich durchaus berechtigt und angemessen ist, sondern verachtet und verhöhnt. Man spricht vom „Staatsfunk“, von „Gleichschaltung“, von „Corona-Diktatur“. Man wähnt sich gegenüber dem „Mainstream“ in einer Opferrolle und vergeistlicht diese.

In allen Bereichen werden vermeintliche „Alternativen“ gesucht: fragwürdige Medienportale, Parteien und Netzwerke mit zum Teil offenen Sympathien für Fremdenfeindlichkeit oder Corona-Verschwörungsmythen. Es wird beklagt, Synoden und Kirchen agierten zu politisch – selbst ist man allerdings sehr wohl von einer politischen Agenda bestimmt.

Mehr Christus-Gelassenheit!

Quo vadis: Was ist jetzt der Jesus-Weg? – Hier kann es nur eine radikale Umkehr geben, wenn wir Bibel und Bekenntnis ernst nehmen. Es braucht eine klare Unterscheidung von Lehre und Ideologie, von Wort Gottes und eigener Weltdeutung. Verführung ist immer dort am größten, wo uns etwas sehr nahe zu sein scheint.

Jesus verweist uns auf Splitter und Balken in den jeweiligen Augen … und er weist den politischen Systemkritiker Judas in die Schranken. Jesus war kein Zelot. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“, konnte er sagen – und das, obwohl der römische Kaiser nun wirklich als Despot und Antichristus aufgetreten ist.

Nochmals, damit wir uns recht verstehen: Kritik darf und muss sein. Auch Grund zum Widerstand kann es durchaus geben. Der Weg Dietrich Bonhoeffers veranschaulicht dies eindrücklich.

Wenn doch Jesus Christus Herr der Geschichte ist, wenn er doch regiert, wenn er Welt und Zeit in Händen hält – warum dann diese Angst, diese Empörung, dieses Ereifern?

Gerade diesen aber aus seinem historischen Zusammenhang zu reißen und heute für eine neue politische Propaganda zu instrumentalisieren, ist geistiger Missbrauch und geradezu infam. Genau das geschieht. Um der Wahrhaftigkeit und um des Wortes Gottes willen gibt es hier nur ein klares Nein.

Uns gilt das Gebot der Nächstenliebe, übrigens auch der Fremdenliebe. Das ist der Jesus-Weg. Zu erinnern ist an die Merkmale, die die evangelikale Bewegung eigentlich kennzeichnen und ausmachen. Sie bewahren vor politischen Instrumentalisierungsversuchen.

Vor allem aber wundert mich eines: der kleine Glaube und das fehlende Vertrauen mancher Polit-Akteure. Wenn doch Jesus Christus Herr der Geschichte ist, wenn er doch regiert, wenn er Welt und Zeit in Händen hält – warum dann diese Angst, diese Empörung, dieses Ereifern? Ich plädiere für mehr Christus-Gelassenheit. Gelassenheit ist die unterschätzte Gabe des Heiligen Geistes.

Gibt es Grund zur Hoffnung? Ja, und ob! Ich sehe zumindest fünf Trends, die Hoffnung machen:

Trend 1: Eine persönliche Jesus-Beziehung

Ich nehme mit großer Dankbarkeit wahr, dass es diese Jesus-Leute in vielen kirchenpolitischen, konfessionellen und spirituellen Lagern gibt. Was sie bei allen Unterschieden verbindet, ist das feste Vertrauen und die eine Hoffnung auf Jesus Christus. Das ist mehr als ein Minimalkonsens. Es ist die Einheit im Entscheidenden.

Trend 2: Eine neue Gebetsbewegung

Es gibt eine neue Generation, die betet. Junge und nicht mehr ganz so junge Erwachsene beten. Gebetskonzerte, Gebetsnächte, Gebetshäuser sprießen aus dem Boden. Man kann manches daran auch kritisch hinterfragen, aber: Eine Generation, die betet, hat Verheißung.

Trend 3: Die Suche nach Authentizität

Echtheit ist gefragt. Ein Glaube, der nicht nur aus Formen und Ritualen besteht, sondern aufrichtig und ehrlich gelebt wird. Die neue Suche nach authentischem Leben folgt einem urpietistischen Grundzug, der wieder absolut angesagt ist.

Trend 4: Eine Renaissance der Ethik und der Verantwortung

Eine neue Generation gibt sich mit dem Herzensglauben nicht zufrieden. Die Verantwortung für die Schöpfung wird neu entdeckt und übernommen. Plastikflaschen, nicht fair gehandelter Kaffee und hoher CO2-Verbrauch werden nicht mehr akzeptiert.

Was früher Sache „linker Ökogruppen“ war, ist jetzt Thema evangelikaler Jugendgruppen. Gut so, sage ich. Da wird eine Einseitigkeit korrigiert: Wir Christen haben Verantwortung für diese Welt. Der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, ist ein Menschheitsauftrag.

Trend 5: Die Wiederentdeckung des diakonischen Auftrags

Das führt dazu, dass die Diakonie und die soziale Arbeit neu entdeckt und gelebt werden. Viele junge Menschen wollen nicht einfach Pfarrer oder Pastorin sein, sondern auch soziale Kompetenz mitbringen. Die hohe Nachfrage nach den Studiengängen „Theologie und soziale Arbeit“ unterstreicht das eindrücklich.

Großartig, sage ich. Denn diese Kompetenzen brauchen wir, wenn in den kommenden Jahrzehnten die Volkskirchen zu Minderheitenkirchen werden: Es braucht aufsuchende Sozialarbeit, Missionarinnen, die hingehen, und Diakone, die dort anpacken, wo die Menschen sind.

Es gibt in all dem, was zu zerfallen droht, einen Trend zum Aufbruch. All das macht mir sehr viel Hoffnung. Die Jesus-Bewegung lebt. Sie ist genauso wenig totzukriegen wie ihr Herr selbst. Darum hoffnungsvoll voran auf dem Jesus-Weg!

Steffen Kern ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Journalist und seit September 2021 Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Kassel).


Dieser Artikel ist in der Zeitschrift 3E erschienen. 3E wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

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6 Kommentare

  1. Ich finde die 5 Fehlwege gut benannt.

    Aber was die positiven Trends angeht: Genau das fand sich auch schon in meiner Jugend unter jungen Christen. Spätestens mit Anfang/Mitte 30 war das dann aberzogen und man fand sich auf einem der Fehlweg wieder. Oder hatte dem ganzen mehr oder weniger den Rücken gekehrt.

    Nur zur Klarstellung: ich beziehe mich auf den Text, also das evangelikale, nicht auf den christlichen Glauben an sich.

  2. Generell kann ich den Einschaetzungen des Artikels folgen. Dann hab ich mich ehrlich gesagt verabschiedet. Wir Christen versuchen seit vielen Jahren Menschen und besonders Jugendliche mit Programmen und Initiativen zu gewinnen und lassen ausser Acht, dass das Leben mit Christus nichts anderse als eine Liebesbeziehung mit dem HERRN ist. Unsere Gemeindekultur is gepraegt vom theologischen Liberalismus, der nicht viel mit dem Evangelium zu tun hat.Um es vorweg zu nehmen, ja ich bin ein radikaler Christ, nicht alles besser wissend und nicht erwartend, dass irgendjemand das tut und das glaubt, was ich als richtig sehe. Die Beziehung mit Jesus mist lebendig, spannend und umwerfend abwechslungsreich. Um das zu erfahren sollte die Gemeide und der einzellne Christ Rom 12:1-3 sehr ernst nehmen und auch leben. Dann kannst du das und groessere Dinge sehen und erfahren als in der Apostelgeschichte geschrieben sind. Heilungen sind heute genauso aktuell wie Zeichen, Wunder , Prophetien, Worte der Rekenntniss und so weiter. Wir muessen aufhoeren, auf einWort des HERRN zu hoeren ob wir jemanden den wir in Not sehen helfen oder nicht. Wenn du liebr ZChrist es siehst, dann hat Gott dich ausersehen zu helfen. Glaube ist nich hyperspiritual, sondern Bezihungs bezogent, immer. Den Gott den ich kenne ist sehr praktisch. ER liebt mich nicht wegen dem was ich tue, sondern wer ich bin, SEIN Sohn.

  3. Das sind nur Schlagworte

    Das sind nur Schlagworte: Beispielsweise jenes von der Gemeindekultur, die geprägt ist vom theologischen Liberalismus, der nicht viel mit dem Evangelium zu tun hat. Jahrzehnte war die Kirchenvorsteher. Dies schreibe ich nur wegen der vielen inhaltsarmen, einfallslosen, langweiligen, langen und schlecht vorbereiteten Predigten. Natürlich gibt es auch die guten und sehr guten Reden der Frau oder des Mannes vor dem Altar. Es gibt die wirklich begeisterten Ansprachen, die gottesdienstliche Feier als gemeinsames Projekt, die von Kerzen erleuchteten Gotteshäuser sowie die liebevollen Mitchristen in gelebter Geschwisterlichkeit. Als theologisch interessierter ganz normaler landeskirchlicher Christ ist mir durchaus gegenwärtig was hier mit liberal gemeint ist, allerdings sind mir solche Prediger fast nie begegnet. Wenn man mit liberal aber meint, es gelte nur die Verbalinspiration als die richtige, dann freue ich mich für alles liberale und was ich dafür halte. Wenn ich nicht völlig irre, sind die meisten gut informierten Evangelikalen durchaus einverstanden mit der Formulierung, dass Gottes Wort immer Gotteswort durch Menschenwort ist. Im übrigen habe ich mein Leben lang die Erfahrung gemacht, dass mein Gott sehr viel Geduld mit mir hat und er nie von mir erwartete, dass ich mein kritisches Denken in der Kirchengarderobe ablege. Diese links-rechts oder liberal bzw. nichtliberale Denk-Schubladen sind auch ungeeignet für die große Dimension des christlichen Glaubens und der unendlichen Größe desjenigen, dessen Gedanken wir hier noch nicht verstehen können. Wenn wir uns weiter darum bemühen und gegenseitig in jene Schubladen einzusortieren, zerstören wir nicht nur die eigene Kirche, sondern auch die Ökumene. Christsein halte ich für eine Liebebeziehung zu Gott. Aber er hat mich, ich aber nicht ihn.

  4. Ich bin sehr angetan, der Artikel von Steffen Kern bringt es am Punkt. Herzlichen Dank.

    Ja, auch ich habe meinen „Balken in meinem Auge“ gefunden (wo andere sich ändern mussten).

  5. Eventuell wichtige Hinweise hier …
    Nur, wie wollen wir uns gegenseitig noch verständlich machen, wenn sogar hier die „Genderei“ Einzug hält.
    Damit wird die Gesellschaft (und die Christenheit) in ideologische (Sprach-)Parzellen gespalten.
    Warum dürfen wir nicht mehr von Studenten, Missionaren oder Diakonen reden?

    Gute Argumente, warum es einfacher, treffender und verständlicher ist einfach Deutsch zu reden liefert dieser Text: https://prod.berliner-zeitung.de/wochenende/gendern-ist-eine-sprachliche-katastrophe-li.158476
    Für seinen kritischen Text zum Thema Gendern in der deutschen Sprache hat der Journalist Ingo Meyer immerhin den Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Meinung“ gewonnen.

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