DNA
Darstellung einer DNA. Bild: PublicDomainPictures / Pixabay

Berichten zufolge sind zum ersten Mal Zwillingsmädchen zur Welt gekommen, deren Erbgut-Anlage bearbeitet wurde. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, der Theologe Peter Dabrock, spricht gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) von einem „Super-Gau“. Auch mehrere Wissenschaftler kritisieren die Geburt der Kinder scharf.

Lulu und Nana heißen die beiden Mädchen, bei denen eine Erbgut-Anlage mithilfe des Genom-Editier-Werkzeugs Crispr/Cas9 ausgeschaltet worden sein soll. Damit sollen die Schwestern resistent gegenüber HIV sein. Diese Methode ist allerdings noch kaum untersucht, für eine praktische Anwendung ist es nach Meinung vieler Wissenschaftler noch viel zu früh.

Unter anderem kritisierte auch Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, das Vorgehen. Er sieht die Experimente als „unverantwortliche Menschenversuche“. Die Neben- und Spätfolgen seien unabsehbar und schwer zu kontrollieren.

Dabrock forderte gegenüber der FAZ, dass sich die Politik auf globaler Ebene des Themas so schnell wie möglich annehmen müsse. Auch über eine Überwachungsbehörde analog zur Internationalen Atomenergie-Organisation müsse nachgedacht werden: „Die Menschheit muss Mitspracherecht haben.“

LINK: Wissenschaftsprotest in China gegen Versuch mit Zwillingsmädchen

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. LASST UNS MENSCHEN MACHEN NACH MEINEN VORSTELLUNGEN

    Der Artikel über die angeblich genveränderten Zwillinge erinnert mich an ein sehr anregendes Gespräch, dass wir bei Würstchen mit Senf an einem Karfreitag eher zufällig mit einem katholischen Priester führten. Das war Anfang der 1970er Jahre und drehte sich um die ethische Frage, ob es in einer ferneren Zukunft möglich und gut ist, Menschen nach Wunsch zu produzieren. Die Schwierigkeit in ethischen Fragen ist ja immer, dass man mit einem Messer eine Figur schnitzen, ein Brot schneiden oder einen Menschen erstechen kann. Ein Eingriff in die Gene kann theoretisch nicht nur gegen HIV resistent machen, sondern gegebenenfalls auch den Charakter eines Menschen verändern. Da die 1968er Bewegung gerade am abflauen war, malten wir uns aus, wie es wäre, könnte man sich einen Typus Untertan schaffen, der als Teenager oder Student nicht gegen seine Eltern und später auch nicht gegen den Staat rebelliert. Eine Frau oder ein Mann, die/der keine Depressionen bekommt, immer zufrieden ist und nicht mehr streiken möchte. Eltern würden Kinder bestellen, die beim Heranwachsen kaum noch krank werden. Oder – ist man allergisch gegen ethisch-moralische Geschmacksveränderungen – die nicht mehr homosexuell geraten. Gewissermaßen der Mensch aus dem Katalog, nach den Vorstellungen von Menschen modelliert, wie es beliebt wertkonservativ, fromm, oder auch das Gegenteil. Die Armen werden so geboren, wie sie Gott schuf und.die Reichen züchten ihren Nachwuchs um. Es ist erstaunlich, was aus einem solchen Gespräch, ursprünglich befasst mit dem Schutz des ungeborenen Lebens, so alles reflektiert werden kann. Heute ist alles viel möglicher geworden. Bewahre uns Gott davor. Es ist nur schade, dass ein solch wichtiges Thema kaum eine größere öffentliche Diskussion erzeugt. Zugegeben, als Mann kann ich kein Kind gebären. Aber ist verstehe schon, dass es unendlich leidvoll und konfliktreich ist, als Frau ein ungeborenes krankes Kind zu bekommen, wenn man die Schwangerschaft auch abbrechen kann. Die ethische Frage stellt sich, ab wann ein Mensch ein Mensch ist und mit welchen Absichten wir in sein Erbgut eingreifen möchten. Oder ob wir die Existenz eines Menschen verhindern, der grundsätzlich nicht in unsere Lebensplanung oder in unsere Vorstellung von einem unbeschwerten Leben passt. Genauso müsste man fragen, ob alles erlaubt ist, was möglich wäre. Ich halte das alles für sehr diskussionswürdig. Ein friedlicher Streit darüber ist notwendig.

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