David Brunner sagt von sich, dass er leidenschaftlich gerne predigt – früher streng nach Manuskript, heute frei. In diesem Blogbeitrag präsentiert er fünf Tipps für Predigerinnen und Prediger, die auf seiner Erfahrung als Prediger und auch als Zuhörer beruhen. Dabei geht es unter anderem um die sorgfältige Vorbereitung, das Bibellesen und den „salbungsvollen Singsang“.

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  1. Predigten sind Propagandareden über die Liebe Gottes

    „Die Gemeinde hat ein Recht darauf, eine gute, eine unterhaltsame, eine herausfordernde, eine wachrüttelnde, eine humorvolle, eine seelsorgerliche, eine emotionale, eine apologetische, eine überzeugende, eine kurzweilige, eine liebevolle Predigt zu hören. Nur auf eines hat Gemeinde absolut kein Recht: auf eine langweilige Predigt“! Damit ist fast schon alles zum Thema Predigt gesagt. Fast 40 Jahre gehörte ich zum himmlischen Bodenpersonal, denn solange war ich in einem Kirchenvorstand, gewissermaßen dem leitenden geistliche Amt in einer (demokratisch geleiteten) Ev. Kirchengemeinde. Ich habe mich als Nichttheologe immer für Glaubensfragen sehr interessiert. Aber vor allem habe ich unzählige Predigten gehört – zum Glück nicht immer von der gleichen Person. Darunter können Menschen in den Kirchenbänken sehr leiden.

    Ich habe wunderbare Predigten gehört von Pfarrerinnen, Pfarrern oder Prädikantinnen und Prädikantinnen, die erfüllten alle die Idealvorstellung des guten Textes von David Brunner. Manchmal wurde der Text abgelesen, manche/r kann dies nicht anders, aber auch das Ablesen kann man erlernen. Wieder andere – und das ist eher eine kleine Minderheit – beherrscht auch den Vortrag oder die Predigt ohne geschriebenes Manuskript – sogar sehr gut. Schlimm wird es, wenn die Frau oder der Mann vor dem Altar auf die Idee kommt, den Text zu verlassen und eben gekommene Gedanken einzufügen. Dann kann es sein, dass der rote Faden verloren geht. Auch der Heilige Geist kann nur wirken, wenn man sich mit oder ohne Text einer guten Selbstdisziplin befleißigt. Ich hatte früher öfters die Aufgabe, auch über die Sonntags- oder Feiertagsansprache eines Gastpredigers (anlässlich besonderer Feste) in verschiedenen Blättern zu schreiben und ließ mir der Einfachheit halber die Predigttexte geben. Anschließend wunderte mich nicht, warum ich mich manchmal nach einer Predigt nicht mehr an ihren Inhalt erinnerte: Auch der niedergeschriebene Text enthielt viele „fromme Worthülsen“, die wie der Deckel fast auf jeden Topf passten. Dann gibt es ein Problem der älter werdenden Theolog*innen (die es auch bei anderen Berufsgruppen der sprechenden und schreibenden Zunft gibt): Die Sonntagsansprachen gewinnen dann zunehmend an Länge. Einer meiner früheren Pfarrer hatte Liebe zum Detail und beließ es nicht bei dem formulierten Bild, wie Jesus auf den staubigen Straßen ging, sondern er dozierte lange über die Größe eines Sandkornes und wie zahlreich es in der Wüste vorhanden ist, in der Gottes Sohn 40 Tage fastete. Ich bin der Auffassung, dass Christinnen und Christen, zumal die Berufs-Christen, durchaus unterschiedliche (theologische) Auffassungen vertreten dürfen. Aber ich stellte immer wieder fest, dass die oder der Mensch im Talar sich gerne beim Predigen um die Hürden unausgesprochener theologischer Fragen herumdrückte. Als ich einmal einen recht konservativen Gottesmann fragte, ob Petrus wirklich auf dem Wasser gegangen ist, oder ob damit eher sein Vertrauen beschrieben wurde sogar auf den Wellen zu laufen, reagierte er extrem unwirsch. Zur guten Predigt gehört daher ab und zu das Predigtnachgespräch. Aber was weh tut sind die vielen langweiligen, langatmigen Predigen, die den Kopf und die Beine mancher Mitchristen animieren, auch in Nicht-Coronazeiten lieber zuhause einen schönen Netz- oder Fernsehgottesdienst mitzufeiern. Wenn dann manchmal an normalen Sonntagen nur 10-20 fast immer nur ältere Leute (ich bin es auch schon) in den Kirchenbänken sitzen, dann sind auch die grottenschlechten Predigten schuld. Dem Kantor – übersetzt Sänger/in im Gottesdienst – nötigt man ab, dass er schön und gekonnt singt, dass er auch dirigieren kann und ebenso herrliche Orgelmusik spielt. So ist auch die Predigerin oder der Prediger jemand, der die Kernkompetenz mitbringt, die wichtige Aufgabe professionell zu erfüllen, die größte Botschaft im Universum angemessen und gekonnt weiterzusagen: Gott liebt dich. Eine gute Predigt benötigt Vorbereitung, die sich jeder gönnen sollte. Ich halte es für einen Irrglauben, es dem Heiligen Geist anzulasten, er würde nicht wehen (wollen). Es liegt an jeder und jedem in der Gemeinde und Kirche, ob wir uns vom Wind des Geistes Gottes tragen lassen. Mit dem Segelboot der Gemeinde können wir nicht rudern, aber das Segel in den Wind hängen.

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