Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die zunehmende Hetze und Bedrohung in gesellschaftspolitischen Debatte angeprangert. „Wut und Vernichtungsdrohungen haben im Internet einen Raum gesucht und gefunden, in dem sie sich hemmungslos austoben können“, sagte der EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm in seiner Predigt zum ersten Advent in der Nürnberger Lorenzkirche.
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Wenn es gegen die sogenannten „Eliten“, gegen „die da oben“ gehe, dann entlade sich alles, was sich an Frust und Unzufriedenheit aufgestaut habe. „Da kann es sein, dass ein Bundespräsident und eine Bundeskanzlerin und andere im Staat Verantwortliche am Tag der Deutschen Einheit mit ‚Haut ab‘- und ‚Volksverräter‘-Rufen empfangen werden“, kritisierte der evangelische Theologe.

Mit Blick auf den designierten US-Präsidenten Donald Trump und dessen polarisierende Wahlkampfauftritte sagte Bedford-Strohm: „Und da kann es sein, dass ein Mann, der im Wahlkampf wütend gegen ganze Menschengruppen herzieht, zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Erde gewählt wird.

„So ist die Welt eben“ keine christliche Einstellung

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„In vielen Ländern sei eine gereizte Stimmung entstanden, „bei der Fakten oder kluge Argumente kaum noch eine Chance haben gegen bewusst gestreute Lügen oder aufgewühlte Emotionen“, sagte Bedford-Strohm weiter. „Deftige Worte, Wut und Zorn, liebe Gemeinde, kennen wir auch sehr gut im Deutschland des Jahres 2016“, bedauerte der Bischof.

Christen sollten sich aber nicht mit der Einstellung „So ist die Welt eben“ abgeben, sondern mit den Worten des Propheten Jeremia „Siehe es kommt die Zeit …“ hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Dieser „Tenor“ nach Frieden und Gerechtigkeit ermutige die Menschen dazu, sich „nie und nimmer“ mit Unrecht abzufinden. Nächstenliebe und Gottesliebe könnten laut Bedford-Strohm schließlich nicht voneinander getrennt werden.

Um diesen Gedanken auch im Weihnachtstummel einen Raum zu geben, nannte er als praktisches Beispiel die Möglichkeit in „eine der vielen offenen Kirchen in der Stadt zu gehen, inne zu halten und sich wieder klar werden, warum wir das eigentlich alles tun.“