Bild: shutterstock / kitty
Christliche Scherzerei, fromme Floskeln in Anführungsstrichen: Nehmen wir Gott eigentlich noch ernst? Ein Gedankeneinwurf.

Vorweg: Es geht hier nicht um religiöse Gefühle. Vor allem nicht um meine. Die sind mir herzlich egal. Es geht um Würde und Humor und wie das beides vor Gott zusammengeht. Oder auch nicht.

Unter Christen habe ich zwei Gruppen von Nachfolgern kennengelernt: Den einen ist die Sache mit Gott derart ernst, dass sie sich unendlich schwer tun mit Predigern, die zwischen zwei theologischen Aussagen einen albernen Spruch mit Jesuspointe raushauen. Die anderen versuchen, Gott bloß nicht dem Verdacht auszusetzen, zum Lachen in den Keller zu gehen, weil sie befürchten, dadurch Außenstehende zu verschrecken. Also: Womit werden wir Gott gerecht? Ist das cool, Gott einen Witz in den Mund zu legen – oder einfach nur respektlos?

Ernst – Der Kern der Frage

Die Frage scheint sich für mich im Kern an einem simplen Wort zu entscheiden: dem Ernst. Das Wort klingt irgendwie altbacken und spaßbefreit, aber es hat Potential. Nach innen meint es eine durch Sachlichkeit, Nachdenklichkeit und Strenge gekennzeichnete Grundhaltung. Gott ernst zu nehmen, würde also bedeuten, ihn als erfahrbare und lebendige Realität anzuerkennen – als Wesen, dessen Meinung Gewicht hat. Was durchaus nachvollziehbar ist: Wer, wenn nicht der Schöpfer des Universums, kann uns sagen, wer wir sind, wofür wir leben und wie wir leben sollen? Es wäre unsinnig, an Gott als Schöpfer des Universums zu glauben und ihn gleichzeitig nicht ernst zu nehmen. Wenn Gott existiert, dann hat er auch Autorität – und das nötigt mir ein Mindestmaß an Respekt ab. Das spricht nicht gegen Humor, solange er keinen Zweifel an meinem Ernst lässt.

Gottes Heiligkeit – Nichts für die leichte Schulter

Außerhalb des Betrachters meint Ernst eine gewichtige Wirklichkeit, von der eine gewisse Bedrohlichkeit ausgeht. Ob von Gott eine gewisse Bedrohlichkeit ausgeht, wird von Christen verschieden betrachtet. Er selbst offenbart sich in seinem Wort als Gott der Liebe, aber auch als Gott, mit dem unter gewissen Umständen nicht gut Kirschen essen ist.

Noch dazu lernen wir Gott als heiligen Gott kennen. Die Engel, die ihn fortwährend anbeten, besingen diese Heiligkeit als herausragende Charaktereigenschaft. Ihr „heilig, heilig, heilig“ aus Jesaja 6,3 wiederholen wir in unzähligen Anbetungsliedern. Wenn selbst die Engel ihn nicht wegen seiner Liebe anbeten, sollte uns das zu denken geben. Heiligkeit auf Gott bezogen, bezeichnet umfassend Gottes Wesen, wie es uns in der Bibel offenbart wird. Im Umkehrschluss entspricht alles, was nicht heilig ist, nicht seinem Wesen.

Am Beispiel des Gebots „Du sollst nicht lügen” wird das anschaulicher. Dieses Gebot wird den Menschen von Gott deswegen auferlegt, weil er selbst vollkommene Wahrheit und Treue ist (Johannes 14,6; Römer 3,4; 2. Timotheus 2,13). Alles, was er sagt, ist absolut zuverlässig. Das Gebot hat somit nichts mit einer Moralvorstellung zu tun, sondern mit Gottes ureigenstem Wesen. Deswegen kann er keine Lüge oder Halbwahrheiten neben sich akzeptieren. Und folglich auch keinen Menschen, der in der Lüge lebt.

Ernst nehmen – ohne Wenn und Aber

Beide Dimensionen von Ernst treffen sich auf der Schnittstelle meiner Nachfolge. In der Art, wie ich rede und handle, zeige ich, wie ernst eine Begegnung mit Gott ist, und wie ernst es mir mit dem Glauben ist. Ich verstehe jeden, der da mal ausbrechen möchte. Der den Druck der eigenen Erwartungen oder Gottes beeindruckender Gegenwart durch Ironie abzufedern versucht. Manchmal geht mir diese Ironie zu weit. Bei dem ein oder anderen Witz über Gott hatte ich den Eindruck: den erlaubt man sich nur, wenn man nicht mehr mit dem letzten Ernst bei der Sache ist. So witzelt jemand rum, der sich Gott und seinen Anspruch auf Abstand hält. Der den Glauben in Gottes Möglichkeiten längst aufgegeben hat und Gott als Chiffre für das Zufällige im Leben benutzt.

Balance finden zwischen Vertrautheit und Respekt

Es juckt mich in der Magengrube, wenn Gott in Gebetszeiten angesprochen wird, als säßen wir gerade zusammen im Whatsapp-Chat. Jo, Homie. Was geht, Daddy. Hey Bro. Da stimmt was nicht. Die Bibel ist voll von überlieferten Reaktionen der Menschen, die mit dem Übernatürlichen in Berührungen gekommen sind. Jesaja reagiert mit Todesangst (Jesaja 6,5) – und Gott interveniert persönlich, um klarzustellen, dass Jesaja Gnade gefunden hat und weiterleben wird. Petrus wirft sich, nachdem er Jesus als Messias erkannt hatte, auf den Boden und ruft: „Geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder.” (Lukas 5,8), woraufhin Jesus ihm erst einmal ein „Fürchte dich nicht“ zuspricht. In der manifesten Gegenwart Gottes ist uns nicht nach Flapsigkeit zumute.

Die Grundhaltung der Menschen der Bibel ist deutlich: In Beziehung zu Gott zu treten, ist nicht selbstverständlich. Sie beruht letzten Endes auf seiner Gnade, die eine überdeutliche Kluft zwischen sich und den Menschen überwindet. Ist uns das alles zu selbstverständlich geworden? Warum trauen wir uns, Gott wie einen unserer Homies zu behandeln?

Eine Grundhaltung zu entwickeln, die Gott im Alltag wirklich ernst nimmt, ist nicht einfach. Im Gespräch mit Freunden über die Frage, ob wir Gott eigentlich noch ernst nehmen, dämmert mir langsam, welches Ausmaß es hat. Rechne ich mit Gottes Wirken und Handeln, wenn ich über ihn rede oder zu ihm bete? Sind beispielsweise Worte wie: „Ich wünsche dir Gottes Segen“ leicht dahergesagte Floskeln oder eine echte Überzeugung, dass Gott Gutes über das Leben einer Person aussprechen wird, weil er als Schöpfer die Macht dazu und den Willen hat?

Natürlich will ich Gott im Alltag ernst nehmen. Weil es die einzige angemessene Reaktion gegenüber einem heiligen Gott ist, der alles erschaffen hat und auch mein Leben erhält. Der Schlüssel liegt darin sich bewusst zu werden, wer ich selbst bin und mit wem ich es hier eigentlich zu tun habe. Damit mein Reden über Gottes Sache mehr ist als ein auf Lacher getrimmtes Lippenbekenntnis.

Von Sergej Karelson


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift DRAN NEXT erschienen. DRAN NEXT gehört wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Sehr gut! Das musste einmal angesprochen werden. Es schmerzt geradezu wenn Leute, die sich
    als gläubig bezeichnen über Gott witzeln, aber es geschieht selten. Sind es Atheisten, so tun sie einem nur leid.

  2. Ernsthaftigkeit trifft’s für mich nicht so…. eher Respekt. Wenn Lachen und Religion sich aber ausschließen wäre das doch stinkelangweilig und krampfhaft verbissen….

  3. wer bitte ist Sergej Karelson ? Muss ich das gut finden ? Vertraulichkeit mit Gott hat nichts mit
    fehlender Achtung oder gar Ehrfurcht zu tun. Immerhin hat ER uns erlaubt und dazu ermuntert, den allmächtigen Vater mit „Abba“ bzw „Papa“ anzusprechen; eben als seine Kinder und als Brüder/Schwestern Jesu. Kinder haben bedingungslosen Zugang zum Vater, jedezeit nund in allen Dingen…

Comments are closed.