Er ist ein vielfach ausgezeichneter Musikproduzent, Komponist, und Keyboarder: Im Gespräch mit Jesus.de erzählt Dieter Falk von der Entstehung des Pop-Oratoriums „Die 10 Gebote“, der Zusammenarbeit mit seinen Söhnen und „guter und schlechter Mucke“.
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Wie kam es eigentlich zu Ihrer Mitwirkung bei „Die 10 Gebote“? Spontan? Oder war so ein biblisches Pop-Oratorium ein Herzensanliegen?

Irgendwann im März 2009 klingelt’s bei mir und da stehen die Leute von der „Creativen Kirche“, Birgit Westerhoff vom Volksmissionarischen Amt der EKD [Evangelische Kirche in Deutschland] und von der Westfälischen Landeskirche vor der Haustür. Sie sagen zu mir: „Pass auf, wir wollen 2010 etwas Großes machen. Hättest du Lust?“ So etwas muss man mich nicht zweimal fragen, denn normalerweise komponiere ich Lieder von dreieinhalb Minuten Länge. Groß und orchestral, das hat mich unglaublich gereizt. Aber ich bin kein Texter. Daher ging mein nächster Anruf eine halbe Stunde später nach Hamburg. Ich hab’ Michael Kunze ein bisschen überfallen und sagte: „Michael, kennst du jemanden, der Lust hätte sowas zu machen?“ Und Michael: „Ja, ich kenne jemanden – mich selbst!“ Den Rest der Geschichte kennen wir. Inzwischen hat das Ding eine ziemliche Eigendynamik entwickelt.

Haben Sie damals damit gerechnet, dass „Die 10 Gebote“ so erfolgreich sein würden?

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[lacht] Wenn ich jetzt „nein“ sage, klingt das so kokett… Also, es war so: Wir hatten ursprünglich nur eine einzige Aufführung geplant, nämlich die in Dortmund vor genau zwei Jahren. Doch als die Sache so gut ankam, da haben wir uns zusammengesetzt und gedacht: Es wäre eigentlich schade, wenn wir das nicht fortführen würden. Denn offensichtlich haben wir da was losgetreten. Die Leute haben Lust zu singen. So kam es zu den vier Großveranstaltungen, zwischendurch hatten wir noch den Kirchentag und andere Sachen. Aber was mich besonders freut: Es gab über 80 Aufführungen in ganz kleinen Städtchen, irgendwo zwischen Posemuckel und Berchtesgaden, wo dann kleine Chöre das aufgeführt haben, die sich hier kennengelernt haben – was auch ein schöner Aspekt ist: Offensichtlich wachsen Chöre durch solche Events wie diese.

Was glauben Sie: Warum begeistert eine Show mit einem uralten, bekannten Thema so viele Menschen?

Du musst so ein altes Thema halt „sexy“ verpacken. Wenn du das brachial mit Frömmeln und Holzhammer machst, dann glaube ich nicht, dass das irgendjemand hinterm Ofen hervorlockt. Ich bin Christ. Oute mich auch als solcher. Ich betreue gute kirchliche Jugendarbeit. Ich stünde heute nicht hier und würde Popmusik machen, wenn ich nicht irgendwo in einem Gospelchor im Siegerland groß geworden wäre. Und wenn du das „entertainend“ verpackst und so ’ne Story in moderne Worte fasst, dann kann man auch 15.000 Leute heranlocken.

Ihre zwei Söhne Paul und Max wirken auch mit. Wie kam es dazu?

Ich hab‘ „Die 10 Gebote“ ja zuhause komponiert. Mein Studio ist hier im Haus. Da kamen wir nicht daran vorbei. Paul hat damals noch vor dem Stimmbruch die Demos eingesungen. Während meine Frau und ich eher abwartend waren, sagte Michael Kunze: „Komm, lass ihn das nachher auch singen.“ Und dass Max jetzt der Schlagzeuger ist, hat sich folgendermaßen entwickelt: Bei der Uraufführung vor zwei Jahren war er der Percussionist. Inzwischen ist er aber auch ein guter Schlagzeuger geworden.

Kann die Zusammenarbeit mit den beiden manchmal auch… kompliziert werden? Vater und Söhne?

Da müssten Sie sie selbst fragen! Aber wir spielen viel zusammen. Auch dieses „Celebrate Bach“-Album haben wir ja zusammen gemacht. Wir sind schon viel zu dritt unterwegs. Es macht unglaublich viel Spaß mit der Family unterwegs zu sein. Und wenn sie in zwei Jahren noch Bock haben was mit mir zu machen – ja klar!

Sie stehen bei „Die 10 Gebote“ nicht auf der Bühne. Sind Sie trotzdem aufgeregt?

Ein bisschen Lampenfieber gehört dazu. Je größer das Konzert, desto größer das Lampenfieber. Wir hatten jetzt gerade im letzten Jahr sehr viele Fernsehauftritte, auch mit unserem „falk & sons“–Projekt. Am aufgeregtesten von uns bin immer ich. Aber auch wenn ich wie hier nicht auf der Bühne stehe, weil doch viel Verantwortung auf einem lastet. Ich bin zwar nicht der Veranstalter, aber es ist doch ein nervenaufreibendes Projekt. Eigentlich müsste man das Oratorium im Theater aufführen, wo der Sound viel einfacher zu „handeln“ ist, aber wir machen das in einer Arena, die ich wegen der sehr kritischen Akustik eigentliche hasse. Aber es klappt ganz gut.

Kürzlich wurde “The Voice of Germany” gekürt. Würden Sie noch mal so etwas Ähnliches machen wie „Popstars“?

Eine Castingshow? Ich mach’ ab und zu ein bisschen Fernsehen fürs ZDF. Aber bei einer so zeitraubenden Castingshow wie damals – zwei Jahre „Popstars“ – würde ich nicht nochmal mitarbeiten, weil es den ganzen Terminkalender in Anspruch nimmt. Dann könnte ich so schöne Dinge wie beispielsweise „Die 10 Gebote“ nicht mehr machen. Aber ich muss ehrlich zugeben, dass mir „Popstars“ sehr viel genützt hat. Auch für solche Großprojekte hier. Weil das ja schon eine riesige Öffentlichkeit ist, die man da bekommt.

Wie beurteilen Sie die christliche Musikszene in Deutschland? Hat sie Potenzial?

Ich komme ja ursprünglich aus der kirchlichen Musikszene. Aber ich muss zugeben… ich kenn’ mich da gar nicht mehr so genau aus. Ich hab’ mich schon vor vielen Jahren entschieden, meinen Lebensunterhalt mit normaler Popmusik zu verdienen. Dann kam PUR um die Ecke und damit war mein Werdegang so ein bisschen vorgezeichnet. Ich kenne natürlich viele Künstler aus der sogenannten christlichen Popmusikszene. Ich bin da immer etwas vorsichtig mit diesem Begriff, weil es meiner Meinung nach keine „christliche Musik“ per se gibt. Es gibt nur gute und schlechte Mucke! Ich denke schon, dass wir hier mit den “Geboten“ und einer tollen Story ein super „Cross–Over“ gefunden haben, das man für großes Publikum „entertainend“ aufführen kann.

Wie sieht das nächste Projekt aus?

Erstmal machen wir mit „falk & sons“ 40 Konzerte dieses Jahr. Das ist auch sportlich! Die Schuldirektorin meiner Söhne saß heute in der ersten Reihe. Die brauche ich. Die muss ich immer fragen, wenn ich schulfrei für die Jungs kriegen will.

Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft noch einmal ein ähnliches Projekt in Angriff zu nehmen? Im großem Stil, mit vielen Künstlern und biblischem Hintergrund?

Sehr gerne, das macht mir einen unglaublichen Spaß. Wir haben ja auch einen tollen Mitarbeiterstab hier von der „Creativen Kirche“, der das super organisiert. Das ist schon sportlich was wir hier machen, denn wir proben ja im Grunde nur einen Tag, an dem wir alles zum ersten Mal zusammenführen. Aber es macht so einen Spaß! Und bei mir ist es ja auch, wie gesagt, ein Familienprojekt. Um es kurz zu sagen: Sehr gerne wieder! Und wir haben auch schon einen Hintergedanken, wenn man mal in den Kalender schaut. Es gibt bald ein ganz großes Jubiläum zu feiern: 500 Jahre Reformation. Da wird ganz bestimmt etwas von uns kommen.