Foto: picture alliance / AP Photo
Der bekannte US-Prediger und Evangelist Billy Graham ist tot. Er starb am Mittwochmorgen im Kreise seiner Familie im Alter von 99 Jahren. Vielen gilt er als der bekannteste Prediger des 20. Jahrhunderts.

William Franklin Graham, der sich von allen stets nur „Billy“ nennen ließ, wurde in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs am 7. November 1918 in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina geboren. Als 16-jähriger Teenager bekehrte er sich zum christlichen Glauben, studierte Theologie und und wurde Prediger der Southern Baptist Church in einer Gemeinde in Chicago. Gleichzeitig predigte er auch in wöchentlichen Radiosendungen. 1946 begannen seine großangelegten evangelistischen Kampagnen. Im Jahr 1950 gründete er die „Billy Graham Evangelistic Association“, die heute von seinem Sohn Franklin Graham geleitet wird. Spätestens nach seinen Großveranstaltungen im New Yorker Madison Square Garden (1957), die insgesamt 16 Wochen dauerten, war er landesweit bekannt.

Foto: picture alliance / AP Photo

Wie kaum ein anderer hat Graham den Protestantismus in den USA geprägt. „Vorbeter der Nation“ oder „Amerikas Pastor“ wurde er genannt – in säkularen Medien oft auch weniger schmeichelhaft das „Maschinengewehr Gottes“. Ab 1965 sprach er das Gebet bei der Amtseinführung der US-Präsidenten. Für viele von ihnen fungierte er als geistlicher Berater. 2007 kamen zur Eröffnung der „Billy Graham Library“ in Charlotte (North Carolina) die ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush, Jimmy Carter und Bill Clinton. Clinton sagte damals in seiner Rede (Englisch): „Wenn er mit dir im Oval Office oder oben im Weißen Haus betete, dann fühlte ich, dass er für mich als Person betet – nicht für den Präsidenten.“

Graham soll in seinem Leben insgesamt vor mehr als 200 Millionen Menschen gepredigt haben. Seine letzte Großevangelisation fand 2005 in New York statt. Seitdem lebte er zunehmend zurückgezogener in seiner Heimat in Montreal, North Carolina. Dort starb er, zuletzt fast blind und taub, friedlich im Kreis seiner Familie, wie sein Enkel Will der Zeitung The Christian Post mitteilte. „Mein Großvater hat einmal gesagt: Eines Tages wirst du hören, dass Billy Graham gestorben ist. Glaub das nicht. An diesem Tage werde ich lebendiger sein als jemals zuvor. Ich habe nur die Adresse geändert.“

Mit seiner Frau Ruth, die 2007 starb, war er 64 Jahre verheiratet gewesen. Das Paar hatte fünf Kinder. In Skandale war Graham nie verwickelt. Wegbegleiter beschreiben ihn als demütig und bescheiden. Von seinem Missionswerk ließ sich selbst nur ein moderates Gehalt zahlen. Filmangebote aus Hollywood lehnte er ab. Fehler hat Graham öffentlich eingeräumt. Ende der 70-er Jahre bekannte er, „das Königreich Gottes mit der amerikanischen Lebensweise verwechselt“ zu haben. Mehrmals entschuldigte er sich für antisemitische Kommentare in einem Telefongespräch mit dem früheren US-präsidenten Richard Nixon, für den jüdische Medienvertreter in die Kategorie Feind gehörten.

Foto: picture alliance / MediaPunch

Bereits seit 1963 gibt es auch in Deutschland einen Ableger der Billy Graham Evangelistic Association. Hierzulande wurde Graham vor allem im Zuge der Evangelisationsveranstaltung ProChrist bekannt. 1993 war der US-Prediger bei der ersten Auflage in Essen Hauptredner (Video). Es war sein fünfter und letzter Besuch als Evangelist in Deutschland. Roland Werner, heute Vorsitzender von proChrist, war damals in Essen dabei und sagt: „Das, was damals angestoßen wurde, ist auch heute noch lebendig und zukunftsfähig: Die öffentliche Verkündigung des Evangeliums ist eine bleibende Aufgabe. Dieses gute Erbe wollen wir weiterführen.“

„Mit Billy Graham verlässt uns eine Legende, dessen evangelistischer Mut und missionarische Vision für immer den Impuls und Auftrag hinterlässt, vielfältigste Formen und Wege für unsere Zeit zu finden, Menschen mit der guten Nachricht von Jesus Christus zu erreichen“, kommentierte Ulrich Eggers, Vorsitzender von Willow Creek Deutschland, den Tod des US-Predigers. „Mehr denn je müssen wir das gemeinsam tun und lernen voneinander. Die Begegnung mit Billy Graham 1992 bei einer Evangelisation in Portland war ein wichtiger Motivationsimpuls für mein Leben. Ich werde dieses große Vorbild sehr vermissen.“

„In den persönlichen Begegnungen habe ich Billy Graham als zielstrebig, aber den Menschen nah und sehr bescheiden wahrgenommen“, sagte Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. „Er hat auch mein Leben und meine Sicht für die Evangelisation gründlich geprägt und mich auch davon überzeugt, wie nötig die konkrete Einladung zur klaren Stunde der Entscheidung ist. Auch wenn sich geistliche Früchte schlecht mit menschlichen Marken messen lassen: Unzweifelhaft hat Billy Graham nicht nur weltweit, sondern gerade auch in Deutschland wohl am meisten Spuren hinterlassen, die einem Evangelisten geschenkt wurden.“

„Vom Evangelium sprechen“

Grahams Botschaft und Theologie war stets einfach, was ihm seine Kritiker auch vorwarfen: Kehrt um zu Christus, glaubt an das Evangelium. Die Bibel war für Graham das unfehlbare Wort Gottes. Stets stand der Aufruf zur Umkehr am Ende seiner Predigten, mit denen er Kirchen, Hallen und Stadien füllte.

Obwohl Graham immer wieder vor dem Zerfall „traditioneller Werte“ warnte, ließ er sich nicht von den politisch-evangelikalen Bewegungen vereinnahmen. Wenn er über Politik rede, führe dies zu Streit, sagte Graham einmal in einem Interview. Er wolle lieber „vom Evangelium sprechen“.

Eine besondere Ehre wird Graham posthum zuteil werden. Im April 2015 hatte das US-Repräsentantenhaus mit 71 zu 28 Stimmen dafür gestimmt, eine Plastik des Evangelisten als Vertreter North Carolinas zu fertigen und nach seinem Tod im Kapitol aufstellen zu lassen. Selbst nach dem Tod gefragt hatte Graham 1992 in einem Interview mit ABC gesagt: „Ich möchte nicht, dass sie nach meinem Tod großartige Dinge über mich erzählen, denn das verdiene ich nicht. Ich möchte nur von einer Person hören, dass sie etwas Gutes über mich sagt. Und das ist Gott, der Herr. Wenn ich ihm gegenüberstehe, dann möchte ich hören: Gut gemacht, mein treuer Diener. Ich bin nicht sicher, ob ich es hören werde. Aber ich würde es gern hören.“


Erst im November hatte Grahams Missionswerk anlässlich des 99. Geburtstag des Predigers ein Video mit Statements von Freunden und Bewunderern veröffentlicht, daruner Rick Warren, Joni Eareckson Tada, Greta van Susteren und Michael W. Smith:

Die Zeitschrift Christianity Today hat anlässlich von Grahams Tod seine Startseite dem Prediger gewidmet. Graham hatte sie 1956 gegründet.

Screenshot: Christianity Today

 

8 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Danke, himmlischer Vater, für Deine Boten + Zeugen wie B.G.
    Auch ihm verdanke ich viel für meinen Glauben an Jesus, meinen Retter + Erlöser!
    Im dankbaren Gedenken mit der Freude auf ein Wiedersehen im Himmel!
    Pfr. Martin Kühn, 91301 Forchheim

  2. „In Deutschland wurde Graham vor allem im Zuge der Evangelisation sveranstaltung ProChrist bekannt.“
    Nein, mein Schwiegervater hatte sich währende einer Evangelisation von Billy Graham enschieden. Die Veranstaltung fand in den Westfalenhallen in Dortmund statt. Das war in den Fünfzigern und da gab es in Deutschland schon Großveranstaltungen. Billy Graham war auch, weil er immer wieder von politischen Richtungen angegriffen wurde, von politischen Gruppen bekannt. So z.B. die Schmutzkampagne Graham würde Waffen für den Vietanmkrieg segnen. Tatsache ist, dass er allein wegen seiner religiösen Ausrichtung Gegenstände nicht segnet.
    Ich würde es sogar umgekehrt sagen. Billy Graham war in der Vergangenheit, als es diese Massenbewegungen und Großveranstaltungen gab, bekannter als heute,

    • auch meine Mutter hat sich auf dieser Veranstaltung in Dortmund damals bekehrt.
      Sie ist heute über 70 Jahre alt.
      Billy Graham hat auf diese Weise auch mein Leben beeinflusst …
      Preis sei Gott – Danke

  3. Ich freue mich auch sehr, dass ich Billy Graham hören und erleben durfte. Es war in 1958 in Gelsenkirchen oder Essen, da war ich 18jährig als Seelsorgehelferin bei den Nachgesprächen im Einsatz. Eine sehr eindrückliche Zeit!

  4. „Gut gemacht, mein treuer Diener“ – das hat Billy Graham gern von Gott hören wollen. Das hat mich gleich motiviert – manche Christen wirken auch nach ihrem Tod noch als Vorbild. Von Charles Haddon Spurgeon wurde erzählt, dass er so treu für Menschen gebetet hatte, dass viele schon zu seinen Lebzeiten gläubige Christen wurden – und Einzelne bei seiner Beerdigung oder danach. Es war sicher nicht nur sein Gebet, sondern Gottes große Gnade und Geduld. Aber Billy Graham betrauern – das tue ich nicht. Er ist zuhause, das ist Grund zum Mitfreuen. Und wie drückte er selbst es aus? „An diesem Tage werde ich lebendiger sein…“ In diesem Sinne: „Auf Wiedersehen, Billy!“ Hoffe ich.

  5. Mit Billy Graham verbinde ich immer eine Begebenheit, wo ich ein ehemaliges Kind aus meinem Kindergottesdienst wieder traf. Sie hatte eine schlimme Vergangenheit mit Drogen und Alkohol und ich hatte immer mal wieder für sie gebetet, wenn sie mir in den Sinn kam. Jetzt stand sie plötzlich da und hörte das Evangelium durch Billy Graham. Beim Aufruf fragte ich sie, ob sie nicht auch ihr Leben Jesus geben will. Es kämpfte sichtbar in ihr. Schließlich sagte sie Ja. Wir gingen gemeinsam nach vorne und sie übergab Jesus ihr Leben. Bald darauf ist sie heimgegangen! Ich bin so dankbar, dass Gott mir diese Last vom Herzen genommen hat, vielmehr dass sie Ja zu der Liebesbeziehung mit Gott gesagt hat und nun für immer bei Ihm sein darf.

  6. Grahams Botschaft und Theologie war stets einfach, was ihm seine Kritiker auch vorwarfen: Kehrt um zu Christus, glaubt an das Evangelium. Die Bibel war für Graham das unfehlbare Wort Gottes. Stets stand der Aufruf zur Umkehr am Ende seiner Predigten, mit denen er Kirchen, Hallen und Stadien füllte.——Ich habe oft in Pro Christ Veranstaltungen gesessen, besonders nach meiner Bekehrung war mir Graham wichtig. Heute vertrete ich das auch noch so. Jedoch kritisiere ich an den Evangelikalen, dass sie mit dem Western Way of Life konform gehen. Die US Gesellschaft ist durch die Ausrottung und Ghettoisierung der Ureinwohner entstanden. Und hier ist kein Busse für getan worden. Thanks Giving ist für mich ein grauenhaftes Fest, wo etwas von GOTT gegeben gefeiert wird, was nicht von GOTT kommt. Und so auch die kapitalistische Lebensweisen der meisten Christen, die von den Evangelikalen als GOTTES Segen bezeichnet wird, sollte in Frage gestellt werden. Denn diese beruht auf Ausbeutung und die Zerstörung von Menschen und Natur. Ich lese in Apostelgeschichte 2,38 f. und in den Worten Christi ein anderes Evangelium.

Comments are closed.