In der Debatte um das Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) werden die Stimmen nach einer Korrektur lauter. 50 Pfarrer sowie 150 Gemeindemitglieder der Evangelischen Landeskirche in Baden fordern in einer Stellungnahme die Rücknahme des Textes. Dagegen stellt sich der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung weiter hinter die Aussagen des Papiers.

Es gebe weder das Leitbild Ehe auf, noch schade es der Ökumene, sagte der Mitautor der Orientierungshilfe dem Evangelischen Pressedienst (epd).

 Die Unterschriftenliste der badischen Pfarrer sei am Montag an Landesbischof Ulrich Fischer überreicht worden, wie Pfarrer Gerrit Hohage aus Hemsbach (Rhein-Neckar-Kreis) am Dienstag dem epd sagte. In der Stellungnahme fordern sie die Streichung der Schrift als offizielle Orientierungshilfe der EKD. Die Unterzeichner fordern, die Orientierungshilfe solle durch eine neue Schrift ersetzt werden, die vom Leitbild von Ehe und Familie ausgehe. Die Unterschriftenaktion soll laut Hohage bis 10. Oktober weitergeführt werden.

 In ihrer Stellungnahme unter dem Titel "Wo ist die Orientierung?" kritisieren die Pfarrer, dass der Text zahlreiche Bibelstellen zur Ehe ignoriere und den Leitbildcharakter der traditionellen Ehe und Familie ihrer Ansicht nach verneine. In der EKD-Orientierungshilfe wird angeregt, alle Formen familiären Zusammenlebens zu fördern, also auch Patchworkfamilien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Kritiker monierten, dies werte die Ehe zwischen Mann und Frau ab. Der Streit über das Papier dauert seit der Veröffentlichung vor rund einem Monat an.

 Die Pfarrer stellen sich mit ihrer Forderung gegen ihre eigene Kirchenleitung. Zuvor hatten sowohl der badische Landesbischof Fischer sowie dessen in der vergangenen Woche gewählter Nachfolger, der Theologieprofessor Jochen Cornelius-Bundschuh, das EKD-Familienpapier gegen Kritik verteidigt.

 Kirchenpräsident Jung wies zudem den Vorwurf zurück, der theologische Teil der Orientierungshilfe sei zu dürftig. Es sei nicht um eine "katechismusartige Neuorientierung" von Ehe und Familie gegangen, sondern um eine "familienpolitische Akzentsetzung". Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland habe die 2008 eingesetzte Ad-hoc-Kommission damit beauftragt, angesichts des gesellschaftlichen und politischen Wandels zu beschreiben, "welche praktischen Herausforderungen für die Familienpolitik und für Kirche und Diakonie bestehen".

 Die Kritik an der Orientierungshilfe entzündete sich nach Jungs Überzeugung vor allem an der Neubewertung homosexueller Lebenspartnerschaften. Es gebe zwar Bibelstellen, die Homosexualität verurteilten. Diese müssten aber heute anders gelesen werden. Homosexualität sei weder Krankheit noch Sünde, sondern eine unveränderbare Veranlagung und Teil der Schöpfung, sagte Jung.

(Quelle: epd)