Der Extremismus-Experte und Psychologe Ahmad Mansour hat einen gemeinsamen Religionsunterricht für alle Kinder – egal welchem Bekenntnis sie angehören – gefordert. In der vielfältigen Gesellschaft des Jahres 2016 sei bekenntnisorientierter Religionsunterricht zwar wichtig, sagte er am Mittwoch bei einem Fachgespräch der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin.
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Kinder sollten aber nicht mehr nach Religionszugehörigkeit getrennt werden. „Es würde uns gut tun, wenn alle diese Kinder auch von den anderen erfahren“, sagte Mansour.

So könnten Christen, Juden und Muslime etwas voneinander erfahren und lernen. Mansour, der als Experte für islamistische Radikalisierung gilt und Jugendliche berät, forderte allgemeine Verbesserungen im Schulwesen, um mehr Wissen über Religionen zu vermitteln und Konflikte unter Anhängern verschiedener Religionen zu verhindern. Er finde es wertvoll, dass deutsche Schulen über Antisemitismus aufklärten. Die Spezifika von Judenhass im Kontext des Nahost-Konflikts oder aus religiöser Motivation würden aber nicht aufgegriffen.

Auch der Berliner Theologie-Professor Christoph Markschies plädierte für mehr Information. Wissen helfe beim gegenseitigen Verstehen, sagte er. Besonders im sogenannten postfaktischen Zeitalter gelte: „Bildung, Bildung, Bildung“, sagte der evangelische Kirchenhistoriker.

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Im Fachgespräch der Union ging es um die zunehmende religiöse Vielfalt in Deutschland und den Umgang damit. Der Beauftragte der Fraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Franz Josef Jung (CDU), plädierte für eine respektvolle Debatte. Mit Blick auf Konflikte in Flüchtlingsunterkünften betonte er gleichzeitig, Gewalt im Namen von Religion dürfe es nicht geben. Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, warnte vor einer Diffamierung von Muslimen, deren Religionsausübung keine Probleme aufwerfe. So, wie man hinnehmen müsse, dass es Christen gebe, die sich von Rechten ansprechen lassen, gebe es auch Muslime, die dem radikalen Islam zuneigten.