Die Ärztin Kristina Hänel hat sich vor Gericht gegen einen Abtreibungsgegner durchgesetzt: Die Richter untersagten dem Mann Holocaustvergleiche. Hänel begrüßte das Urteil.

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Der Betreiber der Internetseite babykaust.de darf die Schwangerschaftsabbrüche der Gießener Ärztin Kristina Hänel nicht mit dem Holocaust vergleichen. Außerdem muss er der Allgemeinmedizinerin 6.000 Euro Entschädigung zahlen. Ein entsprechendes Urteil verkündete am Montag die Pressekammer des Landgerichts Hamburg. Richterin Simone Käfer hatte während der Verhandlung am Freitag eine solche Entscheidung bereits angekündigt. Hänel hatte gegen den Betreiber von babykaust.de geklagt.

Weder der Abtreibungsgegner Klaus Günter Annen aus Weinheim noch sein Anwalt waren zur Verhandlung erschienen. Daher erging ein sogenanntes Versäumnisurteil ohne schriftliche Entscheidungsgründe. Annen kann dagegen innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen.

Drastische Formulierung ist hinzunehmen

Behauptet wurde auf babykaust.de unter anderem, dass Hänel mit ihren Abtreibungen das „Tor von Auschwitz“ aufgestoßen habe. Auch wurde sie als „Entartete“ diffamiert. Derartige Vergleiche sind laut Urteil unzulässig. Hinnehmen müsse Hänel als Meinungsäußerung allerdings Aussagen, dass an „ihren Händen Blut klebt“ und Abtreibung ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ sei.

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Der Vergleich von Schwangerschaftsabbrüchen mit dem Holocaust sei unzumutbar – sowohl für die betroffenen Frauen als auch für die Ärztinnen und Ärzte, sagte die Klägerin Kristina Hänel. Der Vergleich verhöhne die Holocaustopfer und deren Angehörige und sei nicht hinnehmbar. Die Ärztin begrüßte das Urteil auch im Zusammenhang mit ihrer Kritik am Paragrafen 219a („Werbeverbot“ zu Schwangerschaftsabbrüchen): „Es geht nicht, dass ein Staat sachliche Informationen von Fachleuten verbietet, die dringend benötigt werden, aber Fehlinformation, Hass und Hetze mit unzulässigen Holocaustvergleichen zulässt. Hier hat das Gericht heute eine deutliche Grenze gezeigt. Dafür bin ich dankbar.“

Holocaust-Vergleiche beliebt

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main begrüßte das Urteil gegen den Macher des Holocaust-relativierenden Internetprangers. „Wer Schwangerschaftsabbrüche mit der systematischen Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gleichsetzt und Ärztinnen und Ärzte mit faschistischen Mördern, muss gestoppt werden“, sagte Direktor Meron Mendel. In der Szene der Abtreibungsgegner seien Geschichtsrevisionismus und Holocaust-Vergleiche beliebt, um Schwangerschaftsabbrüche zu skandalisieren, ungewollt Schwangere einzuschüchtern und Ärztinnen zu diffamieren. „Der Holocaust-Vergleich wird als kalkulierter Tabubruch kampagnenstrategisch eingesetzt – von Empathie mit den NS-Opfern keine Spur“, sagte Mendel.

Der Abtreibungsgegner Annen hatte in der Vergangenheit mehrere Hundert Strafanzeigen nach Paragraf 219a gegen Ärzte gestellt, weil diese auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informierten. Auf babykaust.de hat er eine Liste mit 1.200 Abtreibungsärzten und -kliniken gestellt. Hänel war wegen Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft nach Paragraf 219a Strafgesetzbuch angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

12 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Es geht bei diesem Vergleich aber nicht um die NS Opfer, sondern um die Opfer ungeboren Lebens.

    Was ist der Significante Unterschied zwischen dem damaligen Verbrechen und heute?

    Erwachsene Menschen gelten als Menschen zurecht natürlich, und ungeborene gemäß der Gesetzgebung der BRD als was auch immer aber scheinbar nicht als Personen. Wenn die BRD Spätabtreibung erlauben würde, wäre es plötzlich vollkommen in Ordnung lebensfähige Menschen im Mutterleib zu….. Ja wie soll man es eigentlich nennen…?

    Die Grenze zwischen den Dingenzieht hier nicht die Moral oder Gott, sondern das Deutsche Gesetz, das muss man sich hier mal klarmachen!!!

    • Hass kein guter Berater

      der Mensch ist Mensch von Anfang an. Uns Christinnen und Christen verbindet mit unseren jüdischen Geschwistern nicht nur das Alten Testament, sondern eigentlich auch die Aussage „stirbt ein Mensch, stirbt die ganze Welt“. Vor dem Hintergrund der 10 Gebote und dem Gebot „du sollst nicht töten“, ist das Leben heilig. In der Schöpfungsgeschichte – eigentlich kein historischer Bericht, sondern ein Glaubensbekenntnis – tötet Kain seinen Bruder Abel. Er wird dann als Strafe Gottes verbannt, aber über ihn ergeht kein Todesurteil. Wenn die Bibel Gotteswort durch Menschenwort ist, also Wahrheit des Himmels, dann bedeutet dies: Wir dürfen über einen Menschen, unabhängig von seiner Schuld, nicht entgültig den Stab brechen. Unbändiger Hass der Abtreibungsgegner auf Abtreibende ist keine gute Haltung. Immerhin sind Menschen hier Täter/innen, die nicht selten auch zugleich Opfer sind. Die Gebote vom Sinai sagen mit dem Tötungsverbot auch, daß das Morden im Privatbereich genauso gegen Gottes Willen ist wie das Kriegführen. Es macht aber in diesem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn, Unrecht gegen anderes Unrecht in wenig schlimmes und ganz schlimmes unterschiedlch zu trennen. In der staatlichen Rechtsprechung macht dies zwar Sinn, aber aus der Perspektive Gottes ist das Töten, auch wenn ich mich nur verteidige, immer Unrecht. Es ist aber niemand hier jenseits von Eden ohne Schuld, weshalb Jesus auch die Ehebrecherin nicht verurteilt, wenngleich ihre Untreue durchaus. Es gib daher nachvollziehbare Notsituationen, wo Frauen und Paare entscheiden, das Kind nicht auszutragen. Jeder von uns kann aber, in anderen Lebensbereichen und Situationen ohne vorherige böse Absicht, genauso schuldig werden und ein ebenso großes Unrecht begehen. Die Haltung Jesu gegenüber einem Menschen, der Schuld auf sich lädt, sich insoweit von Gott trennt, ist immer die: Er ist ein Verlorener Sohn bzw., eine Verlorene Tochter, die jederzeit zurückkommen darf. Schlecht wäre es, wenn wir am Ende unseres Leben sagen müssten: Gott hat vergeben, aber wir nicht. Der Vergleich des Schwangerschaftsabbruches mit dem Holocaust wäre auch vor dem Hintergrund der vielen Kinder, die nicht leben durften, sogar angemessen. Er ist aus einem anderen Grunde nicht richtig:: Es ist dieses sehr negative und radikale Gefühl, jemand die Pest an den Hals zu wünschen. Weil es so schön heißt: „Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, ist nicht geschickt für das Reich Gottes, „darf jeder seine eigene Schuld, die jeder und jede hat, durch Vergebung hinter sich lassen. Da wird nichts mit einer Decke des Vergessens zugedeckt, sondern man darf Vergangenheitsbewältigung betreiben, damit die Zukunft gewonnen wird. Hass ist daher kein guter Berater. Denn wer hasst, wird zurück gehasst. Wer sich geliebt fühlt, kann sein Leben ändern und alte Fehler nicht mehr begehen. Wir sind allzumal Sünder/innen und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten. Der Friedefürst Jesus Christus baut sein Reich nicht, in dem er die Bösen vertilgt, sondern weil er unsere Herzen ändert. Nämlich in Menschen, die andere Menschen und das ungeborene Leben nicht als verfügbares Eigentum betrachten, sondern als etwas heiliges .Gottes Methode der Veränderung unserer Welt besteht darin, den Hass zu Tode zu lieben, damit Menschen leben dürfen. Auch nach der Geburt.

    • Doch es geht um 7 Millionen Russen, Ukrainer, Weißrussen usw., 6 Millionen Juden, 3 Millionen Kriegsgefangenen, 1,8 Millionen Polen.

      • Intelligente Barmherzigkeit

        Millionenfaches Unrecht und Mord ist und bleibt so schlimm, wie Axel Stolpe meint. Allerdings stirbt nach dem alten jüdischen Vers eine ganze Welt, wenn ein Mensch stirbt. Er verliert nämlich (vorläufig) die ganze Welt. Menschen vom Leben zu Tode zu bringen ist unsägliches Unrecht auch aus der Perspektive Gottes. Allerdings kann auch Hass eine Vorstufe zu eben gleichem Unrecht sein. Immer wenn wir sehr strenge ethische Maßstäbe an Anderen anlegen, müssen wir uns mit dem gleichen Maßstab messen lassen. Deshalb muss man – wenigstens im normalen zivllen Leben – immer zuerst den Balken aus dem eigenen Augen ziehen – und dann den Stachel aus dem Auge des Mitmenschen. Will sagen: Auch Hass gegen Sünder ist etwas, was auf uns selbst zurückfallen kann. Dies bedeutet aber nicht, alles gut zu finden. Wir müssen aber vergeben, wenn damit eine Verhaltensänderung zur Chance wird. Barmherzig zu sein wie Gott ist vergleichbar mit dem Gleichnis Jesu, in dem er das unter die Dornen gefallene Schaf – ein Abtrünniges – findet und nachhause trägt. Das ist ein hoher Anspruch auch an uns. Barmherzig zu sein ist wahrscheinlich das Schwierigste überhaupt – nach der Feindesliebe. Beides geht nur in intelligenter Form.

  2. Warum muss dieses Thema so viel Aufregung mit sich ziehen. In Deutschland gibt es Gesetze zur Abtreibung. Natürlich muss es dann auch Ärzte geben die diesen Abbruch durch führen . Oder sollen Frauen wie früher zu einer Engelmacherin gehen und verbluten? Abgetrieben wurde schon immer nur für die Frauen war es gefährlicher . Für mich persönlich käme eine Abtreibung nicht in Frage weil ich es auch als Tötung sehe . Außer mein Leben wäre in Gefahr gewesen oder bei einer Gewalttat. Uns hat man damals zur stillen Geburt geraten weil es hieß unser Sohn wäre schwerst behindert. Da war ich in der 25 Woche für uns kam das nicht in Frage . Unser Sohn kam normal zur Welt und ist Kern gesund wir sind Gott sehr Dankbar 🙏🏻. Trotzdem gibt es mir nicht das Recht andere Frauen zu verurteilen. Jede muss das mit ihren Gewissen vor Gott vertreten. Wer selbst frei von Schuld ist der werfe den ersten Stein

    • Super Erlebnis. Danke! Wie viele Menschen wären wohl gesund auf die Welt gekommen, obwohl anders prognostiziert? Und in der Tat: Man hört und liest davon öfter.
      Es geht aber nicht darum, wer einen ersten Stein wirft sondern welches Rechtssystem wir in unserer Gesellschaft haben wollen. Das Lebensrecht jedes Menschen, auch des Ungeborenen, muß doch das höchste Schutzinteresse haben. Übrigens: Nach unserem Gesetz können noch nicht Geborene sogar erben, aber an ihrem Lebensrecht wird gezweifelt. Das muss man sicher nicht verstehen.

  3. Kristina Hänel wird vor dem Dreinigen Gott zur Rechenschaft gezogen, ob sie nun an IHN glaubt oder nicht. Sie hat dann keine Entschuldigung für ihre Taten und Initiativen. Hoffentlich kann sie noch eine Entscheidung für Christus treffen und um Vergebung für Ihr antigöttliches Tun bitten.

  4. Mich interessiert vor allem das Geld, denn die 6000 € , wen ich mich nicht irre, sollte die Ärztin ursprünglich als Strafe zahlen, da sie auf ihrer Homepage das Werbegesetz zum Thema Abtreibung missachtet hatte.
    Sie hatte zwar eindeutig gewonnen, mehr noch, sie zeigte, dass man mit Dreistigkeit und cleverem Vorgehen, sich sehr wohl, vor dem Gesetz, durchsetzen kann.
    Jede Ideologie scheitert, wenn man lediglich nur seinen Gefühlen folgt.
    Der Verstand ist mindestens genauso wichtig, wie das Herz.
    Aber es ist gut zu wissen, dass das ungeborene Menschenleben geliebt und verteidigt wird ! Nur hat es leider , bisher, keinen guten Anwalt.

  5. Die Überschrift ist zu einseitig. Im Artikel wird dankenswerter Weise ausgesagt, dass das nicht ein 1:0-Rechtssieg für Hänel ist. Nein, man darf weiter sagen, dass „an ihren Händen Blut klebt“ und Abtreibung ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ ist. Das hätte sie ja auch gerne nicht mehr hören oder lesen müssen.

    • Lieber Hartmut Steeb, wir haben in der Tat den einen Aspekt des Urteils in der Überschrift betont, den wir für den wesentlichen hielten: den NS-Vergleich bzw. dessen Verbot. idea hat sich für die andere Variante entschieden: „Abtreibungsgegner darf über Ärztin sagen: „An Ihren Händen klebt Blut“. Herzliche Grüße, Daniel Wildraut

  6. Ein schwieriges Thema wie ich finde.

    Als meine Mutter im 3ten Monat mit mir schwanger war wurde ihr bei einer kontroll untersuchung gesagt das mein herz nicht mehr schlagen würde. Ihre traurigkeit wurde damit abgetan: ach sie haben ja schon 7 kinder das ist ja nicht so schlimm. sie ging heim vollkommen erfüllt von traurigkeit wie sie mir erzählte und meine gesamte familie versammelte sich, betete und mein vater segnete meine mutter und mich. eine freundin sollte auf meine geschwister aufpassen während meine eltern ins krankenhaus etliche km entfernt fahren sollten für eine ausschabung. während der fahrt weinten meine eltern und beteten weiter. irgendwann sagte meine mutter unter tränen: aber wir wollen ihm (gott) nicht böse sein ja?
    Im Krankenhaus angekommen füllten sie formulare aus und sie sollte bereits in das behandlungszimmer als der diensthabende meinte: ne kommen sie nochmal schnell mit, ich will mir mein eigenes bild machen.
    Also ging meine mutter mit ihm mit und während des ultraschalls schaute sie nie den arzt oder den monitor an um sich dann zu denken: ach sieh es dir noch einmal an. verabschiede dich.
    Meine mutter, gelernte Krankenschwester, schaute genau hin und siehe da! mein herz schlug!!
    Der arzt fragte verwundert warum die ausschabung gemacht werden sollte und ob sie das kind nicht behalten möchte.
    so schnell wie meine mutter von der liege runter, aus dem zimmer raus war und in den armen meines vaters vor freude weinte konnte der arzt gar nicht kucken.
    sie gingen nach hause vollkommen glücklich aber auch frustriert über die ärztin die gesagt hatte ich wäre tot. sie wollten sie anzeigen. nicht wegen uns sondern damit niemand anderem so was passiere und dann kein so aufmerksamer und verantwortungsvoller arzt da wäre der den irrtum rechtzeitig bemerkte.
    was sie nicht wussten bis sie zuhause ankamen war das die freundin nicht auf die kinder aufgepasst hatte sondern stattdessen durch den ort fuhr und allen bekannten meiner eltern berichtete was ihnen grad schlimmes passierte. als diese freundin wieder nach hause kam war es totenstill in der wohnung. kein kind sprang herum oder sonstiges. jedes zimmer wurde abgesucht bis sie in das letzte kinderzimmer kam. da saßen nicht nur meine geschwister sondern auch ihre und sämtliche der anderen befreundeten familien und alle beteten für meine mutter und für mich.
    als meine eltern zuhause ankam erzählten sie was passiert war und die freundin erzählte was währenddessen zuhause passiert war. die ärztin wurde nicht angezeigt da wir uns natürlich nicht zu 100% sicher sein können das sie einen fehler gemacht hatte. wer weiß was damals im himmel und in mamas bauch passiert war? entweder man mag glauben das die ärztin einen fehler machte oder man glaubt das gott so gut und groß war und ist das er so etwas zu stande bringt.

    ich will und darf weder über diese noch über andere ärzte urteilen ob sie sich damit schuldig machen oder nicht. ich bin froh das es inzwischen ärzte gibt die sich überhaupt trauen in dieser gesellschaft in der sofort auf jedem rum gehackt wird dazu zu stehen. ich bin froh un dankbar das ich als ich vergewaltigt wurde nicht schwanger wurde und nicht diese entscheidung treffen musste. ich bin ganz ehrlich. ich weiß (!) es nicht wofür ich mich entschieden hätte aber es wäre mir absolut schwer gefallen eine entscheidung zu treffen da ich weiß was mit den babys passiert die „zu früh geholt werden“.

    ich bemühe mir kein urteil über solche ärztinnen zu machen denn das steht mir nicht zu denn ich bin nicht gott aber natürlich. auch ich bin nicht frei von schuld. ich finde es nicht gut das eine frau überhaupt in so eine situation kommen muss sich eventuell gegen ihr baby zu entscheiden. aber ich habe nicht das recht dies zu verurteilen. ich bete lieber für alle die dieses thema persönlich angeht. das ist finde ich der richtige weg.

    liebe grüße und b.blessed!

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