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Fährt der Heilige Geist auch Geisterbahn?

Pfingsten ist keine religiöse Sonntagsunterhaltung oder geistliche „Flammen-Lightshow“. Ein Blick zurück in die Apostelgeschichte – und auf Streetart-Künstler Banksy.

Von Tom Laengner

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Banksy würde kein Mensch auf der Straße erkennen. Doch abgesehen von meiner Oma kennt ihn weltweit gefühlt jeder Mensch als Erschaffer von Straßenkunst. 2010 zählte ihn das Time Magazine sogar zu den 100 einflussreichsten Menschen unserer schönen Welt. Ich freue mich, dass es sowas heute noch gibt. Denn schon vor knapp zwei Jahrtausenden tauchte eine Persönlichkeit auf, die sich auch den Blicken der Öffentlichkeit kompromisslos entzog. Damals nannten die Menschen ihn den ‚Heiligen Geist‘. Der hat nichts mit Klosterfrau Melissengeist, geistreichen Getränken mit 45 Umdrehungen oder der guten alten Geisterbahn zu tun. Zu sehen war er nicht. Dafür trat er in Aktion. Und zwar in beeindruckender Weise. Es gab keine Fernsehübertragung und keine Werbepausen. Das Einzigartige geschah live, und es gab keine Möglichkeit, auf die Wiederholungstaste zu drücken.

Alles ohne Kameratricks

Der Heilige Geist, als er am Mittelmeerrand die Weltbühne betrat, tat dies im Erscheinungsbild eines zeitgenössischen Künstlers. Das war lange bevor wir Menschen wussten, was das überhaupt ist. Für mich entdeckte ich diese überwältigende Aktion zu Pfingsten als eine Mischung aus Installation und Performance:

Da gab es einen großen, abgeschiedenen Raum. Die Menschen darin erlebten ohne Vorwarnung atmosphärisch dichten Schall. Laut war es und sehr naturnah. Es klang wie ein Sturm; aber der Himmel, blau wie immer, schien von nichts zu wissen. Alles spielte sich ohne Kameratricks ab. Sehr erdig, unberechenbar und echt. Und dann ereignete sich das Unbeschreibliche. Es war nahezu spürbar anwesend. Jedes Leugnen erschien chancenlos. Was fehlte, waren die unmissverständlichen Worte. Woher hätten die auch kommen sollen? Überall im Raum schwebten ‚brennende Zungen‘. Brennende Zungen? Ich sehe sie im Geiste vor mir! Zugegeben, das war auch in jenen Zeiten ohne fließend Wasser und WLAN mehr als verstörend.

Der Schöpfer des Projektes wollte weder wohlig unterhalten, noch um jeden Preis verstanden werden.

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Wie aus einer anderen Welt

So begab sich also die Geburtsstunde von – ja, wovon eigentlich? Wie aus einer ganz anderen Welt stellt sich eine Persönlichkeit mit Rock’n Roll und Pyrotechnik solchen Menschen vor, die kaum mehr wussten, was rechts und links ist. Und es sollte dergleichen nie wieder geben. Keine Wiederholung. Punkt!

Mit einem Male waren alle Anwesenden ruckartig beteiligt. Denn diese Zungen nahmen über jeder einzelnen Person Raum ein. Worte dieser Art stammelten die Teilnehmenden damals. Wie sollten sie auch anders?  Und mehr noch; die Menschen wurden auf geheimnisvolle Weise nahezu körperlich ergriffen und fingen an zu reden. Und sie sprachen von Jesus, seinem Auftrag und seinem Leben.

Lebenstipps statt Angeltipps

Nun, Lärmschutz war die Sache des Heiligen Geistes damals wohl nicht. Alles vollzog sich in einer dröhnenden Lautstärke, dass die Nachbarschaft zusammenlief. Was war denn dort bloß los?

Und dann gab es diese inzwischen legendäre Ansprache von einem Binnenfischer namens Petrus. Der gab keine Angeltipps an die versammelten internationalen Pilger und Touristen. Was er sagte, verschlug den Menschen die Sprache. Er sagte, dass Jesus lebt, wovon wir ja alle wissen, wie absurd das ist. Aber manchmal ist – in Anlehnung an Sigmund Freud – das Wahre nicht notwendig wahrscheinlich und das Wahrscheinliche nicht unbedingt wahr. Doch als Petrus seinen letzten Punkt gesetzt hatte, war eines klar geworden. Es ging nicht um religiöse Sonntagsunterhaltung, oder dass der Mann da aber rührselig gesprochen habe. Die Menschen waren tief im Gewissen berührt. So gingen sie auch nicht einfach weiter in den Biergarten. Stattdessen fragten sie ganz verstört: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?“ Ich denke, dass ich mich als gläubiger Mensch fragen sollte, ob ich etwas zu sagen habe, dass Menschen im Gewissen berührt. Außer, wenn ich Mortadella kaufe. Dann sage ich nur: „Ich hätte gerne von der Wurst da vorne“. Das muss dann reichen.

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Petrus hatte da eine Idee, als aus der Menge so gefragt wurde. Hätte eine verbindende Antwort nicht so lauten können: ‚Tun müsst ihr gar nichts. Das Geschenk Gottes sollt ihr im Glauben annehmen‘.  Das ließe sich wahrscheinlich vollendeter ausdrücken.

Ein neues Leben gibt’s nicht auf dem Sofa

Was der Fischer aus Galiläa sagte, klang in meinem Herzen ganz anders als ein gut temperiertes Luthertum: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“.

Das heißt, etwas vereinfacht: Du kannst entweder weiter vor dich hingurken. Dass das nicht dauerhaft so richtig hinhaut, kennt jeder ehrliche Mensch, der den Kindergarten hinter sich gelassen hat. Oder du wählst die Alternative und lässt Jesus ran. Das mag ein langer Weg zurück sein. Und wie alles wirklich Gute, ist dieser Weg schwierig zu gehen. Aber ein neues Leben bekommst du auf dem Sofa nicht.

Der Heilige Geist begleitet dich auf diesem Weg. Wie Banksy, unsichtbar, aber spannend und vibrierend. Ich habe da für mich was gelernt. Und du?

Weiterlesen:

Pfingsten: 7 Fragen, 7 Antworten

Pfingsten-Erklärvideo (epd):

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3 Kommentare

  1. Pfingsten erinnert die Christen daran, dass Gottes Geist immer bei ihnen ist, sie führt, tröstet und ihnen die Kraft gibt, als Gemeinschaft von Gläubigen in der Welt zu wirken. Es ist eine Zeit der Erneuerung und Freude in der christlichen Kirche, die die anhaltende Bedeutung des Heiligen Geistes in ihrem täglichen Leben und Glauben feiert.

    • Jede/r ist die Kirche im Kleinformat

      Lieber Gerhard: Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Nur gehört dazu auch die Rückseite der Medaille , dass wir den Heiligen Geist als Christinnen und Christen auch erlauben müssen zu wehen, denn er tut dies nicht gegen unseren Willen. Unser Problem ist nicht etwas falsches zu glauben oder zu wenig , sondern wir erlauben unseren Füßen nicht dort zu sein wo die Menschen sind. Es brennen zu wenige Kerzen und wir sind meist zuwenig Licht der Welt. Viele lassen sich von der mangelhaften Resonanz in den Kirchenbänken, wo sonntage viele leerbleiben, auch in einen geistlichen Pessimismus treiben. Dass es in größeren Städten vorallem kaum noch Kerngemeinde gibt (also kirchliche Gruppen und Angebote, die Gemeinschaft herstellen), wird häufig alleine dem Traditionsabbruch zugeschrieben – an dem im übrigen auch die Freikirchen leiden. Aber ein Großteil könnte auch an uns liegen. Das Problem dabei ist wie bei vielen dieser Probleme: Die Lösung kann zuerst nur bei mir liegen und nicht an der Forderung, andere sollten zuerst anfangen sich in Bewegung zu setzen. Selbst der völlig unchristliche Mao hat ja gesagt, dass eine große Reise mit dem ersten kleinen Schritt beginnt (den ich selbst als Erster tun muss). Wir erwarten immer alles von den Kirchen und nicht von uns, aber ich bin die Kirche in Kleinformat.

  2. Pfingsten – am Ende wird alles gut

    Tom Laengner hat die Dynamik und Realität des Heiligen Geistes hier – wie so oft in religiösen Angelegenheit – sehr tiefgründig beschrieben: „Aber manchmal ist – in Anlehnung an Sigmund Freud – das Wahre nicht notwendig wahrscheinlich und das Wahrscheinliche nicht unbedingt wahr“! Dass Gott die Heilige Geistkraft als den großen Tröster aussendet, gegen alle Wahrscheinlichkeit und dann aber als eine in unserer Seele wirkende hohe Durchschlagskraft, mag unerhört erfreuen. Dass sich die Menschen trotz Sprachbarrieren in der damaligen antiken Multi-Kulti-Szene – auch international – so wunderbar verstanden, prädestiniert diese Seite Gottes dazu, ein Gegenmittel zur babylonischen Sprachverwirrung des „Turmbau zu Babel“ zu sein.Das Turmbauerlebnis ist nicht eine mit dunkler Pädagogik aufmunitionierte fortschrittsfeindliche Geschichte gegen hohe Türme, Erkenntnisse des Wissens, Fähigkeit durch Technik, oder des Menschen Hang Grenzen zu verwinden. Der hohe Turm ist allerdings ein Symbol für eine menschliche Gemeinschaft, die geprägt ist durch Alleinherrschaft, Meinungsdiktatur, Denkverbote und nährt aus sich der jahrtausendealten Erfahrung, daß die im Turm sitzenden Herrschenden eigentlich einsam sind. Sie haben die Kontakte zum Boden verloren. Irgendwelche Ethik und Moral geht ihnen völlig am A… vorbei. Sicherlich haben wir die Sklaverei heute (fast) geächtet, wir verspeisen auch nicht wie noch viel früher in der Menschheitsgeschichte unsere Mitmenschen – aber sonsonsten sind viele heutige Staatsgebilde immer noch Bananenrepubliken, so wie sie vor Jahrtausenden auch von Alleinherrschern oder mächtigen Seilschaften beherrscht wurden. Auch in unserer deutschen Demokratie verstehen sich Menschen nicht mehr, weil politische Ansichten als die Dimension absoluter Wahrheit missverstanden sind und Familien, Dörfer, Städte und auch Parteien wie Feinde entzweien. Aus Vorurteilen werden schnell falsche Tatsachen, die zu Narrativen faulen und in Hass und Hetze enden. Dann am Ende stehen dann nicht selten Mord und Totschlag. Was global geschieht ist nur unendlich größer als jenes auf lokaler Ebene, aber es ist wie beim Turmbau zu Babel eine Sprachverwirrrung. Und sie besteht darin, dass der Sender einer Botschaft etwas anderes auf den Weg schickt, als es der Empfänger versteht. Auch Katze und Hund verstehen sich nicht: Das Wedeln mit dem Schwanz ist des Hundes Freude, drückt aber bei dem lieben Kater seinen geballten Zorn aus.

    Pfingsten ist das pure Gegenteil vom Turmbau-Syndrom: Die Menschen verstehen sich, der Geist Gottes gibt ihnen Liebe zu den Mitmenschen ins Herz, Empathie und Achtsamkeit wächst und damit auch ein Sensorium, was uns den Nebenmenschen auch verstehen lernt, wenn er etwa eine völlig fremde Sprache spricht. Dieser Geist wird uns einst erlösen, wenn Jesus wiederkommt in unser aller Herzen, um seine milde Herrschaft zu errichten. Wenn wir den Krieg ächten, weil Gott dies fordert, die Atombomben-Attrappen ins Museum verbannen und die Raketen aus Russland nur noch dem Unterricht dienen, wie wir einst unverständlicherweise wüteten. Dann kann der Neue Himmel und die Neue Erde kommen, auch wenn unser Ewiges Leben in einem zeitlosen Raum noch in der Zukunft liegt. Was bedeutet: Es wird alles gut – und niemand kann Gott und seinen Messias daran hindern, dass die Erlösung vom Kreuz für alle Menschen stattfand. So sagt der Geist zu uns: „LASST EUCH VERSÖHNEN MIT GOTT“!
    (Und dies muss oft beim Mitmenschen beginnen).

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