Jesus: Wer er war – was an ihm so fasziniert

Wer ist Jesus Christus und was hat er mit uns Menschen zu tun? Dr. Guido Baltes erklärt, warum es nicht nur um vorbildliches Handeln geht, sondern um den „Gott-Faktor“.

Von Dr. Guido Baltes

Jesus fasziniert. Es gibt wohl keinen anderen Menschen der Geschichte, der so viele Anhänger findet wie dieser jüdische Lehrer aus Nazareth, von dem das Neue Testament berichtet. Und die Faszination, die von ihm ausgeht, reicht weit über die Grenzen des Christentums hinaus. Im Koran wird Jesus als Prophet geehrt. Wir hatten einmal einen moslemischen Nachbarn, der in seinem Fenster ein Schild aufgestellt hatte: „Ich liebe Jesus, weil ich ein Moslem bin. Und Jesus war auch einer.“ Viele jüdische Gelehrte und Forscher unserer Zeit haben Jesus als einen der bedeutendsten Vertreter ihrer Religion beschrieben. Und auch in anderen Religionen wird er hochgeehrt. Selbst Atheisten sehen in Jesus einen Menschen, der sich wohltuend von der Religion abhebt, die sich auf ihn beruft. Was ist es also an Jesus, das ihn für viele Menschen so anziehend macht?

Schlicht, echt und wirkungsvoll

Jesus beschrieb sein eigenes Leben einmal so: „Gott hat mich beauftragt, denen, die arm sind, eine gute Nachricht zu bringen. Ich soll denen, die gefangen sind, Freiheit zusprechen. Denen, die blind sind, soll ich die Augen öffnen. Und denen, die zerschlagen sind, soll ich sagen, dass sie frei sein sollen.“ (Lukas 4,18) Diese wenigen Worte fassen vieles von dem zusammen, was wir bei Jesus sehen: Er trat als Diener der Menschen auf, nicht als ein Machthaber. Er wandte sich denen zu, die Hilfe brauchten, ganz gleich, ob auf körperliche, seelische oder soziale Weise. Aber seine Hilfe war nicht nur liebevoll, sondern zugleich kraft- voll und wirksam: Er wurde bekannt durch seine Heilungen und Wunder. Aber wer zu ihm kam, merkte schnell, dass es um mehr ging als um eine spektakuläre Erfahrung: Jesus ging es um ein ganzheitlich verändertes Leben. Deshalb lud er Menschen ein, ihm nachzufolgen. Zu werden, wie er selbst: Und ein Leben zu leben, das geprägt ist von Liebe und Wahrheit, von Friedfertigkeit und Echtheit, von Selbstlosigkeit und dem Streben nach Gerechtigkeit. Und von Glauben.

Der Gott-Faktor

Die Frage nach Gott und dem Glauben ist für Jesus lebensbestimmend. Alles ist bei ihm von Gott her gedacht und aus der Beziehung zu Gott her begründet. Genau hier aber kündigen viele heutige Nachfolger Jesus die Gefolgschaft auf. Sie möchten zwar so leben, wie Jesus es vorgemacht hat. Aber sie möchten seinen Glauben nicht teilen. Gott gehört für sie in eine vergangene Zeit, oder sie sehen ihn sogar als Gefahr für den Weltfrieden an. Die Mitmenschlichkeit aber glauben sie von Jesus übernehmen zu können. Dabei ist für Jesus gerade an dieser Stelle der entscheidende Schlüssel: Unsere Beziehungen untereinander sind gerade deshalb aus dem Lot geraten, weil wir unsere Beziehung zu Gott gelöst haben. Deshalb ist die allererste Botschaft, mit der Jesus auftritt: „Kehrt zurück zu Gott! Er will euer Leben ab jetzt wieder regieren“ (Matthäus 4,17).

Als Jesus einmal gefragt wurde, was das Wichtigste im Leben sei, gab er eine doppelte Antwort: „Liebe Gott von ganzem Herzen und liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Matthäus 22,38-39). Beides ist für ihn gleich wichtig. Wenn man eine Hälfte dieser Gleichung wegnimmt, dann kippt auch die andere. Wenn du also echtes Interesse an Jesus hast, dann lade ich dich ein, seine Lebensgeschichte noch einmal mit neuen Augen durchzulesen und dabei ganz bewusst auf den Gott-Faktor zu achten.

Ist Jesus Gott?

Wer dem Gott-Faktor im Leben von Jesus auf den Grund geht, der entdeckt aber noch etwas anderes: Jesus lädt nicht nur zum Glauben an Gott ein. Er behauptet sogar, dass wir in ihm Gott selbst begegnen. Und zwar anders und auf tiefere Weise, als wir sonst in einem Menschen Gott begegnen. Wo ich bin, da ist Gott am Werk, das sagt er immer wieder. Und die Menschen damals verstanden diese Botschaft (Lukas 11,20). Aber genau hier ist der Punkt, wo sich damals und auch heute viele Menschen von Jesus lossagen. Hier kündigen auch heute sowohl Juden als auch Muslime Jesus die Gefolgschaft auf. Und nicht wenige Kirchenvertreter mit ihnen. Diese Behauptung war es auch, die Jesus damals ans Kreuz brachte. Niemand hätte ihn verurteilt, wäre er nur ein friedlicher Prediger der Nächstenliebe oder des Glaubens gewesen. Aber der Anspruch, dass in seiner Person Gott selbst ganz persönlich, und ganz menschlich, in unser Leben hineintritt, der war damals genauso überraschend wie heute: Für viele heilsam und erfreulich, für viele andere aber auch ärgerlich und unbequem.

Gott gibt alles

Als Jesus am Kreuz stirbt, ist das der tiefste Ausdruck unserer gestörten Beziehung zu Gott und zueinander: Hier sehen wir, was Menschen einander antun. Aber wir sehen auch die Ablehnung, die wir Gott entgegenbringen, bewusst oder unbewusst, wenn er in unser Leben tritt: „Hinweg mit ihm“, hatten sie gerufen, als Jesus verurteilt wurde. Und Jesus selbst hatte seinen Tod noch kurz zuvor mit einem Bild beschrieben: So wie die Angestellten eines Landgutes den Sohn des Besitzers ermorden, um das Land an sich zu reißen, so schaffen wir den Sohn Gottes aus der Welt, um unser Leben selbst in die Hand zu nehmen (Mt 21,33- 41). Aber Gott handelt anders, als man es erwarten könnte: Er zahlt nicht Gleiches mit Gleichem zurück, sondern er trägt unsere Ablehnung. Mit Schmerzen, aber auch mit Geduld und Liebe. Jesus selbst sagt es so: Ich gebe mein Leben für euch. Aus Liebe. Und zur Vergebung eurer Schuld. Daran erinnern wir uns, wenn wir Abendmahl feiern. Aber am Ende ist seine Liebe doch stärker als der Tod. Davon zeugt das leere Grab am Ostermorgen.

Folge mir nach

Wie stehst du zu Jesus? Vielleicht gehörst du zu denen, die Jesus bisher nicht besonders gut kennen. Dann lade ich dich ein, dich auf die Suche zu machen. Lies seine Lebensgeschichte, die du in jeder Bibel findest. Und versuche dabei genau hinzuhören, an welchen Stellen Jesus in dein Leben hineinspricht. Wenn es stimmt, was die Bibel von Jesus berichtet, dann ist er nicht nur eine große Person der Weltgeschichte, sondern dann ist er auferstanden und heute lebendig. Dann kommt es nicht nur darauf an, ihn kennenzulernen, sondern ihm zu begegnen.

Vielleicht gehörst du aber auch zu denen, die Jesus bisher schon gekannt und sogar verehrt haben. Aber denen es schwerfällt, sich auf den Gott-Faktor einzulassen. Dann lade ich dich ein, dich noch einmal neu und anders auf Jesus einzulassen: Mit allem, was an ihm faszinierend ist. Aber auch mit dem, was an ihm verstörend und provozierend ist. Folge Jesus nicht nur halb, sondern so, wie er es schon damals von jedem gefordert hat: mit ganzem Herzen.

Guido Baltes ist evangelischer Theologe, Songwriter, Bandleader und Autor.


Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Basics des Glaubens“. Alle Artikel zu diesem Thema findest du auf dieser Webseite.

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