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Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt hat vor den Folgen einer Zulassung von Gentests an Embryonen für das Leben Behinderter gewarnt.

 Schon die Diskussion um die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) erwecke den Eindruck, dass das Leben mit Behinderung immer mit Leid verbunden sei, sagte die Grünen-Politikerin, die auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, der in Berlin erscheinenden «tageszeitung» (Samstagsausgabe). Für Menschen mit Behinderung sei ihr Leben aber wertvoll.

 «Eine Gesellschaft, die Leben aussortiert, das ist nicht die Gesellschaft, in der ich leben will», sagte sie in einem Streitgespräch mit dem gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. Zudem könne niemand garantieren, dass das dank PID gezeugte Kind gesund sein wird, sagte Göring Eckardt. Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib gentechnisch auf Erbkrankheiten untersucht.

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 Lauterbach sagte als Befürworter der PID, dass niemand allgemein Behinderungen oder Krankheiten ausschließen könne und wolle. Es gehe um Einzelgendefekte und Eltern, die erlebt hätten, dass ein Kind schwerstkrank ein paar Jahre gelebt hat und dann qualvoll gestorben ist.

 Bisher würden in der Mehrzahl solcher Fälle die Kinder nach der Pränataldiagnostik, bei der das Kind im Mutterleib untersucht wird, abgetrieben, sagte Lauterbach. Er sei der Ansicht, dass es in dieser Situation besser sei, den Embryo erst gar nicht einzusetzen. Alles andere sei «unchristlich und verlogen».

 Eine gesetzliche Neuregelung der PID ist nötig, weil der Bundesgerichtshof Mitte 2010 das bisherige Verbot gekippt hatte. Am kommenden Donnerstag stimmt der Bundestag über die Frage der Zulassung ab. Die katholische Kirche lehnt die Gentests ab. In der evangelischen Kirche gibt es sowohl Befürworter als auch ablehnende Stimmen.

(Quelle: epd)