Sich satt essen, zur Schule und zum Arzt gehen dürfen, endlich Arbeit finden: Das ist für viele arme Menschen in Namibia kaum möglich, weil ihnen das nötige Geld fehlt. In der Armensiedlung Otjivero hat sich dies durch ein bescheidenes Grundeinkommen für alle geändert.

Das Projekt von Kirchen, Gewerkschaften und NGOs sei ein großer Erfolg, meint der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia, Zephania Kameeta. Die Regierung müsse es nun landesweit zu ihrer Sache machen.

epd: Dem Pilotprojekt für ein Grundeinkommen in Otjivero scheint mehr als fünf Jahre nach dem Start langsam das Geld auszugehen, die Regierung lehnt es nach wie vor ab. Ist der Feldversuch gescheitert?

Kameeta: Er ist keineswegs gescheitert, im Gegenteil: Das Pilotprojekt selbst, das ja nur auf zwei Jahre angelegt war, hat sich als großer Erfolg erwiesen. Es hat sich gezeigt, dass es das Leben der Armen verändert, wenn sie Geld in die Hand bekommen. Es hat sie in die Lage versetzt, sich satt zu essen, über den Tag hinaus zu denken und sich um eine Arbeitsstelle zu kümmern oder ein kleines Gewerbe aufzubauen. Die Kinder mussten nicht mehr hungrig zur Schule gehen. Alle konnten die Kosten für den Besuch der Krankenstation bezahlen und sich behandeln lassen.

In den letzten Monaten konnte das spendenfinanzierte Grundeinkommen aber nur unregelmäßig gezahlt werden. Warum und mit welchem Ziel machen Sie trotzdem weiter?

Wir können dieses Projekt nicht aufgeben, weil es ein leuchtender Stern für die Armen ist – nicht nur in Namibia, sondern in vielen Teilen der Erde. Wir wollen nicht, dass die Leute in Otjivero wieder in dieselbe erbärmliche Situation geraten wie vorher. Wir haben entschieden, diese Menschen nicht fallenzulassen. Deshalb sammeln wir weiter Spenden und bitten auch unsere Partner in Deutschland bei Brot für die Welt oder der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), uns dabei zu unterstützen.

Unser Ziel ist nach wie vor, dass die namibische Regierung das Grundeinkommen aus Steuern finanziert und im ganzen Land umsetzt. Wir haben zwar keine konkrete Zusage, aber es gibt Hinweise in diese Richtung.

Sie haben mal gesagt, Sie glaubten an Wunder und hätten schließlich auch das Ende der Apartheid erlebt. Hilft Ihnen dieser Glaube auch bei Ihrem Engagement für das Grundeinkommen?

Ich glaube an Wunder und daran, dass das, wofür wir arbeiten und kämpfen, Wirklichkeit werden kann. Der Theologe Karl Barth hat einmal gesagt, Hoffnung haben bedeute, die Musik der Zukunft schon heute zu hören. Und Glauben heißt, zu den Tönen dieser Zukunftsmusik zu tanzen. Ich höre diese Musik der Zukunft schon jetzt. Die Welt wird anders sein, als sie heute ist.

Das Interview führten Bettina von Clausewitz und Ingo Lehnick.

(Quelle: epd)