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Kennst du den ganzen Jesus?

Auf viele Fragen zeigt die Bibel unterschiedliche Perspektiven auf – auch auf Jesus. Eine Einladung, den „ganzen Jesus“ zu entdecken.

Von Christoph Egeler

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Jesus wird oft auf einzelne Aspekte oder Eigenschaften reduziert. Das ist doppelt problematisch: Erstens verpassen wir dabei einiges. Und zweitens führt das zu Streit und Spaltungen innerhalb der Christenheit. Ich möchte mir nicht anmaßen, Jesus voll und ganz zu erfassen, aber danach streben, das möchte ich. Was heißt das nun konkret?

Ganz Mensch und ganz Gott

Ein erster Punkt ist, die Spannung zwischen der menschlichen und der göttlichen Natur von Jesus auszuhalten und nicht einseitig aufzulösen. Die traditionelle christliche Lehre sagt im Einklang mit der biblischen Botschaft, dass Jesus Christus der menschgewordene Gott ist, als solcher aber nicht souverän über den menschlichen Bedürfnissen, Gefühlen und Nöten schwebte, sondern in diesem Sinne voll und ganz Mensch war. Insofern war er gleichzeitig ganz Gott und ganz Mensch; etwas, das unser Denk- und Vorstellungsvermögen übersteigt. Aber genau das ist eines der Dinge, die Jesus so einzigartig machen. Das wird uns in der Bibel vielfach bezeugt, zum Beispiel im sogenannten „Christushymnus“ in Philipper 2,5-11.

Tatsächlich ist es im Laufe der Kirchengeschichte vielerorts vorgekommen, dass man entweder die menschliche oder aber die göttliche Natur Jesu überbetont hat, was nicht nur zu Einseitigkeiten, sondern auch zu theologischen Streitigkeiten und Spaltungen geführt hat. Wir sind aufgerufen, hier nicht einseitig vom Pferd zu fallen. Und zugleich zu akzeptieren, dass in diesem Zusammenhang viele Fragen offen bleiben und es sich dabei letztlich um ein göttliches Geheimnis handelt, das wir nicht bis ins Detail ergründen können.

Das ganze Evangelium

Jesu Leben, wie er mit Menschen umgegangen ist, und seine Lehre, was er gepredigt hat, sind eng miteinander verbunden. Sie stimmen in einem Ausmaß miteinander überein, wie man dies wohl sonst bei keiner Persönlichkeit der Menschheitsgeschichte findet! Er lebte, was er predigte, bis zum Äußersten, bis zum Gang ans Kreuz. Seine Auferstehung schließlich bestätigte alles, was er gelehrt hat –und dass er wirklich Gottes Sohn war. Jesus Christus ist die Wahrheit und die Liebe in Person.

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Manchmal wurde und wird das Evangelium reduziert auf sein Sterben für uns und seine Auferstehung. Wo das der Fall ist, haben wir es mit einem verkürzten Evangelium zu tun. Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind zwar absolut zentral! Aber sein Leben und seine Lehre sind auch sehr wichtig. Alles gehört zusammen und lässt sich nicht trennen.

Auch die umgekehrte Gefahr gibt es, dass man sich auf seine Lehre, seine moralischen Anweisungen konzentriert und das übernatürliche Wirken oder die Bedeutung des Kreuzes oder die Wichtigkeit und Kraft der Auferstehung ignoriert. Also auch hier gilt: der ganze Jesus! Seine Lehre, sein Leben, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung – alles ist wichtig!

Der Kreuzestod Jesu

Nichtsdestotrotz möchte ich jetzt noch kurz seinen Tod am Kreuz hervorheben, denn auch dieser will ganz beziehungsweise ganzheitlich verstanden werden. Auch hier gibt es verschiedene Aspekte oder Bedeutungen, die man gegeneinander ausspielen oder sich auf nur eine davon beschränken kann. Ich fokussiere hier auf drei besonders zentrale.

Sühneopfer

Die traditionelle Sühneopfer-Deutung versteht den Kreuzestod Jesu als ein Opfer, das zur Befreiung der Menschen von der Sünde und für die Wiederherstellung der Gottesbeziehung dient. Dies in Anlehnung an den alttestamentlichen Opferkult, in welchem durch das Blut der Opfertiere Reinigung und Vergebung erwirkt wurde. Das bereitet heute vielen Menschen Schwierigkeiten, findet sich aber vielfach und quer durch das Neue Testament bei allen wichtigen Zeugen.

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Das Kreuz offenbart die „Krankheit“ der Menschheit: die Sünde (Einzahl), im Sinne von Misstrauen gegenüber Gott oder Emanzipierung von Gott. Gleichzeitig offenbart das Kreuz Gott als den Gott, der in seiner Liebe so weit geht, dass er dem Menschen entgegenkommt und für ihn sogar bis in den Tod geht. Denn Jesus war ja ganz Mensch und ganz Gott, insofern hängt hier Gott selbst am Kreuz!

Der britische Theologe John Stott drückt das so aus: „Das biblische Evangelium der Sühne ist, dass Gott sich selbst Genüge tat, indem er selbst an unsere Stelle trat. Demnach lässt sich sagen, dass das Konzept der Stellvertretung sowohl im Kern der Sünde als auch im Kern des Heils zu finden ist. Denn das Wesen der Sünde besteht darin, dass der Mensch an die Stelle Gottes tritt, während das Wesen des Heils darin besteht, dass Gott an die Stelle des Menschen tritt.“

Bei der Sühneopfer-Deutung geht es darum, dass Jesus für uns leidet und stirbt. Gleichzeitig kann man aber auch sagen, dass Jesus mit uns leidet. Er kennt Leiden aus eigener Erfahrung. Er selbst ging durch Leiden und Tod. In Jesus Christus wird Gott zum echt mitleidenden Gott, der selbst Leiden, Schmerz, Schmach, Schande, ja sogar Gottverlassenheit am eigenen Leib erfahren hat! „Indem Jesus für uns litt, tat er der Gerechtigkeit Genüge. Aber indem er mit uns litt, identifizierte er sich mit den Unterdrückten dieser Welt und nicht mit ihren Unterdrückern.“ Diese Worte des amerikanischen Pastors und Autors Timothy Keller verbinden die Aspekte des „Für-uns-Leidens“ und des „Mit-uns-Leidens“ Jesu und führen uns zudem zu einer weiteren Bedeutung seines Kreuzestods:

Solidarität

Der Kreuzestod von Jesus macht deutlich, dass Gott nicht auf der Seite der Verurteilenden ist, sondern auf der Seite der Verurteilten. Nicht auf der Seite der Unterdrückenden, sondern der Unterdrückten. Nicht auf der Seite der Gewalttätigen, sondern der Gewaltlosen und der Gewaltopfer.

Ganz allgemein gilt: Gott solidarisiert sich mit den Schwachen und Unterdrückten. Das ist etwas, das sich durch die ganze Bibel zieht und hier am Kreuz seinen Höhepunkt findet. Dadurch wird auch jegliche Gewalt oder Unterdrückung im Namen des Christentums oder im Zeichen des Kreuzes als falsch, ja als geradezu pervers, entlarvt.

Jesu Charakter

Bei diesem letzten Punkt geht es um den Charakter und das Verhalten von Jesus. Auch hier gilt es, den „ganzen Jesus“ zu entdecken und ihm nachzufolgen! Wir kennen aus den Evangelien den barmherzigen Jesus, der vergibt, oder den sanften Jesus, der auf Gewalt verzichtet und nicht nur Nächstenliebe, sondern sogar Feindesliebe predigt und lebt. Ja, so ist Jesus.

Aber weil Gott kein weichgespülter Gott ist, ist auch Jesus nicht einfach der nette Softie. Er kann auch ganz schön hart und wild werden (dies aber immer ohne physische Gewalt gegen Menschen)! Zum Beispiel, wenn er die Händler aus dem Tempel jagt (Johannes 2,13-16) oder die Pharisäer hart konfrontiert und zurechtweist (zum Beispiel Matthäus 23,25-28).

Wir finden bei Jesus beides, das Sanfte, Barmherzige und das Harte, Kämpferische. Das hat (hoffentlich!) Auswirkungen auf Menschen, die Jesus nacheifern, ihm nachfolgen, ihm ähnlich werden wollen – und zwar in verschiedenen Bereichen:

Vielfältige Gottesbilder

Ich glaube, dass uns die Bibel nicht ein Gottesbild gibt, sondern eine Vielfalt von Bildern, die sich teilweise aneinander reiben oder gar zu widersprechen scheinen. Nur gemeinsam zeigen sie in ihrer Vielfalt, wer oder wie Gott ist. Wir dürfen Gott nicht auf einzelne dieser Bilder reduzieren.

Gefährliche, krankmachende oder sonst wie problematische Gottesbilder sind eigentlich immer die sehr einseitigen Gottesbilder, wenn also gewisse (vielleicht durchaus wahre) Aspekte von Gottes Wesen verzerrt, überbetont oder verabsolutiert werden. Wenn Gott also zum Beispiel vor allem der strenge Richter oder nur der „liebe Gott“ ist, der alles okay findet.

Jesus lehrt uns einiges über das Wesen Gottes. Aber mehr noch, er zeigt uns dieses auch ganz direkt, er verkörpert es, denn er ist ja der menschgewordene Gott (vgl. zum Beispiel Johannes 12,44-45) und damit die ultimative Offenbarung Gottes. Deshalb sollten wir uns in erster Linie an ihm orientieren, wenn wir wissen wollen, wer Gott ist oder wie Gott ist.

Wir brauchen Güte, Gnade, Barmherzigkeit und Liebe, aber auch Wahrheit, Heiligkeit und manchmal eine gesunde Härte – sei es im Umgang mit anderen Menschen und mit uns selbst, aber auch in der Politik und im gesellschaftlichen Zusammenleben. Das führt uns zum nächsten Anwendungsfeld:

Einseitigen Ideologien widerstehen

In der Politik gibt es verschiedene Ideologien, die den Fokus entweder auf soziale Gerechtigkeit legen und Werte wie Solidarität und Barmherzigkeit betonen, oder aber Werte wie Eigenverantwortung oder Recht und Ordnung hochhalten. Tatsache ist, es braucht beides und beides ist biblisch. Was die einen zu stark betonen, betonen die anderen zu schwach.

Es gibt strukturelle, soziale Ungerechtigkeit und wir sollten alle Menschen liebevoll und würdevoll behandeln. Gleichzeitig dürfen und sollen wir aber auch etwas von den Leuten fordern, Eigenverantwortung betonen, sowie verlangen, dass man sich an Regeln und Gesetze hält.

Ganz werden

Auch in unserer persönlichen Entwicklung können wir uns vom ganzen Jesus inspirieren lassen! Das Wilde und Harte. Und das Sanfte und Barmherzige. Beides gehören zu einem ganzheitlichen Mensch- und Christsein, beides dürfen wir zulassen, entwickeln und ausleben: die in einem positiven Sinne aggressive Kämpfer-Seite und die gefühlvolle, sanfte, barmherzige Seite.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Freude beim „Ganz-Werden“ und ein erfülltes Unterwegssein mit dem ganzen Jesus!

Christoph Egeler ist Psychologe und Autor des Buches „Mehrdimensional glauben“.



Cover von AufAtmen

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift AufAtmen erschienen. AufAtmen erscheint im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

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4 Kommentare

  1. Lieber Seltsam, du klebst gerne Etiketten an Menschen und die Stigmatisierung des „Fundamentalisten“ hat es dir besonders angetan.
    Auf eine fifty/fifty Rechnung möchte ich mich nicht einlassen, wir machen ja keinen Wettkampf mit Bibelversen und heute kann man googeln und man bekommt einen Überblick des Sachverhalts.
    Dein Verdacht „verkapptes Leistungsdenken, gnadenlose Verurteilung und die Sortierung nach gut und böse“ zu erkennen, entspringt eher deiner Fantasie. Wie du selber einräumst ist Jesus auch Richter und darum überlassen wir ihm das „Urteil“ !

  2. Eigentlich eine ganz passable Beschreibung vom „ganzen Jesus“ ! Fehlen tut mir Jesus als Richter der Lebendigen und der Toten.
    Das wird mir zu oft unterschlagen und ich befürchte da will man der Gesamtbotschaft die „Dramatik“ nehmen.
    Es ist aber „leider“ so, niemand hat so oft von der Hölle gesprochen wie Jesus selbst, hat er die Angst vor der ewigen Verdammnis bewusst in seine Mission eingebaut um auch auf diesem Weg Seelen zu gewinnen?
    Eine Vorstellung die natürlich auf Widerstand stößt und nicht so leicht zu vereinbaren ist mit dem allzeit „lieben Heiland“.
    Aber durchaus stringent zur biblischen Offenbarung, wo doch Gottesfurcht der Beginn aller Weisheit sein soll !
    Wahrlich eine ambitionierte Aufgabe, den „ganzen Jesus“ zu erklären, aber wenn gesunde Theologie und Gotteserfahrung zusammenwirken kommt man der Sache schon recht nah.

    • Es ist immer wieder interessant, dass Fundamentalisten so fasziniert sind von der Hölle. Können Sie belegen, dass angeblich Jesus mehr von der Hölle gesprochen hat als jeder andere? Und wie würden Sie denn das Gesamtverhältnis sehen: Predigte er Vergebung und Hölle zu gleichen Anteilen, quasi fifty/fifty oder wie? Oder läuft es doch wieder auf ein verkapptes Leistungsdenken hinaus: zwar am Anfang mal durchaus Vergebung , aber dann doch danach bei erneutem Fehler gnadenlos verurteilt? – Nur damit kein Missverständnis entsteht: Ich teile nicht die Ideologie einer automatischen Übernahme in den Himmel, und ich sehe Jesus Christus sowohl als Erlöser als auch als Richter. Aber das Bedürfnis von Fundamentalisten, die Menschen nach ihrem eigenen oft sehr beschränkten Bibeleinsichten nach gut und böse zu sortieren, ist auf jeden Fall zu kurz gedacht und oft selbst am Rand der Unglaubens.

    • Jesus hat viel seltener über die Hölle gesprochen als über das Reich Gottes, Barmherzigkeit, Liebe und Vergebung. Seine Aussagen über die Hölle sind meist Warnungen und stehen im Kontext der Einladung zur Umkehr. Jesus hat keine systematische Höllen-Lehre “ entwickelt oder präsentiert. Das Bild der Hölle (oft „Gehenna“, ein Brandopfer-Ort bei Jerusalem) stammt wohl aus der religiösen Vorstellungswelt seiner Zeit. Als Bibelkenner wissen Sie sicher, dass es im zunächst AT keine Hlle gibt, sondern nur „Scheol“, das Schattenreich. Das ändert sich erst in den späteren Schriften (Daniel). Die christlichen Vorstellungen von der Hölle wurden erst im Mittelalter entwickelt. Es gibt keine systematisch-einheitlche „Höllenehre“.

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