Im Vatikan hat am Donnerstagmorgen der Bischofs-Gipfel zum Missbrauchskandal in der katholischen Kirche begonnen. Bis Sonntag versammeln sich auf Einladung von Papst Franziskus die 114 Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen aus aller Welt. Auf der Tagesordnung stehen die Themen Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Morgen in Rom, er erhoffe sich von der Konferenz „einen Impuls für die Kirche, dass wir als Bischöfe gemeinsam das Übel des Missbrauchs überwinden“. Er hoffe auch, dass bei dem Gipfel „etwas geschieht, das vielleicht für die gesamte Weltgesellschaft von Bedeutung ist“.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, rief vor Beginn des Treffens die katholische Kirche auf, sich stärker um die Opfer zu kümmern. Die bisherigen Zahlungen von durchschnittlich 5.000 Euro seien „bestimmt keine angemessene Anerkennung für das Leid, das Jungen und Mädchen durch Geistliche und Kirchenmitarbeiter in der katholischen Kirche erlitten haben“, sagte Rörig der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Rörig begrüßte es, dass die deutschen Bischöfe beschlossen hätten, das System der Anerkennungszahlungen zu überprüfen. Zugleich drang er auf Entscheidungen: „Wir brauchen da eine Antwort. Es ist eine offene Wunde für Betroffene.“ Bisher hätten sich alle Verantwortlichen sowohl auf der politischen als auch der institutionellen Seite um genau diese Frage herumgedrückt. Es müssten nun einheitliche Standards für Anerkennungszahlungen entwickelt werden, sagte der Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

„Wir sind Kirche“ wirft Bischöfen Vertuschung vor

Die katholische Laienorganisation „Wir sind Kirche“ beklagte eine mangelnde Unterstützung für Papst Franziskus. Der Papst könne die „immense Aufgabe“ der Aufarbeitung nicht ohne die Hilfe der Bischöfe und Kardinäle bewältigen, sagte der Sprecher der Kirchenvolksbewegung, Christian Weisner, am Donnerstag im Südwestrundfunk. Etliche Bischöfe verfolgten allerdings noch immer eine Strategie der Vertuschung.

Auch an Franziskus‘ Vorgängern übte Weisner Kritik. Johannes Paul II. habe das Thema Missbrauch noch ganz negiert, während Benedikt XVI. versucht habe, alles unter Geheimhaltung zu stellen. Franziskus arbeite nun mühsam auf, was „jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt“ worden sei, sagte er im SWR-„Tagesgespräch“.

Insgesamt nehmen 190 Kirchenvertreter aus aller Welt an dem Treffen in Rom teil. Marx wird am Samstag einen Vortrag über Transparenz halten. Am letzten Tag des Gipfels wird Papst Franziskus nach der Sonntagsmesse eine programmatische Rede halten.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Erst haben sie es nicht geglaubt. Dann haben sie versucht, die Priester zu schützen. Und anschließend dachten sie nur noch daran, den Skandal zu vertuschen. Es ist ein Desaster.
    Nach Jahrzehnten des Zögerns und Zauderns, werden beschuldigte Priester, Bischöfe und Kardinäle nun vielleicht zur Rechenschaft gezogen.
    Wird es so kommen?

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