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Die Zahl der Austritte aus den Landeskirchen hat im vergangenen Jahr teilweise dramatisch zugenommen. Prozentual am stärksten betroffen sind Kirchen in den östlichen Bundesländern, wo der Anteil der Protestanten an der Bevölkerung ohnehin nur etwa 20 Prozent beträgt.

Zwar liegen noch nicht die Angaben aller 20 EKD-Mitgliedskirchen vor, aber die bisherigen Zahlen deuten darauf hin, dass 2014 mit über 200.000 Austritten ein Rekordjahr war. Das ergaben Recherchen der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Als Hauptursache für den Aderlass nennen die Kirchen das neue Einzugsverfahren der Kirchensteuer auf Kapitalerträge. Seit dem 1. Januar führen Banken und Versicherer die darauf entfallende Kirchensteuer direkt an den Staat ab. Die neue Regelung sei von den Kirchen nicht ausreichend kommuniziert worden, heißt es dazu aus den Kirchenämtern. Es handle sich um ein einfacheres Verfahren, nicht jedoch um eine neue Steuer. Dabei teilt das Bundeszentralamt für Steuern den Banken mit, ob der Kontoinhaber einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört. Daraufhin leiten diese die fälligen Kirchensteuern über die Finanzämter an die jeweilige Kirche weiter. Eine gesonderte Zustimmung des Kirchenmitglieds, die bisher notwendig war, entfällt. Die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen: Der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland kehrten im vergangenen Jahr rund 10.000 Mitglieder den Rücken. Das waren etwa doppelt so viele wie 2013. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens rechnet mit einem Anstieg der Austritte um das 2,5fache von 5.000 auf 12.000. Nach Angaben der Evangelischen Landeskirche Anhalts – sie ist mit rund 38.000 Mitgliedern die kleinste in der EKD – verdreifachte sich 2014 die Zahl der Austritte von 179 auf 615. Prozentual geringer war der Schwund bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Sie hatte 17.867 Austritte zu beklagen – 44 Prozent mehr als 2013.

Starker Anstieg auch in Bayern und Norddeutschland

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Auch im Westen Deutschland sind die Austrittszahlen kräftig gestiegen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern verließen 30.600 Personen – ein Anstieg um 62 Prozent. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland befürchtet einen Zuwachs um mehr als 50 Prozent im Vergleich zu 2013. Damals waren es 23.970 Austritte. Eine ähnlich hohe prozentuale Steigerung erwartet die Evangelische Kirche im Rheinland – mit knapp 2,7 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte in der EKD. 2013 verabschiedeten sich 19.000 Menschen von ihr.

Württemberg: In den ersten drei Quartalen über 70 Prozent mehr Austritte

Nach Angaben der Evangelischen Kirche der Pfalz haben dort die Austritte in Städten um rund 86 Prozent zugenommen. Auf dem Land rechne man jedoch mit einem geringeren Anstieg. Deutliche Verluste verzeichnete auch die Evangelische Landeskirche in Baden. In der ersten Jahreshälfte verlor sie 6.830 Mitglieder durch Austritte; im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 3.734. Dies entspricht einer Steigerung von 83 Prozent. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg meldet für die ersten drei Quartale des Jahres 2014 eine Zunahme der Austritte um 71 Prozent auf 16.400. Die Bremische Evangelische Kirche bezifferte die Gesamtzahl auf 3.215 (plus 44 Prozent). Von den anderen Kirchen innerhalb der EKD waren noch keine Zahlen zu erhalten. Zuletzt lag die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder bei 23 Millionen.

(Quelle: Idea.de)