Die Mitglieder der Evangelischen Kirche in Württemberg haben gewählt. So sieht die nächste Landessynode aus.

Die Württemberger Landeskirche ist die einzige, bei der die Kirchenmitglieder die Synodalen direkt wählen können. Am 1. Dezember war es nun wieder so weit. Mit einem eindeutigen Ergebnis: Die „Lebendige Gemeinde“ verliert acht Sitze. 2013 konnte sie noch 39 Synodenmitglieder stellen, in diesem Jahr werden es nur noch 31 sein. Größter Gewinner ist die „Kirche für morgen“. Sie hatte im Jahr 2013 fünf Sitze abbekommen, jetzt darf sie sich über zwölf Sitze freuen. Der Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“ gewinnt zwei Sitze und darf 16 Synodale stellen, die „Offene Kirche“ behält 31 Sitze. Insgesamt umfasst die Synode 90 Sitze.

Ein Kernstück des Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ ist die Orientierung an Jesus Christus. „Wir sind bereit zu offenen Gesprächen, aber wir harmonisieren verschiedene Weltanschauungen nicht“, heißt es im Wahlprogramm. Es komme darauf an, den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus nicht zu verleugnen, sondern ehrlich und einladend zu bekennen. Forderungen sind unter anderem, missionarische Initiativen in den urbanen Räumen auszubauen und ländliche Gemeinden zu stärken. Man sei dankbar für das Vertrauen, dass so viele Menschen den Kandidatinnen und Kandidaten geschenkt hätten, heißt es in einer Pressemitteilung. „Andererseits schmerzt es uns, dass einige großartige und verdienstvolle Kandidaten zum Teil sehr überraschend nicht oder nicht wieder gewählt wurden“, sagte Dekan Ralf Albrecht.

Zehn Prozent für Innovation

Der Gesprächskreis „Kirche für morgen“ sieht sich als „klarer Wahlsieger“, der Vorsitzende, Pfarrer Jens Schnabel aus Sindelfingen. Zum ersten mal wurden zwei Pfarrer der Gruppierung in die Synode gewählt. „Kirche für morgen“ steht für eine Erneuerung der Kirche. Beispielsweise will die Gruppe Start-ups mit neuen Gemeindeformaten unterstützen, unter anderem Café-Kirchen, christliche Blumenläden oder Reiterhof-Gemeinden. Insgesamt fordert sie, zehn Prozent der Kirchen-Ressourcen in Innovationen zu investieren, seien es neue Arten der Musik oder gastfreundliche Kirchengebäude. Auch die digitale Kirche, Armutsbekämpfung und Bewahrung der Schöpfung sind Themen des Gesprächskreises.

Die „Offene Kirche“ will nach eigenen Angaben „die frohe Botschaft Jesu Christi an alle Menschen auf vielfältige und fantasievolle Weise weitergeben“. Dabei will sie offen sein für Menschen aller sozialer Schichten, aller Geschlechter und unterschiedlicher Herkunft und Prägung. Als Ziele der „Offenen Kirche“ nannten ihre Vertreter Erika Schlatter-Ernst, Dieter Hödl und Martin Plümicke nach der Wahl unter anderem eine verpflichtende Klimaneutralität der Landeskirche und ihrer Gemeinden bis zum Jahr 2035, die Rücknahme von Stellen- und Finanzkürzungen für Tätigkeiten im gesellschaftlichen Bereich sowie den Einsatz kirchlicher Mittel im sozialen Wohnungsbau.

Die Gruppe „Evangelium und Kirche“ wiederum versteht sich als „Brückenbauer zwischen den Flügeln“. Es brauche sowohl traditionelle Angebote als auch neue Formen. Im Zentrum steht für sie die Bibel. „In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher und kirchlicher Polarisierung haben wir Positionen des Ausgleichs und der Integration gesetzt“, sagte der Vorsitzender des Gesprächskreises, der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Als bedauerlich bezeichnete er, „dass im Wahlkampf „stellenweise deutlich populistische Töne angeschlagen wurden und Kandidaten anderer Gruppen die Kirche schlechtgeredet haben.“

Diskussionspunkt dürfte Ehe für alle bleiben

Auch künftig dürfte die „Ehe für alle“ ein Thema in der württembergischen Kirche bleiben. Bisher darf nur ein Teil der württembergischen Kirchengemeinden gleichgeschlechtliche Segnungen durchführen. Die „Lebendige Gemeinde“ hatte sich bei der letzten Synode gegen die Trauung für alle ausgesprochen, die „Offene Kirche“ dafür. Beide haben nun gleichviele Sitze.

Die Wahlbeteiligung betrug 22,92 Prozent. Damit ist sie um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2013 gesunken. Am höchsten war sie im Wahlkreis Crailsheim/Blaufelden/Weikersheim (29,7 Prozent), die wenigsten Mitglieder beteiligten sich im Wahlkreis Tuttlingen/Ballingen (15,8 Prozent).

Der Altersschnitt der neu gewählten Synode beträgt 51 Jahre, 16,7 Prozent sind jünger als 40 Jahre. Der Frauenanteil liegt bei 40 Prozent. Die konstituierende Sitzung der neuen Synode findet am 15. Februar 2020 in Stuttgart statt.

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