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Die güldne Sonne bringt Leben und Wonne

Ein bis heute berührender Choral über Licht, Leben und göttlichen Segen – und eine Einladung zum Morgengebet.

1) Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne,
die Finsternis weicht.
Der Morgen sich zeiget, die Röte aufsteiget,
der Monde verbleicht.

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2) Nun sollen wir loben den Höchsten dort oben,
dass er uns die Nacht hat wollen behüten
vor Schrecken und Wüten
der höllischen Macht.

3) Kommt, lasset uns singen,
die Stimmen erschwingen,
zu danken dem Herrn.
Ei bittet und flehet, dass er uns beistehet
und weiche nicht fern.

4) Es sei ihm gegeben mein Leben und Streben,
mein Gehen und Stehn.
Er gebe mir Gaben zu meinem Vorhaben,
lass richtig mich gehn.

5) In meinem Studieren wird er mich wohl führen
und bleiben bei mir,
wird schärfen die Sinnen zu meinem Beginnen
und öffnen die Tür.

Text: Philipp von Zesen, Melodie: Johann Georg Ahle



Was für ein Morgen! Die aufgehende Sonne erscheint nicht als blasser Ball am Himmel, sondern mit Kraft, das Leben zu erwecken und Lust aufs Leben zu machen. Davon wird in dem Lied „Die güldne Sonne bringt Leben und Wonne“ gesungen, dessen Text mitten im 17. Jahrhundert entstanden ist. Aber Achtung! Fünfundzwanzig Jahre später hatte ein Dichter-Kollege ein ganz ähnliches Morgensonnen-Erlebnis und ein Lied damit begonnen. Bitte gut unterscheiden!

Ein weitgereister Dichter

Der Dreißigjährige Krieg währte gerade ein Jahr, da wurde der Dichter Philipp von Zesen in der Nähe von Dessau als Sohn eines lutherischen Pastors geboren. Er studierte Rhetorik und Poetik an der Universität Wittenberg, hatte aber anschließend Mühe, eine Anstellung zu finden. Somit wurde er notgedrungen zum freien Schriftsteller. Die Kriegsjahre 1642 bis 1648 verbrachte er zumeist in Holland, wo er als Übersetzer für niederländische Verleger tätig war. Und er unternahm ausgedehnte Reisen nach London und Paris, ins Baltikum und nach Dänemark. Eine weitere Reise führte ihn nach Regensburg, wo er von Kaiser Ferdinand III. in den Adelsstand erhoben wurde, womit ein „von“ in seinen Namen kam. Eine hohe Ehre, die aber leider keine stabilen wirtschaftlichen Verhältnisse brachte. Philipp von Zesens Lebenslinie blieb weiterhin unstet.

1672 heiratete er die Leinwandhändlerin Maria Becker. Übergangsweise eröffnete er in Holland ein Geschäft für das Handeln mit Leinen. Seine letzte Lebensstation war schließlich Hamburg. Siebzig Jahre ist er alt geworden; als Schriftsteller hat er Werke in fast allen Literaturgattungen geschrieben, an zweiter Stelle rangieren seine Gedichte. „Die güldne Sonne bringt Leben und Wonne“ entstand schon früh und erschien einige Jahre später gedruckt in einer Schrift mit dem Titel „Hoch-deutscher Helikon oder Grund-richtige Anleitung zur hoch-deutschen Dicht- und Reimkunst“.

Einladung zum Morgengebet

Ja, er hat es „grund-richtig“ gedichtet und gereimt, unser Morgenlied mit seinen fünf Strophen. Wenn man’s genau nimmt, ist es eine Einladung zu einem Morgengebet – mit Dank und Lob an Gott für Bewahrung in der Nacht, mit der Bitte um Begleitung auf den Wegen des Tages, mit der vertrauensvollen Hingabe aller Pläne an Gott und dem Ausdruck des Vertrauens, dass er alles Nötige schenken wird, um das Anstehende zu bewältigen.

Ein Morgengebet, das dreißig Jahre später seine Melodie erhielt und somit zum Lied wurde. Die Melodie hat einen arios-tänzerischen Charakter, sodass man – im schönsten Sinne des Wortes – von einem „Morgentänzchen“ sprechen könnte. Und in der ersten Strophe kann man gut verfolgen, wie die Melodie exakt den Sinn des Textes nachzeichnet: nämlich den Aufgang der Sonne.

Komponist: Vorgänger von Johann Sebastian Bach

Der Komponist dieser ausdrucksstarken, gut singbaren Melodie ist der Thüringer Johann Georg Ahle. Geboren wurde er in Mühlhausen, 32 Jahre nach Philipp von Zesen. In seiner Geburtsstadt wirkte er als Kantor und Organist an der Kirche Divi Blasii und dort starb er auch im Alter von 55 Jahren. In seinem Amt war er Nachfolger seines Vaters Johann Rudolph Ahle, und ihm wiederum folgte Johann Sebastian Bach nach, der ab 1707 ein Jahr lang die Orgelbank in dieser Kirche drückte.

Vater und Sohn waren also Kirchenmusiker in Mühlhausen. Vom Sohn findet man im Evangelischen Gesangbuch nur ein einziges Lied, nämlich „Die güldne Sonne bringt Leben und Wonne“. Vom Vater haben mehrere Melodien den Weg ins EG gefunden.

Und noch eine letzte Entdeckung in Verbindung mit unserem Lied: Der Liedermacher Gerhard Schöne hat sich davon inspirieren lassen und zur Melodie einen eigenen neuen Text geschrieben, der morgendliche Gefühle aufgreift – der geistliche Sinn ist dabei aber leider verloren gegangen.

Dr. Ute Zintarra ist Musikwissenschaftlerin, Kirchenmusikerin und hat als Musikredakteurin bei ERF Medien gearbeitet.



Hier findest du gute Gedanken zu weiteren altbekannten Chorälen und christlichen Liedern.

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