Mark L. Strauss: „Messias ohne Manieren“

0

Der umgeworfene Tisch auf dem Titelbild sieht im Grunde etwas harmlos aus. Vielleicht hätte man noch ein paar entfleuchende Tauben, wütende Händler oder zerbrochene Tonkrüge mit dazu nehmen sollen. Das hätte das Anliegen des Buches noch etwas mehr unterstrichen. Ich finde es nämlich gut und richtig, ein Buch zu schreiben, das sich den verstörenden Seiten von Jesus mal etwas intensiver widmet.

Jesus an sich finden ja die meisten Menschen, auch Nichtchristen, im Grunde wirklich nett. Die ebenfalls vorkommenden Höllenpredigten werden mitunter gerne vergessen. Der kalifornische Neutestamentler Mark L. Strauss nimmt sich der verstörenden Seiten des Wirkens von Jesus an: den revolutionären Aussagen der Bergpredigt, der Tempelreinigung, seiner Erlaubnis gegenüber einer Schar von Dämonen, eine ganze Schweineherde buchstäblich in den Abgrund zu schubsen, aber auch seinen Aussagen, die manche sogar als antisemitisch oder sexistisch deuten.

Die Überschriften der einzelnen Kapitel sind durchaus provokant formuliert, aber ich denke, der Autor findet jeweils kluge Antworten auf mögliche Fragen seiner Leser. Auch und gerade auch zum Thema Rolle der Frau, wo Jesus und Paulus auch in den Augen vieler Christen scheinbar unterschiedliche Aussagen machen.

Teilweise kommt auch die kirchengeschichtliche Rezeption der besprochenen Bibelstellen zum Ausdruck, etwa in Bezug auf das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden.

Von Johannes Renz

Leseprobe (PDF)

Verlag: Gerth Medien
ISBN: 978-3-9573424-0-9
Seitenzahl: 272
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Sterne