Der Autor dieses autobiografischen Buches ist in der früheren DDR aufgewachsen. Er passte sich nicht an das politische System an – und so bekam er Ärger mit den politisch Mächtigen.
Jürgen Schönnagel kommt schon als Kind mit dem Staat in Konflikt, weil er andere Kinder in die Kirche einlädt. Als Jugendlicher verabschiedet er sich dann vom Glauben. Er wird alkoholabhängig. Schließlich kommt er in politische Haft. Auf einer christlichen Veranstaltung findet er Jesus. Mit ihm an seiner Seite fängt er an, sein Leben zu meistern. Für viele Menschen in Not wird er zu einem Retter mit Herz. Ein straffälliger Mitmensch ist für Schönnagel in erster Linie immer noch ein Geschöpf Gottes. Gerade durch seine Vergangenheit im Knast entwickelt er einen Blick für solche Menschen. Dadurch ergeben sich allerdings manchmal Probleme in den Kirchengemeinden, in die Schönnagel Menschen in Not mitbringt: stinkende Typen, „Stinkies“ genannt.
Die Entwicklung des Autors wird ganz besonders in den vielen Fallbeschreibungen deutlich. Daneben gibt es auch noch historische Einschübe, die erklären, was zu unterschiedlichen Zeiten in der DDR passierte.
Den größten Teil des Buches nimmt das Projekt „Wohngruppe „Suchtfrei leben“ ein, ein offenes Angebot für erwachsene männliche Gefangenen in Brandenburg. Die Leser werden in einen Suchthelferlehrgang mit hineingenommen. Ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer vom „Blauen Kreuz“ gehen in ihrer Freizeit ins Gefängnis, um Inhaftierten mit Suchtproblemen zu helfen, um verletzten Seelen wieder eine Perspektive und Orientierung zu zeigen.
Das Buch eignet sich nicht nur für Suchthelfer, sondern auch Familien mit ähnlichen Problemen – sowie Menschen, die auch in christlichen Kreisen nicht ohne Vorurteile gegenüber „Stinkies“ sind.
Von Ingrid Bendel
