Leo Bigger, Pastor der International Christian Fellowship Church (ICF-Church) in Zürich, stellt uns Esther vor. Im Vordergrund seines Buches steht der Mensch Esther: Irgendwie dabei im Glauben, jedoch mehr lauwarm, angepasst, fast resigniert. Und doch plötzlich wichtig, Schicksalswenderin, Lebensretterin – auch wenn dazu hingestoßen. Das ist Esther. Und das sind viele. Auch ich.
Bigger, gelernter Offsetdrucker und Absolvent der IGW-Bibelschule in Zürich, bietet uns nicht den nächsten Kommentar zum Buch Esther an. Er zeichnet nach, was für eine Frau Esther war, was in ihr vorging. Für Bigger ist Esther eine Frau wie er viele Menschen erlebt. Irgendwie für und bei Gott. Ihre Begeisterung, ihr Feuer ist eher auf einen Wert, den nur Energiesparberater in Euphorie versetzen; eine Frau, die das Beste aus ihrem Leben, das Richtige machen möchte, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Und doch bringt sie Entscheidendes zustande. Denn ihre Gabe und Aufgabe für die Welt ist: ihr Volk Israel vor dem Untergang zu retten. Das gelingt ihr.
Das Lesen dieses Buches macht Freude; es fließt. Immer wieder gelingt es dem leitenden Pastor eine Nähe aufzubauen, vor allem durch die Verbindungen zu der vermuteten Biographie des Lesers. Das Buch ist durchsetzt mit Geschichten und bekannten Zitaten. Bigger stellt teilweise bis zum Abwinken bekannte Zitate in einen neuen. Erfreulich ist, dass Bigger nicht zuerst eine Diskussion über eine Historizität Esthers führt. Esther ist da, ist ein Geschichtsbuch des Alten Testamentes – und das reicht.
Zugleich ist das Buch mehr als eines über Esther. Anschaulich und treffend erklärt Leo Bigger theologische Grundbegriffe wie „Gnade“. Dadurch wirkt das Buch ein wenig wie sein eigener Katechismus für die Welt.
Jedoch besitzt das Buch eine große Versuchung. Der Autor benutzt eine Sprache, die sehr durch Englischsprachiges geprägt ist. Dies scheint aus der Sprache der HipHop-Subkultur zu stammen; ebenso sind alle darin enthaltenen und von mir überprüften Geschichten „Urban Legends“ unrichtig. Wer sich davon ablenken lässt, wird eine große Unzufriedenheit erhalten und damit den gegenteiligen Impuls, den Bigger geben möchte.
Die dicke Fadenbindung überlebt fast alles. Die Videos via Esther-Smartphone- App stellen selten eine Erweiterung des Buches dar; oft sind sie nur O- Töne der Textpassagen. Die Meditationen am Ende jedes Abschnitts sind gut nachvollziehbar; die Musikvideos machen diese zu einem Lobpreis mit Dank und Bitte aus der eigenen Situation. Hier ist die Esther-Smartphone-App mit seinen Videos eine sinnvolle Ergänzung.
Von Björn Röhrer-Ertl
