Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Dr. Michael Diener, hat am Donnerstag in einer persönlichen Erklärung um Entschuldigung für – so wörtlich – „tief gehende Verwerfungen und Irritationen“ gebeten.
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Mitte Dezember hatte Diener mit Interviews mit der Welt und dem Medienmagazin „pro“ heftige Reaktionen in der petistisch-evangelikalen Welt ausgelöst, in dessen Folge sich eine Gruppe rund um den ehemaligen ProChrist-Redner Ulrich Parzany offen gegen Diener stellte.

Er erkenne in den Reaktionen, so Diener in seiner Erklärung, eine „schmerzhafte Infragestellung“ seines Dienstes, den er „als einen verbindenden und die Einmütigkeit wahrenden Dienst“ ausüben wolle. Er habe „zu keinem Zeitpunkt eine subjektivistische oder die Wahrheit der Heiligen Schrift relativierende Bibelauslegung“ vertreten. Dies hatte ihm Parzany und eine 65-köpfige Gruppe, die sich verganenen Samstag in Kassel traf, in einem Kommuniqué vorgeworfen.

Diener sei sich in den vergangenen Wochen bewusst geworden, dass er sich als Vorsitzender „zurückhaltender und vermittelnder“ äußern müsse, um nicht Menschen durch seine Stellungnahmen zu verunsichern oder zu verärgern. Das nicht getan zu haben tue ihm leid und fordere ihn „zu großer Behutsamkeit und weitgehend abgestimmtem Handeln“ auf.

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Diener bittet darum, dass die „notwendigen inhaltlichen Diskussionen“ zum Bibelverständnis und Sexualität „weniger personalisiert“ geführt werden.

Im Folgenden dokumentieren wir Dieners Erklärung im Wortlaut:

Persönliche Erklärung Dr. Michael Diener

Durch meine beiden, am 14. Dezember 2015 veröffentlichten Interviews in der „Welt“ und dem Magazin „pro“ sind in der pietistisch-evangelikalen Welt tief gehende Verwerfungen und Irritationen entstanden. Das bedauere ich zutiefst. Ich erkenne darin auch eine schmerzhafte Infragestellung meines Dienstes, den ich als einen verbindenden und die Einmütigkeit wahrenden Dienst ausüben will.

Für alle Äußerungen im Rahmen des „Welt“-Interviews, die im pietistisch-evangelikalen Raum teils als unangemessene, öffentliche Kritik verstanden wurden, bitte ich die Menschen, die ich dadurch verletzt habe, ausdrücklich um Entschuldigung.

Weiter betone ich, dass ich zu keinem Zeitpunkt eine „subjektivistische oder die Wahrheit der Heiligen Schrift relativierende“ Bibelauslegung vertreten habe. Die Bibel ist Gottes lebendiges Wort an uns. Als solches ist sie der Maßstab und die Richtschnur für unser Leben und unsere Lehre. Unsere jeweils persönliche Erkenntnis findet dabei ihre Korrektur durch die Gemeinschaft der Glaubenden am Leib Christi, konkret in den Bekenntnissen der Kirchen oder Glaubensgemeinschaften.

Mir ist in den vergangenen Wochen sehr bewusst geworden, dass ich mich als Vorsitzender zurückhaltender und vermittelnder zu in pietistisch-evangelikalen Bewegungen strittigen Fragen äußern muss, um viele Menschen durch meine Stellungnahmen nicht zu enttäuschen, zu verunsichern oder zu verärgern. Dieses Versäumnis tut mir aufrichtig leid und fordert mich zu großer Behutsamkeit und weitgehend abgestimmten Inhalten auf.

Zugleich bitte ich darum, dass wir die notwendigen inhaltlichen Diskussionen, gerade auch zu Hermeneutik und Sexualethik weniger personalisiert, sondern sachorientiert führen. Das wird in den kommenden Wochen auch in der Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz geschehen. Ich will gerne dazu beitragen, dass wir aufgrund weitestreichender Übereinstimmungen in Fundament und Praxis unseres christlichen Glaubens auch dann beieinanderbleiben, wenn wir in einzelnen Sachfragen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Bis dahin werde ich mich öffentlich nicht weiter äußern und ich bitte auch um Verständnis, dass ich die zahlreiche zustimmende wie auch kritische Korrespondenz nur zum Teil werde beantworten können.

Dr. Michael Diener, Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband und Vorsitzender Deutsche Evangelischen Allianz, 28. Januar 2016