Nach Enthüllung: Megakirchen-Pastor John Ortberg tritt zurück

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John Ortberg lächelt in die Kamera
Archivbild: John Ortberg 2012, Copyright: dePolo Photography

Pastor John Ortberg, der 17 Jahre lang die Menlo Church geleitet hat, wird im August sein Amt niederlegen. Sein Sohn fühlt sich zu Kindern hingezogen – trotzdem ließ er ihn wissentlich weiter mit ihnen arbeiten.

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Von Nathanael Ullmann

Sein Schweigen brachte ihn zu Fall: Anders als bei Bill Hybels sind es beim Pastor und Autor John Ortberg keine tatsächlichen beziehungsweise mutmaßlichen persönlichen sexuellen Grenzüberschreitungen, die zu seinem Rücktritt geführt haben. Es ist die fehlende Initiative im falschen Moment und der daraus resultierende Vertrauensbruch.

Bereits im Juli 2018 soll der Pastor der Megakirche in der kalifornischen Bay-Area erfahren haben, dass sein jüngerer Sohn sich zu Kindern sexuell hingezogen fühlt. Ortberg betete für ihn, empfahl seinem Sohn Beratung. Doch sonst wurde er nicht aktiv. Weder informierte er den Ältestenrat oder die Gemeinde über das Geständnis, noch zog er seinen Sohn aus der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zurück.

Älterer Sohn interveniert

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Bis November 2019 blieb dies unentdeckt. Dann meldete sich Daniel Lavery, ebenfalls ein Sohn Ortbergs, bei der Gemeinde. Er erzählt, ein Freiwilliger der Menlo Church habe ihm seine Anziehung zu Kindern gestanden. Auch sein Vater wisse davon, habe jedoch nichts unternommen. Dass dieser Ehrenamtler der jüngste Sohn des Pastors ist, bleibt der Öffentlichkeit zu dem Zeitpunkt noch verborgen.

Der Ältestenrat beruft einen unabhängigen Ermittler, um die Vorgänge zu überprüfen. Auch wird John Ortberg kurzzeitig freigestellt. Sein Sohn legt die ehrenamtliche Arbeit nieder. Doch nach den Untersuchungen wird Ortberg im Frühling wieder in sein Amt berufen. Alles scheint wie gewohnt.

Neue Erkenntnisse

Bis Lavery sich im Juni abermals auf Twitter zu Wort meldet. Er zweifelt die Gründlichkeit der Untersuchungen an. Diesmal benennt er den Ehrenamtlichen öffentlich als seinen Bruder. Der Ältestenrat und John Ortberg hatten diese Info bis dahin nicht öffentlich gemacht. Außerdem wird der Vorwurf laut, der Ermittler habe weder mit Kindern noch deren Eltern gesprochen, mit denen Ortbergs Sohn gearbeitet hatte. Das Vertrauen ist endgültig gebrochen. Ortberg bietet seinen Rücktritt an.

„Ich fühle enorme Traurigkeit darüber, weil ich diese Kirche liebe und Träume für unsere Zukunft habe. Die 17 Jahre als Pastor hier betrachte ich als meine größte Freude, die ich im Dienst hatte“, schreibt er in einem Statement. Jedoch sei es eine schwierige Zeit für Eltern, Freiwillige, Mitarbeiter und andere gewesen. Er glaube, dass die Einheit, die Menlo brauche, am ehesten durch seinen Weggang möglich sei.

Gespräche mit seinem jüngsten Sohn hätten keinen Hinweis darauf gegeben, dass er eine Gefahr sei, schreibt er ebenfalls. Tatsächlich gibt es zum derzeitigen Standpunkt keinen Hinweis darauf, dass Ortbergs Sohn seine pädophilen Neigungen ausgelebt hat.

Drei Gründe für Weggang

Der Ältestenrat benennt in seiner Mitteilung drei Gründe für seine Entscheidung, Ortbergs Rücktritt anzunehmen. Erstens habe sein schlechtes Urteilsvermögen zu Schmerz und Vertrauensbruch geführt. Zweitens würde die Zeit, die neuen Untersuchungen abzuschließen und das Vertrauen zurückzugewinnen, die Mission von Menlo Church zeitlich verzögern. Drittens brauche der Pastor die kommende Zeit, sich auf Heilung und Versöhnung in der eigenen Familie zu konzentrieren. Man werde nun einen Übergangspastor einstellen, der vorübergehend als Senior Pastor dienen werde. Der Seite The Almanac zufolge soll diesen Posten Eugene Lee übernehmen. Auch neue Untersuchungen zur Sicherheit der Kinder soll es geben.

Die Menlo Church besuchen 6.000 Gemeindemitglieder an sechs Standorten in der Bay Area/Kalifornien. In den Kindergottesdiensten werden rund 1.000 Kinder und Jugendliche betreut.

11 DIREKT-KOMMENTARE

  1. > Bis November 2019 ging das gut.
    Bitte formuliert das um. Im Zusammenhang meint das wohl: Es wurde nicht entdeckt.
    Und ob das wirklich ‚gut gehen‘ ist, daran habe ich bei Pädophilie meine Zweifel. Letztlich gab es ja wohl keine Untersuchungen, ob es zu Übergriffen gekommen ist.

    Und weiter
    > Anders als bei Bill Hybels sind es beim Pastor und Autor John Ortberg keine tatsächlichen beziehungsweise mutmaßlichen sexuellen Grenzüberschreitungen, die zu seinem Rücktritt geführt haben.

    Doch! Oder sogar gerade das sind die entscheidenden Grenzüberschreitungen. Nicht direkt sexueller Natur, aber eben mutmaßlich mittelbar. Das Problem z.B. im Vergleichsfall RKK waren doch nicht einzelne Übergriffe sondern das Decken und Verschweigen dieser durch Vorgesetzte. Erst das machte den massiven Missbrauch überhaupt möglich. Insofern sind Vorgesetzte (auch wenn sie wie hier der eigene Vater sind) natürlich hier in der Verantwortung für die Kinder und wenn sie diese nicht wahrnehmen, ist das eine massive Grenzüberschreitung.

    Insgesamt finde ich den Artikel sehr unglücklich geschrieben. Gerade bei diesem Thema.

    • Danke für die Kritik, verstehen wir. Allerdings gab es nach bisherigem Stand keine sexuelle Grenzüberschreitung (Unschuldsvermutung). Sprich, sein Sohn hat laut bisheriger Untersuchungen nichts getan. Aber das „ging es gut“ haben wir umformuliert. Danke + vG, die Redaktion

  2. Zweifellos muss es das dringendste Anliegen sein, unsere Kinder vor sexuellen und gewalttätigen Übergriffen von Kinderschändern zu schützen. In diesem Fall kann ich allerdings nur sagen, nicht jeder Pädophiler ist ein Kinderschänder. Es gibt auch Menschen, die diese Neigung bewusst nicht ausleben wollen und auch Therapien machen, um damit umgehen zu lernen. Wenn Ortbergs jüngerer Sohn seinem Vater im Vertrauen gesteht, zwar pädophile Neigungen zu haben, diese jedoch nicht umsetzt, so darf er dafür nicht an den öffentlichen Pranger gestellt werden. Richtiger wäre es gewesen, ihn aus dieser ehrenamtlichen Arbeit zu entlassen und mit ihm gemeinsam eine geeignete Therapie zu suchen. So aber wurde der Ruf seines Sohnes zerstört, und zwar auf Lebzeiten, ohne dass er sich etwas zuschulden kommen ließ. Im Gegenteil, mit seinem Geständnis hat er richtig gehandelt. Dadurch, dass er eine intergere Person ins Vertrauen gezogen hat, hat er eine wichtige Tür zur Versuching selber geschlossen. Wir vergessen in dieser Diskussion oft, dass Menschen auch durchaus in der Lage sind, ihre Triebe zu kontrollieren. Nicht zuletzt auch mit Hilfe von Gebet und Gottesvertrauen.

    • Absolut richtig. Das Fehlveralten hier liegt (zumindest soweit man bisher weiß, eine richtige Untersuchung hat es ja wohl noch nicht gegeben) bisher allein bei Pastor John Ortberg.
      Denn auch wenn pädophil nicht heißt, dass sich jemand zwingend an Kindern vergreift, so besteht eben durchaus diese Gefahr und deshalb darf so jemand nicht in der Arbeit mit Kindern eingesetzt werden.

      Deshalb greift hier die Unschuldsvermutung auch nur gegenüber dem Sohn. Der Vater/Vorgesetzte hat hier ein klares und schweres Fehlverhalten gezeigt. Auch gegenüber seinen Sohn (den Aspekt hatte ich so noch gar nicht im Blick, Danke dafür).

    • Ich sehe das ganz genauso wie Andrea! Ich hoffe sehr, dass Orbergs Sohn mit den Pädophilen Neigungen nicht in den Suizid getrieben wird durch das Publikmachen seiner sexuellen Neigung! Er hat es sich schließlich nicht ausgesucht, so zu empfinden! Obwohl er alles richtig gemacht hat, wird er jetzt an den öffentlichen Pranger gestellt und wird wahrscheinlich weltweit keinen Arbeitsplatz finden. Und seine Freunde werde ihn sicherlich auch größtenteils fallenlassen, wenn sie später Kinder bekommen. Auch wenn es richtig war, den Sohn aus der Kinderarbeit rauszunehmen, hat sein Bruder durch seine Handlungsweise bei Twitter grosse Schuld auf sich genommen.

      • Ja, da frage ich mich, was seinen Bruder dazu getrieben hat. Neid? Eifersucht? Es gibt schlimme Gefühle zwischen Geschwistern, die wie bei Kain und Abel bis zum (Ruf-)Mord führen können. Warum hat er nicht das Gespräch mit seinem Vater und Bruder gesucht?
        Und der Vater hat auch auf voller Linie versagt.
        Aber der junge Mann hätte auch selbst auf die Idee kommen können, nicht im Kinder- und Jugenddienst zu arbeiten, sondern sich etwas anderes zu suchen.
        Und wo ist die Mutter bei dem ganzen? Wußte sie etwas?
        Dieses Vertuschen und Verheimlichen ist grauenhaft und führt zu solchen schrecklichen Ereignissen. In der Bibel steht doch schon „Du sollst nicht lügen“, also wieso lügen und tun, als ob jemand anders empfindet als er in echt empfindet?
        Es gibt Familiengeheimnisse, die offengelegt werden müssen. Ich weiß von meiner Familie, dass meine Mutter ihrem Vater schutzlos ausgeliefert war und nie hat jemand auch nur ein Wort darüber verloren! Er war sogar bei uns zu Besuch! Der Schein musste gewahrt bleiben.
        Das ist Gott ein Gräuel und mir ehrlich gesagt auch.

        • Es ist bekannt und hinterlässt bei der ganzen Geschichte einen überaus schlechten Geschmack im Mund, dass der älteste „Sohn“, Transmann Daniel Lavery, schon länger ein zerrüttetes bis stark belastetes Verhältnis zu seinem Vater und dann auch zu seinem Bruder hat. Dass er seinen Vater jetzt ans Messer geliefert hat, lässt tief blicken (was John Ortbergs zu grosse Weichheit im Umgang mit diesem Fall nicht entschuldigt).

        • Wer weiß, vielleicht hat der ältere Sohn ja mit seinem Vater oder seinem Bruder geredet..
          Jedenfalls ist Twitter sicherlich nicht der goldene Weg, um so ein Thema anzusprechen! Direkt an die Ältesten hätte er sich wenden sollen, sofern das Gespräch mit Vater und Bruder bereits stattgefunden und zu keinem Erfolg geführt hat. Seinen Bruder so an den Pranger zu stellen ist definitiv falsch! 🙁

          • > Direkt an die Ältesten hätte er sich wenden sollen

            Hat er doch gemacht. Nur haben diese nichts an dem Zustand geändert.

        • > Ja, da frage ich mich, was seinen Bruder dazu getrieben hat. Neid?

          Oder Sorge um die Kinder. Wer weiß?

          Zumindest seine erste Meldung im November war ja wohl in Ordnung. Und dann ist offensichtlich 7 Monate wenig passiert, so dass er meinte sich wieder melden zu müssen. So weit, so richtig von ihm aus meiner Sicht.

          Ob dann aber Twitter das geeignete Medium ist? Wobei, wenn die Gemeinde auf seine Meldung nicht reagiert, dann kann man schon auf den Gedanken kommen, in die Öffentlichkeit zu gehen.

          Ohne seine genauen Motve zu kennen, würde ich hier deshalb nicht sagen, dass er zwingend falsch gehandelt hat. Denn auch bei seinem Bruder scheint ja wenig Einsicht vorhanden zu sein, sonst hätte er sich von Arbeit mit Kindern fern gehalten.

  3. Ich finde auch der Sohn hätte gar nicht mit Kindern arbeiten dürfen. Das ist nicht christlich man soll nicht in Versuchung kommen. Sein Vater hat als Pastor versagt . Der älteste Bruder hat richtig gehandelt die unschuldigen Kinder müssen geschützt werden. Bitte nicht soviel Verständnis für die armen Pädophilen 90% werden rückfällig. Auch wenn sie es nur in ihrer Fantasie ausleben wird daraus oft eine Tat . Die bei den Opfern schwere Trauma auslösen. Kinder müssen geschützt werden nicht Täter

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