Hunderte systemkritische Pfarrer verließen die DDR ohne Genehmigung. Doch im Westen fanden die Geistlichen oft ebenfalls keine Anstellung.
Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sahen sich in der DDR massiven Repressionen ausgesetzt. Hunderte von ihnen flohen in den Westen. Die Kirchenleitungen im Osten verweigerten häufig die notwendige Zustimmung zur Ausreise und betrachteten die Betroffenen als „Abtrünnige“, schreibt Michael Hollenbach für die Tagesschau. Ohne entsprechende Freigabe oder Ordinationsnachweis wurde ihnen der Zugang zum Pfarramt verwehrt. Laut Kirchenhistorikerin Deborah Haferland galten sie teilweise als „entlaufene Hirten“. Erst nach Jahren konnten einige wieder im kirchlichen Dienst Fuß fassen.
Ein konkretes Beispiel: das Pfarrerehepaar Baumgart aus Bernburg. Wegen ihres kritischen Engagements gerieten sie ins Visier der Staatssicherheit, wurden vorgeladen, bedroht und sogar das Pfarrhaus beschädigt. „Von der Kirchenleitung haben wir keine Unterstützung bekommen und ich hatte auch Angst um meine drei kleinen Jungs“, erinnert sich Christine Baumgart. 1988 floh die Familie schließlich in den Westen – doch statt eines Neuanfangs folgte Ernüchterung: Mehrere westdeutsche Landeskirchen lehnten eine Anstellung ab, sodass Baumgart zunächst wieder als Hebamme arbeiten musste, um den Lebensunterhalt zu sichern.
Eine Aufarbeitung dieses Kapitels innerdeutscher Kirchengeschichte komme erst allmählich in Gang. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland bekannte 2017 eigenes Versagen und leitete Versöhnungsprozesse ein. In vielen anderen Landeskirchen steht eine solche Auseinandersetzung jedoch noch aus.
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