Mindestens 2.700 Menschen wurden im Vorjahr weltweit hingerichtet – so viele wie seit 44 Jahren nicht mehr. Amnesty International warnt: Die Todesstrafe wird gezielt als Mittel der Angst eingesetzt.
Im Vergleich zu 2024 hat sich die Zahl der Todesopfer durch Hinrichtungen mehr als verdoppelt, meldet Amnesty International. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen, heißt es im aktuellen. Der Anstieg gehe vor allem auf Iran zurück, wo es laut Amnesty über 2.100 dokumentierte Exekutionen gab. „In Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten“, sagt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland. Dies sei ein „eklatanter Missbrauch staatlicher Macht und ein Angriff auf jede Form von Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit.“
In Saudi Arabien ließen die Behörden 356 Hinrichtungen durchführen – ein neuer Höchstwert. Iran und Saudi Arabien sind laut des Berichts zusammen für 93 Prozent aller registrierten Hinrichtungen weltweit verantwortlich. In den USA erreichte die Zahl der Hinrichtungen (47) den höchsten Stand seit 2009. Verantwortlich für den Anstieg (2024: 35) waren vor allem die Behörden in Florida, wo 19 Todesurteile vollstreckt wurden.
China: Hinrichtungen sind Staatsgeheimnis
Nicht enthalten im Bericht sind Zahlen aus China. Amnesty geht von „Tausenden von Hinrichtungen“ aus, die Zahlen unterliegen jedoch staatlicher Geheimhaltung. Äußerungen und Kommentare chinesischer Behörden deuteten laut Amnesty jedoch auf einen „gezielten Einsatz der Todesstrafe hin“ – zum Beispiel bei der Bekämpfung von Korruption, Bestechung und Finanzdelikten.
Laut Amnesty wurden fast die Hälfte aller dokumentierten Exekutionen wegen drogenbezogener Delikte in fünf Ländern (China, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Singapur) vollstreckt. „Diese Praxis ist nicht nur rechtswidrig, sondern zutiefst menschenverachtend“, so Druchow.
„Unmenschlich und endgültig“
„Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit“, kritisiert Julia Duchrow. „Dass immer noch Regierungen darauf setzen, zeigt eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben.“
Trotz des Anstiegs gebe es auch positive Nachrichten. Beispielsweise würden im Libanon und in Nigeria Gesetzesentwürfe zur Abschaffung der Todesstrafe bearbeitet. Im US-Bundesstaat Alabama wurde erstmals eine Person mit dunkler Hautfarbe im Todestrakt begnadigt. Und: Die Staaten, die weiterhin hinrichten, stünden zunehmend isoliert da. „Als Amnesty International 1977 die Arbeit gegen die Todesstrafe aufnahm, hatten nur 16 Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Heute sind es 113 – mehr als die Hälfte aller Länder der Welt“, so Duchrow. „Weltweit setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und wirkungslos ist – und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf.“
>>> die Pressemitteilung (PDF) von Amnesty International Deutschland
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