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Reformierte Kirchenpräsidentin: „Gesellschaftlich Schwache werden weiter herabgewürdigt“

Die evangelisch-reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden kritisiert: In der Debatte um den Sozialstaat werden Menschen mit geringem Einkommen oft pauschal abgewertet.

Die reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden hat in der Debatte um den Sozialstaat eine gesellschaftliche Abwertung von Menschen in Not und Armut kritisiert. «Insbesondere gesellschaftlich Schwache, Kranke und Bedürftige werden pauschal als arbeitsscheu diffamiert, ihnen wird unterstellt, soziale Leistungen maximal auszunutzen und jegliche Spielräume für Eigeninteressen zu nutzen», schreibt Bei der Wieden in einem «Zwischenruf», den die Evangelisch-reformierte Kirche am Montag in Leer veröffentlichte.

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«Dadurch werden Menschen, die ohnedies um Anerkennung und Würde ringen müssen, noch weiter entwertet und herabgewürdigt», erklärte die Kirchenpräsidentin. Die Ankündigung radikaler Kürzungen schüre Zukunftsängste. Menschen mit wenig Geld und Einfluss würden öffentlich und ohne jede Scham zu Sündenböcken gemacht. Grundwerte wie die im Grundgesetz verankerte Würde aller Menschen, die im christlichen Verständnis des Menschen als Ebenbild Gottes wurzele, würden in der politischen Diskussion aufs Spiel gesetzt.

«Ich schäme mich dafür»

Als Christin und Bürgerin sei sie darüber zutiefst erschrocken, schreibt Bei der Wieden: «Ich halte das für falsch und gefährlich, ich schäme mich dafür.» Denn diese Werte bildeten den Nährboden für eine gerechte Welt und sicherten Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Die Umbrüche der Gegenwart träfen alle Menschen hart, schreibt die Theologin, die an der Spitze der Evangelisch-reformierten Kirche steht, die zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehört.

«Menschen mit geringem Einkommen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Gesundheit tragen aber besonders hart an den Folgen. Diesen Menschen die Schuld an der gegenwärtigen Situation zuzuschreiben, ist nicht nur unanständig, sondern brandgefährlich.» Es gelte, den Rechtsstaat zu schützen, statt zu spalten und zu verletzen.

Quelleepd

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9 Kommentare

  1. Die evangelisch-reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden kritisiert: In der Debatte um den Sozialstaat werden Menschen mit geringem Einkommen oft pauschal abgewertet. Dies sehe ich auch so, die gebrauchten Narrative machen. diese Menschen zu Sündenböcken, ob es so gemeint wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Es kommt die im Grundgesetz genannte unveräußerliche Würde jedes Menschen, hier unter die Räder. Die geradezu logische Einsparung am Sozialstaat nimmt seine Bindungskraft zurück, den Leim, den unsere Gesellschaft noch zusammen hält.
    Die ganz Reichen werden verschont, jene mit Milliardengewinnen und die Schere geht noch mehr auseinander. Ein Humus, der den Rechtsradikalen Wahlstimmen zuträgt. Die politische Mitte rückt wie in einem Reflex immer mehr nach rechts. Eine fatale Entwicklung, die sonst niemand nützt. So auch nicht der wirtschaftlichen Entwicklung.

  2. Eigentlich habe ich eher das Gefühl dass die herabgewurdigt werden die hart Arbeiten und das Land am Laufen halten. Sie werden geschröpft und permanent wird versucht denen ein schlechtes Gewissen einzureden, es ginge ihnen ja so gut.

    Ich glaube dass es an der Zeit ist umzudenken und die Predigten umzuschreiben.

    • @EinFragender, da sieht man mal wieder, wohin „Gefuehle“ fuehren koennen … 😉

      Ich bin auch schon ganz verwirrt🤔:
      a) Sollten wir uns nicht der Selbstaufgabe bis zum Tode verpflichtet fuehlen, dankbar sein, wenn wir noch Arbeiten (koennen und wollen)?
      b) oder mit dem Arbeiten zB 4-6 Wochen (ohne Gehalt) pausieren, so lange, bis wieder gilt (bankrott aller) 2.Thessalonicher 3,10
      „Auch haben wir euch damals, als wir bei euch waren, diese Grundregel übergeben: Wenn jemand nicht gewillt ist, selbst zu arbeiten, dann soll er auch nichts zu essen bekommen. Wir haben damals schon immer zu euch gesagt: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nichts zu essen kriegen.““?

      Vor der Wende 1989 wurde durch „Hilfen“ vom Westen die DDR angeblich jahrelang gestuetzt (das Leid, der unter dem Unrechtssystem Benachteiligten, verlaengert)?

      Ich weiss es wirklich nicht … Was meinst Du/Ihr? Wie mans macht, macht mans falsch 🤷‍♂️

      LG Joerg

      • Lieber Joerg, dies ist doch eine gut lesbare und interessante Polemik, aber auch in seiner absoluten Zuspitzung keinesfalls realitätsnah. Ich habe untenstehend schon (den Erhalt von) Urvertrauen und Zusammenhalt, wichtig erachtet. Bist du je arm gewesen, um zu verstehen ?
        Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, ist geradezu unmenschlich. Da müssten wir anfangen bei denen, die gelähmt im Stuhl sitzen.

        • Moin Bernd,
          also ich denke, der Bibelvers ist fuer die gemeint, die arbeiten koennten, aber eher ausnutzten von anderen zu leben?

          Alle Kranken und Schwachen bekommen natuerlich im Rahmen der Moeglichkeiten (weniger Wohlstand -> knappere Versorgung?) das Noetigste.

          Was bei uns mE schief laeuft: nicht jeder kann selber entscheiden, wem er mit wieviel hilft (= biblisch?) sondern ANDERE entscheiden, wer wieviel abgeben MUSS, damit wieder andere, die gut davon leben?, die Umverteilung uebernehmen.
          Also das Verhaeltnis von Netto-(Steuer)-Zahlern (schrumpfend) und Empfaengern (zunehmend) ist dysfunktional geworden?!

          Nein, Gott-Sei-Dank war ich nie arm. Wohl habe ich zeitweise sehr bescheiden gelebt, aber arbeiten konnte ich stets.
          Und Du? Du warst eher bei den „Umverteilern“, also den Profiteuren vom jetzigen System, oder?

          LG Joerg

    • Urvertrauen und Zusammenhalt immer sinnstiftend

      Da gebe ich dem EinFagender gerne die Antwort, dass ich auch so denke. Wenn heute – wie soeben die Meldung lautete – hier gut zwei Drittel der Deutschen glauben der Sozialstaat sei nicht mehr bezahlbar, heißt doch dies eher fast gefühlsmäßig, ihn für Arme abzuschaffen. Abenteuerlich ist da zudem die Negatividee, die Zahnarztkosten ganz den Staatsbürger/innen auf zu bürgen, mal abgesehen davon dass jedem Vernunftbegabten hier auch vorher einleuchtet, das kein Politiker bei Verstand so etwas durchsetzen möchte. Da wäre vorhersehbar, dass jene die dies fordern (oder ihre Parteien) gute Gründe liefern, für arme Menschen, nicht wählbar zu sein. Der Sozialstaat muss stets bezahlbar sein. Wer seine Predigten dazu aber umgeschrieben müsste, hat sich mir nicht erschlossen. Das Evangelium beinhaltet das Doppelgebot der Liebe und hier auch viele optimalen Schlussfolgerungen sind die 10 Gebote und unsere Bergpredigt. Da wüsste ich nicht, was es da ungeschrieben werden muss, schon gar nicht Jesu Worte. Es ist klar, dass jede Forderungen nach Sozialstaatsabbau geradezu ein Erfolgsprogrammbeitrag für die sehr unlieben AfD-Mitglieder bildet.
      (Vielleicht war es nur sinnbildliche Sprache von Politiker“predigten“). Keiner muss Soziologe sein: Volksschulbildung nach Sauerländischer Art reicht zu wissen, dass der allerbeste Kitt der Gesellschaft der bürokratiearme Sozialstaat ist (nach Augenmaß), was aber Mitmenschen nicht sämtliches Urvertrauen wegnimmt. Dem vermeintlich bösen Onkel glaubt niemand Christlichkeit und einem solchen Staat niemals seine Werte und Normen.
      Da wählt man lieber Menschen, denen man seine kleinen Kindern nicht anvertrauen würde. Die geistigen ****verbreiten und wenig Sachkenntnis.

      • Angenommen, das Geld fuer Sozialtransfers wird weniger (Steuereinnahmen) woran wuerdest du Sparen/Strukturreformen ansetzen?

        Immer weiter so geht halt iwann nicht mehr … und Tax-the-rich traegt nicht lange, sondern verschiebt das Problem nur etwas und es kommt, um so schlimmer zurueck (keine Wirtschaftsbasis, weniger Steuern/Abgaben).

        Was koenntest denn du persoenlich beitragen? Weniger Pension/Rente? Mehr Zuzahlungen? Was?

        LG Joerg

        • @ Jörg: Sie schreiben „…und Tax-the-rich traegt nicht lange, sondern verschiebt das Problem…“ Wenns um Geld geht, geht’s zur Sache, da scheinen ja christliche Einsichten ganz schnell einen Kosten-Nutzen-Denken zu weichen.
          1. Der immer wieder in den Medien gebrachte Verdacht, alle Sozialleistungsempfänger seien arbeitsscheu diese Menschen könnten bei gutem Willen alle in Arbeit sein, ist eine weltfremde – und aus meiner Sicht auch böswillige – Fiktion. Der Anteil hartgesottener Verweigerer ist maginal, äußerst gering.
          2. Bei der Einkommensverteilung insgesamt in D geht es dagegen um ganz andere Dimensionen: Bericht des BMAS: „…Betrachtet man die Haushalte nach der Höhe des Vermögens, so zeigt sich, dass die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung nur über rund 1 Prozent des gesamten Nettovermögens verfügen, während die vermögensstärksten 10 Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich vereinen. Der Anteil des obersten Dezils ist dabei im Zeitverlauf immer weiter angestiegen…“

          Warum ereifern Sie sich so einseitig gegen Schwächere? Warum schonen Sie in Ihren Statement die Reichen? Auf der einen Seite moralische Entrüstung gegen vermeintlich Arbeitsscheue, auf der anderen Seite nur kurz „Tax-the-rich traegt nicht“.

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