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Studie deckt Missbrauch durch Pfarrer und Sexualberater auf

Sexuelle Übergriffe und spiritueller Missbrauch: Eine Studie zeigt, wie der evangelische Theologe und Sexualberater Wiedemann seine Machtposition ausgenutzt haben soll. Die Kirche sieht eigenes Versagen.

Ein Pfarrer der evangelischen Markusgemeinde in Düsseldorf hat einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge über Jahre hinweg Männer sexuell und spirituell missbraucht. Der auch bundesweit als Sexualberater und Autor bekannte Theologe Hans Georg Wiedemann (1936-2015) habe seine Autorität missbraucht, «um mithilfe seiner ideologischen Vorstellungen einer ‚befreiten Sexualität‘ sexualisierte Grenzüberschreitungen und Gewalt zu normalisieren», heißt es in dem am Dienstag in Düsseldorf vorgestellten Abschlussbericht der unabhängigen Studie der Hochschule RheinMain. Die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Antje Menn, räumte ein «schwerwiegendes institutionelles Versagen» der Kirche ein, daraus müsse gelernt werden.

«Unsere Studie zeigt erneut auf, dass sexualisierte Gewalt nicht als isoliertes Fehlverhalten einzelner Personen verstanden werden kann, sondern in spezifische kirchliche, gesellschaftliche und sexualpolitische Kontexte eingebettet ist», erklärte die wissenschaftliche Leiterin der Studie, Professorin Johanna Sigl. Die Berichte der zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt erwachsenen Betroffenen reichen demnach von verschiedenen sexuellen Handlungen gegen ihren Willen wie Küssen «bis hin zu dem Versuch, Geschlechtsverkehr herbeizuführen und zu Masturbation in Anwesenheit der Betroffenen». Sigl und ihr Kollege Sebastian Hempel führten Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und Zeitzeugen, zudem werteten sie Akten aus.

Wiedemann war von 1973 bis 2001 Pfarrer in der Markusgemeinde. Er galt bundesweit als progressive Stimme für die Anerkennung homosexueller Menschen in der Kirche und war auch als Sexualberater tätig. «In allen geschilderten Situationen agierte Wiedemann in seiner Rolle als Pfarrer oder Sexualberater und nutzte seinen Handlungsspielraum machtmissbräuchlich aus», schreiben Sigl und Hempel. Auch der Zeitgeist und ein unkritischer Umgang der Kirche mit seinen Positionen hätten dazu beigetragen. Die Forscher untersuchten intensiv die Fälle von fünf Erwachsenen vom Anfang der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre, gehen aber von weiteren Betroffenen aus.

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Quelleepd

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