Endlich verständlich: In Karlsruhe übersetzt ein Live-Programm den Gottesdienst für Menschen ausländischer Herkunft. Der Service entlastet Pfarrer, Ehrenamtliche und Dolmetscher.
Von Susanne Lohse (epd)
„Die Idee entstand am Esstisch“, sagte der Erfinder des KI-gestützten Übersetzungsprogramms, Tim-Cedric Inhoff, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sein Vater, Pastor beim Karlsruher Missionswerk, habe ihm von den Schwierigkeiten erzählt, Dolmetscher für die sonntäglichen Gottesdienste zu finden. Viele Gottesdienstbesucher der Gemeinde stammen aus dem Iran, Russland, der Ukraine oder einem englischsprachigen Land.
Das Gespräch weckte den Erfindergeist des Informatikers. Tim-Cedric Inhoff, der, wie er berichtet, schon im Studium „für Künstliche Intelligenz brannte“, machte sich auf die Suche. Binnen weniger Monate fand er eine Lösung und entwickelte ein auf christliches Vokabular abgestimmtes Übersetzungsprogramm. Die Testversion stellte er zunächst über private Verbindungen befreundeten Kirchengemeinden zur Verfügung.
„Bei meinem Onkel in der Gemeinde in Nordrhein-Westfalen hatte eine Iranerin nach dem Gottesdienst Tränen in den Augen, weil sie nach Jahren wieder einen Gottesdienst in ihrer Muttersprache hören konnte“, berichtet der Jungunternehmer. Sein Start-up „Streamlingo“ übersetzt in Echtzeit in 57 Sprachen von Farsi über Tamil, Maori, Isländisch bis Bosnisch oder Schweizerdeutsch. Die Gottesdienst-Übersetzung ist über einen QR-Code auf dem PC, Tablet oder dem Smartphone abrufbar.
„Saufen“ statt „Taufen“
Die computergenerierte Stimme klinge „schon recht menschlich“, sagt er, es sei „schön, ihr zuzuhören“. Der KI-Dolmetscher reagiert auf gesprochene Sprache. Gleich oder ähnlich klingende Wörter können schon mal zu Verwechslungen und somit falschen Übersetzungen führen: Die Verse im Gesangbuch haben so wenig mit der Ferse des Fußes zu tun wie normalerweise der Altar mit dem Alter.
Schwyzerdütsch sei vor allem als Variante der Eingangssprache wichtig, sagt Inhoff, und erinnert an lustige Momente während der Erprobungsphase, etwa den klassischen Fauxpas, wenn das Programm statt „taufen“ „saufen“ verstand. „Da lacht die Gemeinde noch heute drüber“, so der Entwickler.
Gefüttert mit christlichem Vokabular
Anders als der Übersetzungsdienst von Google ist die KI von Streamlingo mit christlichem Vokabular gefüttert. „Google Translate ist gewissermaßen der Allgemeinarzt, Streamlingo der Facharzt“, beschreibt Inhoff den Unterschied. Unter den 786 Spezialbegriffen für Deutsch finden sich christlich vertraute Wörter wie „Advent“, „Demut“ oder „Altar“, aber auch Fachbegriffe wie etwa die Laien kaum bekannte Bezeichnung „Deuteronomium“ für das 5. Buch Mose.
Personelle Unterstützung für das Projekt fand Inhoff unter ehemaligen Kommilitonen der „Studenten für Christus“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Ich fand es eine tolle Idee, Gottesdienste von überall her in der Muttersprache hören zu können“, sagt die für Kommunikation zuständige Elly Miller. „Ich wollte schon immer einen Job, der Sinn und einen Unterschied macht. Hier kann ich Glauben und Technik vereinbaren.“
Finanziell wird Streamlingo gefördert vom EXIST-Gründerstipendium des Bundes für innovative Start-ups. Die Kirchengemeinden kostet die Live-Übertragung pro Stunde und Sprache zehn Euro. Das lohne sich, sind Inhoff und Miller überzeugt. Denn der Übersetzungsservice entlaste Pfarrer, Ehrenamtliche und Dolmetscher.

Sehr schön, wenn Gottesdienstbesucher und die Gemeinden dies als hilfreich empfinden. Ich persönlich habe bei KI aber ein komischen Gefühl. Gerade meinen Glauben wollte ich nicht damit in Verbindung bringen.
KI wird, über kurz oder lang, in nahezu jeden Lebensbereich Einzug halten.
Im religiösen ist das längst passiert. Ich möchte gar nicht schätzen, wie viele Prediger heute schon ihre Predigt mit Hilfe von KI schreiben.
Das Beispiel hier zeigt sehr gut, dass KI große Vorteile bietet bei Benachteiligung. Übersetzungen oder Beschreibungen (z.B. für Blinde) können schon heute ein Segen sein. Wobei man hier derzeit noch vorsichtig sein soll. Von reinen KI-Übersetzungen in leichte Sprache wird beispielsweise von der zuständigen Stelle noch abgeraten. Aber das ist eine Frage der Zeit. Berufe wie der des Übersetzers/Übersetzerin werden aber wohl aussterben.
KI ist aber nur so gut wie sie gefüttert wird. Und auch von wem. Elon Musks KI wurde ja sogar antisemitisch.
https://www.deutschlandfunk.de/grok-empfiehlt-hitler-gegen-angeblichen-hass-von-juden-auf-weisse-musk-konzern-kuendigt-konsequenzen-100.html
Letztlich wird KI also wohl die eigene Intelligenz nicht ersetzen können.