Wegen Sparmaßnahmen der württembergischen Landeskirche soll das „bibliorama“ am 31. Januar schließen. Eine Initiative will das nicht hinnehmen.
Von Judith Kubitscheck (epd)
Irmela Preissner war «total geschockt», als sie im November 2025 erfuhr, dass das Stuttgarter Bibelmuseum «bibliorama» am 31. Januar schließen soll. Als Geschäftsführerin von «Biblische Reisen» bietet sie regelmäßig Touren durch die «Bibelstadt Stuttgart» an.
Denn in der württembergischen Landeshauptstadt befinden sich die Deutsche Bibelgesellschaft, das Katholische Bibelwerk und in der Württembergischen Landesbibliothek eine der größten Bibelsammlungen der Welt. Hinzu kommt das Bibelmuseum «bibliorama», das sie sehr schätzt: «Ich war bei meinem ersten Besuch überrascht, wie modern und lebensnah es aufgebaut ist, mit Botschaften, die das eigene Leben inspirieren.»
Initiative braucht Geld
Umso weniger kann sie es nachvollziehen, dass das Museum aufgegeben werden soll. Gemeinsam mit dem Förderverein des Bibelmuseums startete sie die Initiative «bibliorama retten». Ziel sei, «130.000 Euro an Spenden zu organisieren, damit das Museum mindestens ein weiteres Jahr unter einer anderen Trägerschaft betrieben werden kann», sagt Preissner.
Die durch das Geld dazugewonnene Zeit wolle man nutzen, um das Bibelmuseum neu organisatorisch aufzustellen und sich um eine nachhaltige Finanzierung zu kümmern. Sie sei in Gesprächen mit der Landeskirche und hoffe, dass die Kirche das Museum nicht einfach schließt, sondern es an einen Nachfolger überträgt.
Einsparungen seien etwa denkbar, indem man nur noch am Wochenende öffne, ergänzend dazu aber Gruppen wie Schulklassen und Konfirmanden anbiete, zu einem gebuchten Termin auch unter der Woche das Museum zu besuchen. Ebenso könne durch noch mehr ehrenamtliches Personal als bisher Geld eingespart werden, sagt Preissner.
«bibliorama» ist erst zehn Jahre alt
Die württembergische Landeskirche hat drastische Einsparungen beschlossen. Davon ist auch das «bibliorama» betroffen: Im Herbst 2025 wurde entschieden, das Stuttgarter Bibelmuseum Ende Januar 2026 zu schließen. Von den bisher 490.000 Euro des jährlichen Bibelmuseums-Etats sollen 350.000 Euro eingespart werden, die restlichen 140.000 Euro seien für anderweitige Bibelarbeit vorgesehen, teilte die Landeskirche mit.
Das Museum ist erst 2015 eröffnet worden und feierte im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Bestehen. In der rund 350 Quadratmeter großen Ausstellung begegnen die Besucher 14 biblischen Personen und Martin Luther. Es können Psalmen komponiert oder auf einer Laserharfe gespielt werden. Ein Sandkreisel, eine «Unrechtswaage» oder 3.000 Bausteine laden ein, selbst aktiv zu werden.
Alles probieren, um das Ganze zu retten
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg betreibt das Museum in Zusammenarbeit mit der Württembergischen Bibelgesellschaft. Es erhielt mehrere Preise, unter anderem für sein partizipatives Konzept.
Bisher seien knapp 18.000 Euro an Spenden von Privatpersonen für den Erhalt des Museums zusammengekommen, sagt die Initiatorin von «bibliorama retten». Nun sei das nächste Ziel, auf Institutionen wie Firmen und Stiftungen zuzugehen und um finanzielle Unterstützung zu bitten.
«Es kann sein, dass wir als Initiative scheitern, auch wenn man alles gegeben hat. Aber für mich ist es viel schwerer zu akzeptieren, dass so eine tolle Einrichtung geschlossen werden soll, ohne dass man wirklich ernsthaft alles probiert hat, um das Ganze zu retten», sagt Preissner.

Es gibt ja immer wieder Initiativen, die sich bei solchen Einsparungen gründen, um eine Schließung (auch z.b. von Kirchen) zu verhindern. Das gelingt dann für 2 bis 3 Jahre, dann brechen die Spenden und das Engagement ein und die Schließung kommt doch, hat aber in den 2 bis 3 Jahren noch mal viel Geld verbrannt.
Warum gliedert man das Bibelmuswum hier nicht in die Landesbibliothek ein ? Auch dort kann man doch alles einsehen.
Chey: Gute Frage mit der Landesbibiliothek. Allerdings ist ein Bibelmuseum auch ein ERLEBNISRAUM. Im Frankfurter Bibelmuseum steht z.B. ein Zelt, in dem Abraham lebte mit seinen sechs Frauen, die für ihn das Korn rieben und für die er dankbar war, damit ihn eine noch im Alter betreuen konnte und in der Wüstennacht wärmte. Solche Infos und auch Nachbauten müssten dann – wenn vielleicht auch bescheiden – mit in die Bibliothek. Das Leben der Halbnomaden war anstrengend und hart. Analog gab es auch neutestamentliche Erlebnisgegenstände, beispielsweise ein Boot.
Es ist verständlich, dass eine Kirche, die sich im Wesentlichen nicht nach der Bibel richtet, auch ihr Bibelmuseum schließt, wenn das Geld ausgeht.
Es ist auch eine in „christlichen“ Kreisen wohlbekannte Verhaltensweise, dass jemand ein Anliegen hat und andere dann dafür bezahlen sollen.
Zum Vergleich: Für die gesuchten 130 000.Euro könnte man in armen Ländern 65 Familien aus der absoluten Armut holen.
Ein Bibelmuseum ist sehr wichtig
Lieber Ulrich Wößner: Ich stelle hier in Abrede, dass sich unsere Kirchen im wesentlichen nicht nach der Bibel richten. Damit diskreditieren Sie unzählige Menschen, die jeden Tag beten, ihre Bibel lesen, sich liebevoll verhalten und auch ein Interesse an den 10 Geboten und der Bergpredigt haben. Die Schließung eines Bibelmuseums halten ich auch bei einer guten Priorisierung (spricht Sparsamkeit) beim Geldausgeben für furchtbar. Es wäre sinngemäß so, als wolle man einem Handelsvertreter nicht mehr erlauben, ein sehr sinnvolles Produkt zu verkaufen. Wenn niemand mehr Staubsauger kauft, dann liegt es nur an der Werbung, oder am Produkt. Wenn das Bibelmuseum vielleicht zu geringe Besuchszahlen vorweist, soll hier auch nach dem Gründen gefragt werden. Wir können auch nicht jede Kirche schließen, die sonntags nur noch 12 ältere Leute im Gottesdienst zählt. Wenn ich denke, was in Pandemiezeiten alles möglich wurde und praktisch neu erfunden ist, dann kann doch der sehr wichtige Bestand des Bibelmuseums nicht dem Geldmangel zum Opfer fallen. Nur zu aller Not wäre dann die Alternative auch ein digitales Bibelmuseums. Diesem wird aber das Fehlen von Erlebnisräumen fehlen. Wir verlangen ja auch von den Kirchgängern nicht, dass sie am Sonntag alles im Netz oder Fernsehen verfolgen und sich Abendmahl und Segen digital verabreichen zu lassen. Wenn wir den Heiligen Geist erwarten, dann müssen wir ihm auch etwas Aufwind erlauben. Haushälter haben schon immer in Kirchen und Staat auf der Bremse gestanden und standen im Widerstreit zu den Gestaltern.
Ich frage mich, warum auch die größeren Spender oder gar die Großspender gerne Parteien mit Unsummen bedenken, aber Kirchen vergessen. Oder haben diese doch ein zielgerichteten Grund??? Es könnten doch bekannte prominente und zudem fromme Fußballer hier einen gute Obolus
abliefern. Man darf sich ja gerne hier im Netz auch loben lassen, was man ja sowieso allseits gerne tut. Unanständig wäre dies für mich niemals.