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Predigtverbot: Pfarrer schlage Missbrauchsopfern „mitten ins Gesicht“

Felix Genn, der Bischof von Münster, hat Pfarrer Ulrich Zurkuhlen mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand versetzt und die Bezüge gekürzt. Was ist passiert?
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Alles beginnt mit einer Predigt: Pfarrer Ulrich Zurkuhlen spricht in der Heilig-Geist-Kirche über Vergebung. Er thematisiert zwei Frauen, die über ihre ehemaligen Ehemänner lästern. Hier brauche es Vergebung, so der Pfarrer. Anschließend kommt er auf das Thema Missbrauch zu sprechen. Auch Priestern, die Minderjährige missbraucht haben, müsste man vergeben. Daraufhin beginnt der Eklat.

Mehrere Gottesdienstbesucher verlassen die Kirche. Zwischen 30 und 70 sollen es gewesen sein. Angesichts der lautstarken Proteste muss der Pfarrer seine Predigt abbrechen. Von einem „schreienden Mob“ spricht er später. Eigentlich will er noch über Jesus und die Ehebrecherin sprechen, über den barmherzigen Vater und dem verlorenen Sohn. Doch dazu kommt es nicht.

WDR-Interview sorgt für Eskalation

Über den Fall berichten mehrere Medien. Nun äußern sich auch Kirchenobere. Er versuche immer, seinen Kollegen den Rücken zu stärken, sagt Stefan Rau, der leitende Pfarrer der Pfarrei St. Joseph: „Aber das hier ging gar nicht.“ Die Gemeinde veranstaltet ein öffentliches Gespräch – den Pfarrer lädt sie nicht ein. Der Münsteraner Bischof Felix Genn bittet Zurkuhlen, nicht mehr zu predigen.

Damit ist es nicht getan. Der Skandal spitzt sich weiter zu. In einem WDR-Interview äußert sich Ulrich Zurkuhlen selbst. Im Gespräch sagt er, dass der Missbrauch „vielleicht nicht so tragisch für die Kinder war.“ Später fügt er hinzu: „Wenn die Kinder immer wieder dahin gingen, hatten sie ja offenbar auch ein positives Verhältnis zu dem Mann [dem Jugendvikar, Anm. d. Red.], finde ich, sonst würden sie ja nicht hingehen.“

Bischof zieht Konsequenzen

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Das bringt das Fass zum Überlaufen. Am gestrigen Donnerstag erklärt Bischof Felix Genn, dass er Maßnahmen gegen den 79-Jährigen eingeleitet hat: Dem Pfarrer ist es verboten, sich weiterhin in dieser Sache zu äußern. Ihm wird der Dienst als Seelsorger untersagt, außerdem darf er keine Gottesdienste mehr leiten und nicht mehr predigen. Auch Beichten darf er nicht mehr abnehmen. Genn hat Zurkuhlen in den Ruhestand versetzt und die Bezüge gekürzt. Außerdem erwartet der Bischof von ihm eine „glaubhafte schriftliche Entschuldigung“ gegenüber den Betroffenen, der Gemeinde, den Kolleginnen und Kollegen und allen Menschen, die er verletzt hat.

„Sie sehen mich hier heute wirklich fassungslos“, sagt der Bischof bei seiner Stellungnahme. Dass ein Priester bei alldem, was man inzwischen über sexuellen Missbrauch, über Täterstrategien und das Leid der Opfer wisse, hingehe, und solche Äußerungen tätige, sei unfassbar. Damit schlage er den Betroffenen „mitten ins Gesicht“. Vergebung, auch das sagt Genn, sei ein zentrales Thema des Glaubens. Entscheidend sei aber, wie man das mache: „Man kann und darf von Opfern niemals Vergebung verlangen, Vergebung ist immer ein Geschenk, auf das ich kein Anrecht habe.“

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