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Reizthema Taufe: Start für ein Leben mit Jesus

Sollte die Taufe am Anfang eines neuen Lebens mit Jesus stehen? Oder ist sie Teil des christlichen Reifungsprozesses? Für FeG-Pastor Raphael Vach ist sie das „zentrale Startpaket“.

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Taufe war für mich lange kein Thema. Warum auch? Sie kam in meinem Leben nicht vor. Sie spielte, zumindest in meiner Wahrnehmung, in meiner freikirchlichen Gemeinde keine Rolle. Sie war ein Randthema, welches für mich erst ins Zentrum rückte, als das neue Gemeindehaus ein Taufbecken erhielt. Da war sie, die Taufe. Da kam der Taufauftrag Jesu in den Blick. Da folgte ich. Durchaus aus Überzeugung. Durchaus mit Freuden.
Trotzdem: Erst seit einigen Jahren ziert mein Taufdatum jeden meiner Taschenkalender. Langsam nur ist die Taufe von einem Event in meiner Jugend, von einer Randnotiz meiner Vergangenheit in das Zentrum meines Heute gerutscht. Sie ist mir zu einem Startpaket für ein ganzes Leben mit Jesus geworden: Es gilt, dieses auszupacken.

Taufe – ein Randthema?

Mittlerweile hat mich die Kirchengeschichte gelehrt, warum die Taufe immer noch hier und da ein Schattendasein führt, warum sie in Abgrenzung zu den Großkirchen und den Baptisten an den Rand des Bewusstseins rutschte. In den freien Gemeinden steht das Leben mit Jesus im Zentrum, ihm zu glauben und nachzufolgen. Dahin aber gehört nach der Bibel auch die Taufe.

Doch auch in der Bibel erscheint die Taufe auf den ersten Blick als randständig. Die Taufe wirkt wie ein Anhängsel am Ende der Evangelien (Matthäus 28,18-20, Markus 16,15f). Manche kommen gar ganz ohne Taufauftrag aus. Jesus hat jedenfalls nicht getauft (Johannes 4,2). Doch der Eindruck täuscht. Der zweite Blick befördert eine andere Beobachtung über die Taufe an den Tag. Da, wo von ihr die Rede ist, wird von ihr mit großer Selbstverständlichkeit als Antwort des Menschen auf das Evangelium gesprochen (Markus 16,15f; Apostelgeschichte 2,37f). Sich taufen zu lassen kann dabei geradezu zum Ersatzbegriff für „Jünger machen“ werden (Matthäus 28,18f, Johannes 4,1f). Die Taufe erscheint als etwas, das keinem Glaubenden fehlt und doch nicht als Zusatz gilt (Markus 16,16).

Dieser Spur folgend stellt man zum einen fest, dass die ganze öffentliche Sendung Jesu (Apostelgeschichte 2,21f) von seiner Taufe und seinem „Taufbefehl“ umschlossen ist. (Matthäus 3,13-17; 18,18-20). Zum anderen entdeckt man, dass die Taufe als Ereignis sowohl für Jesus als auch für seine Jünger den Startpunkt eines neuen Lebensabschnittes bildet.

Startpaket für ein Leben mit Jesus

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Eine letzte Tiefenbohrung im Blick auf die Taufe ermöglicht das Jesuswort „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Matthäus 28,19f). Die Taufe ist hier nicht irgendetwas unter all dem, was den zukünftigen Jüngern Jesu erst zu halten gelehrt werden soll, sondern die Taufe ist das eine, ohne das Jüngerschaft von Anfang an nicht sein soll (Matthäus 28,19f). Warum? In ihr, so werden wir entdecken, sind nämlich alle Dimensionen der Jüngerschaft enthalten. Sie ist eben jenes Startpaket, das im Leben mit Jesus zu entfalten ist.

Entsprechend ist es kein Zufall, wenn der Apostel Paulus von einem Getauften wie Jesus von einem Jünger reden kann. Es ist jemand, der sein Kreuz auf sich genommen hat (Lukas 14,27), der mit Jesus gekreuzigt wurde (Römer 6,6). Für die Zugehörigkeit zu Jesus zählt: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird‘s verlieren und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird‘s erhalten“ (Markus 8,34f). Die Taufe drückt diese Zugehörigkeit aus. Sie bezeugt diese Lebenswende, ja, das Ende des alten und den Beginn des neuen Lebens. Sie ist das Begräbnis des alten Menschen (Römer 6,4). Zugleich ist sie offizieller Startpunkt für ein Leben mit Jesus: Für Paulus ist sie das Startpaket, auf das man zurückgreifen kann (Römer 6,1), um Jüngerschaft mit allen Dimensionen zu entfalten.

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Abschließend: Da die Taufe mit dem ganzen Leben Jesu verbindet, wird nun auch verständlich, warum erst der Auferstandene sie einsetzt. An die Stelle des Rufes Jesu zu Umkehr und Nachfolge zu seinen Lebzeiten tritt der Ruf seiner Jünger zu Umkehr und Taufe auf seinen Namen. Die Taufe ist das große Anfangsgeschenk an den Nachfolger Jesu. Sie entfaltet aber ihren Gewinn nicht nur am Anfang des Glaubens. Doch ist jedem, der zum Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, gekommen ist (Apostelgeschichte 8,37), Mut zu machen, nicht mit seiner Taufe zu warten. „Was zögerst du? Steh auf […] und lass dich taufen“, bekommt der bekehrte Saulus zu hören (Apostelgeschichte 22,16). Taufe ist nicht etwas für Bewährte im Glauben, sondern um sich zu bewähren im Glauben. Sie zu verschmähen ist daher Hochmut.

Dimensionen der Jüngerschaft

Packen wir die Taufe, das Startpaket für ein neues Leben, aus, entdecken wir die Jüngerschaft in all ihren Dimensionen. Eine kleine Auswahl:

1. In der Taufe stelle ich mein Leben bewusst unter das Gericht Gottes und bekenne, dass mein Leben in die falsche Richtung gegangen ist. Wenn die christliche Taufe Zeichen der Umkehr ist (Apostelgeschichte 2,38), nimmt sie die Umkehrtaufe des Johannes bewusst in sich auf (Matthäus 3,1-12). Bildlich gesprochen geht das alte Leben in den Gerichtsfluten unter und stirbt. Dies kann, wie die Taufe Jesu zeigt, nur in Solidarität, nicht aber in Abhebung von den Sündern geschehen (Matthäus 3,15).

2. In dieser Solidarität Jesu mit den Sündern bei seiner eigenen Taufe zeigt sich schon, was am Kreuz umfassend deutlich wird. Johannes der Täufer bringt es auf den Punkt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Wer getauft ist, kann glauben: So wahr ich getauft bin, so wahr hat Jesus „ein für allemal“ (Römer 6,10) meine Sünde am Kreuz getragen. Wie elend es auch um mich bestellt sein mag, die Arme des Vaters sind immer offen. Nichts kann mich von Gottes Liebe trennen, niemals stößt mich Jesus von sich. Seine Gnade genügt. Auch wenn die Taufe damit keine Himmelsgarantie ist (1. Korinther 10,1-5), so vergewissert sie doch den Glaubenden die Vergebung Gottes (Apostelgeschichte 2,38). Täuflinge erfahren, was Jesus bei seiner Taufe erfährt: Du bist mein geliebtes Kind (Matthäus 3,17) und bleibst es auch, wenn der Teufel versucht, diese Kindschaft an Bedingungen zu knüpfen (Matthäus 4,3.6). Somit ist die Taufe die Befreiung in der Anfechtung. Sie lenkt unseren Blick auf unsern Retter, Jesus. In Taufe begegnet einem folglich Anspruch und Zuspruch Gottes. Sie ist mehr als ein Ja Gottes, ein „Du bist OK“, dem ich mein kleines Ja entgegensetze.

3. Weiter ist Taufe keine Privatangelegenheit zwischen mir und Jesus. Ich werde getauft, und zwar von meiner neuen Familie, der Gemeinde Jesu. Entsprechend Jesus ruft sie den Einzelnen aus der alten Familie heraus und führt ihn in die neue, die Jesu Willen tut (Markus 3,35; Lukas14,26). In Solidarität mit dem Täufling bittet sie Gott, dass er diesem Vergebungsgewissheit schenkt (1. Petrus 3,21) und bestärkt ihn somit auf seinem Weg. Wie die Johannestaufe, so macht auch die christliche Taufe deutlich, dass nicht mehr Beschneidung oder andere gegebene Merkmale über Zugehörigkeit zu Gott entscheiden (vgl. die Abrahamskindschaft in Matthäus 3,9 und Galater 3,26-29), sondern wer Glaube und Umkehr erfahren hat, ist willkommen (Apostelgeschichte 8,37; 10,47). Das aber sind alles Gottes Gaben (Apostelgeschichte 11,17-18; Epheser 2,8). Wer getauft ist, wird von Gott zu seiner weltweiten als auch lokalen Gemeinde „hinzugefügt“ (Apostelgeschichte 2,47), ist in den Leib Christi getauft (1. Korinther 12,13). Die Taufe ist geradezu die Anerkennung der Gemeindezugehörigkeit (Apostelgeschichte 16,15). Die Freude und das Fest der Taufe sollten folglich ihren ersten Platz in der Gemeinde haben.

4. Wie die Jüngerschaft stellt auch die Taufe den Menschen nicht nur in die Beziehung zu Jesus, sondern in seine Gemeinschaft und seine Sendung (Markus 3,14). Der Heilige Geist, den die Taufe verheißt (Apostelgeschichte 2,38, Titus 3,5), befähigt den Christen zu seinem Zeugendienst in der Welt (Apostelgeschichte 1,7). Deshalb nur kann Paulus Christen in Erinnerung an ihre Taufe (Römer 6) zu einem neuen Lebenswandel aufrufen.

5. Dieses neue Leben kann von Anfang an kein verborgener Glaube sein. Das steht dem Glauben an Jesus entgegen (Matthäus 10,32f). Es ist daher nicht überraschend, dass die Taufe und ihr Bekenntnis von Anfang an für Täufling und Gemeinde bedeutsam waren (Apostelgeschichte 8,37; 10,48). Auch hier gilt Römer 10,9: „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ Gerade auch in schwierigen äußeren Umständen kann die Taufe dabei für den Täufling ein befreiender Schritt aus dem Alten heraus sein. Klar ist damit auch, dass die Taufe Antwort auf das Evangelium ist. Sie ist die erste Tat des Bekehrten (Apostelgeschichte 2,36), zugleich aber niemals ohne Evangelium, nie aus eigener Kraft (1. Korinther 12,3).

Die Taufe ist das Startpaket für ein neues Leben. Im besten Fall steht die Taufe deshalb am Start des Christseins. In ihr werden alle Weichen gestellt, damit die, die mit Jesus gestorben sind, auch mit ihm einst auferweckt werden. Die Taufe blickt somit auch auf unsere Zukunft. Sie blickt auf den Auferstandenen. Nur auf ihn gilt es in der Jüngerschaft zu blicken (Lukas 9,62). Jüngerschaft und Taufe gehören zusammen. Darum gehört die Taufe auch ins Zentrum der Gemeinde. Sie gehört nicht nur irgendwie zu Jesus. Sie ist das Startpaket für ein ganzes Leben mit ihm.


Diesen Artikel schrieb Raphael Vach, Pastor der FeG Frankenbach, zuerst für das Magazin Christsein Heute. Christsein Heute ist das Magazin des Bunds Freier evangelischer Gemeinden (FeG). Es wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört. 

 

 

 

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