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Wo Gott wohnt: Heimat im eigenen Herzen finden

Wie findet man zurück, wenn man sich selbst verloren hat? Innerlich heimatlos ist? Kirchenpionierin Daniela Mailänder hat sich auf die Suche gemacht und dabei auch Gott gefunden.

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Von Daniela Mailänder

Die Ordensschwester sieht mich eindringlich an und sagt: „Du hast deine Heimat verloren!“ Ich hatte sie um ein Gespräch gebeten, um einmal alles loszuwerden. Es ist Sommer und der Raum klein und stickig. Sie spricht unbeirrt weiter: „Du hast dich selbst verloren! Du bist nicht in dir zu Hause!“ Am liebsten wäre ich der guten Dame ins Gesicht gesprungen. Stattdessen stehe ich auf, um zu gehen. Schließlich hatte ich sie um ein Gespräch gebeten und nicht um eine absurde Unterstellung.

Heimatlos

Auf dem Weg zur Tür denke ich an meine iranische Freundin Hengameh. In ihrem Heimatland ist sie zum christlichen Glauben gekommen. Dann musste sie fliehen und alles hinter sich lassen. Sie hat ihre Heimat verloren. Oder Claudia. Ihre Mutter hatte Töchter und Ehemann verlassen, als Claudia sieben war. Drei Jahre später starb ihr Vater an Krebs und sie wuchs bei dem Exmann ihrer leiblichen Mutter auf. Auch sie hat keine Heimat.

Aber ich? Ich soll heimatlos sein? Allerdings: So richtig sagen, was mit mir los ist, kann ich nicht. Ich lasse mich also wieder in den braunen, muffigen Sessel im Zimmer der Ordensschwester fallen und atme durch. Vielleicht ist doch etwas dran. Vielleicht hat dieses Getriebensein, die Unruhe, die Fragen etwas mit dem Thema „Heimat“ zu tun. Die Heimat, die ich verloren habe, war irgendwie anders. Tiefer. Innen drin. Es ist dieses übermächtige Gefühl, auf dem falschen Weg zu sein. Das Gefühl, dauernd etwas zu verpassen. Das Gefühl, nicht am rechten Platz zu sein. Darum bin ich ins Kloster gefahren – um zu schreien und zu heulen. Im Wald. In der Kapelle. Bis ich schließlich in einem muffigen Sessel in diesem viel zu warmen Zimmer landete. Und ich beginne zu glauben, dass die Ordensschwester recht haben könnte.

Geruch, Geschmack, Geräusch

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„Du bist nicht in dir zu Hause!“ Dieser Satz lässt mir keine Ruhe. Die nächsten Tage und Wochen denke ich nach und frage mich: Falls ich mein Zuhause verloren haben sollte, was um alles in der Welt bedeutete dann „Heimat“?

Es gibt wohl keine eindeutige Begriffsbestimmung für das Wort. Mir kommen Bilder, Gerüche, Geräusche, Geschmäcker und vertraute Stimmen in den Kopf. Schon allein das Knarren des Gartentores, die Biegungen an der Straße und der Geruch von reifen Äpfeln erinnern mich an mein Zuhause. Heimat ist der Rhythmus der Stadt. Den Takt geben die Straßenbahn und das Klappern der Rollläden am Abend vor. Heimat ist, mit meinen besten Freunden zum Tanzen zu gehen. Heimat ist, wenn ich mit meinem Mann bei Sonne und Schnee auf einem Gipfel stehe und wir die Skier ans Gipfelkreuz lehnen. Heimat ist die Kollegin, der Kletterpartner und der Vereinskamerad. Heimat ist mehr als nur ein Ort auf der Landkarte. Sie ist Identität, Selbstverständlichkeit, Sprache, Rhythmus, Ritual, Sicherheit, Beziehung, Zugehörigkeit, Wissen, Vertrautheit, Sinnlichkeit, Ruhe und Farbe im Leben. Und genau das alles hatte ich offensichtlich verloren. Ich war zur Heimatlosen geworden. Innen drin.

Verloren in der Tiefe des Wesens

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Immer noch in der kleinen Kammer bei der Ordensschwester will ich wissen: „Was ist das Innen drin – das Herz?“ Mal abgesehen von dem Organ, das Blut durch den Körper pumpt. Was ist das Herz in der anderen, der weiteren Hinsicht? Wie kann man dort die Heimat verlieren?

Sie wiegt ihren Kopf hin und her: „Dein Herz ist die Tiefe deines Wesens. Wir leben aus dieser Tiefe. Was dein Herz prägt, das prägt dich. Wie du mit deinem Herzen umgehst, entscheidet über alles andere: dein Handeln, Denken, Fühlen und Wollen. Dein Herz hat Einfluss auf deine Seele und sogar auf deinen Körper.“ Das Herz ist also der „geistliche Kern“, der Mittelpunkt. Was in unserem Herzen ist, das hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wer wir sind und was aus uns wird.

Die weisen hebräischen Denker sehen im Herz den Sitz der Gefühle, das Wohnzimmer der Vernunft und das Schlafzimmer des Wünschens und Wollens. Wie es um mein Herz bestellt ist, prägt alles an mir: Identität, Charakter, Persönlichkeit. Mein Herz bin im tiefsten Wesen ich selbst. Der Gedanke, dass ich die Heimat in meinem eigenen Herzen verloren habe, trifft mich jetzt umso härter. Ich war zu einem Flüchtling geworden. Zu einem Herzensflüchtling.

Unterwegs als Herzensflüchtling

Wie findet man zurück in seine Heimat? Wie findet man eine neue Herzensbleibe? Wo fängt man so eine Reise an? Nehmen wir mal an, dass diese Reise etwas mit Gott zu tun hat. Wo hat der eigentlich seine Heimat? Fromm ist schnell gesagt: „Dort, wo man ihn einlädt.“ Schon. Aber wenn ich mir die biblischen Geschichten anschaue, dann erscheint es mir manchmal so, als ob Gott selbst heimatlos wäre. Ist Gott ein Flüchtling? Das vielleicht nicht gerade. Aber ist nicht auch er auf der Suche nach einem Zuhause? Ist er angekommen? Wo hat er Heimat gefunden? Treibt ihn nicht auch diese gewaltige Sehnsucht, die ihn unruhig macht und ihn bewegt?

Heimatloser Gott?

Am Anfang bewegt sich der Geist Gottes auf dem Wasser. Es ist finster, leer und wüst – und einsam (1. Mose 1,1-2). Gott schafft sich auf der Welt Heimat. Für sich. Und für Menschen. Gottes Heimatsuche ist untrennbar mit der Suche des Menschen verbunden. Er ist ein Gott, der in Bewegung ist. Ein Nomadengott. Ein Wandergott. Ein Gott, der zwischen Himmel und Erde auf einer Leiter klettert (1. Mose 28).

Während seiner Zeit auf der Erde hat er weder ein Kopfkissen noch einen festen Platz zum Schlafen (Lukas 9,58). Es ist der Gott, der in seine eigene Heimat kommt und dort weder erkannt noch aufgenommen wird (Johannes 1,11). Der stirbt für die Sehnsucht, ein Zuhause bei den Menschen zu haben. Er ist der heimatlose Gott. Der an unbequeme Orte kommt (1. Mose 28,10-22). Gott schreibt Geschichte mit einem Wandervolk. Er erinnert Abraham an das Große: „Ich bin es, der bei dir ist! Bei mir ist Heimat! Bei aller Einsamkeit: Ich bin dein Zuhause.“ Deshalb wandert er mit. Mit dem Flüchtling Abraham. Seinen Enkeln. Und seinen Ururururenkeln und deren Kindern. Irgendwann auf der großen Flucht heraus aus Ägypten beginnt das Volk der zwölf Stämme eine Wohnung für Gott zu bauen (2. Mose 40). Er soll ein sichtbares Zuhause bei ihnen haben. Und Gott selbst gibt die Bauanleitung. In einem tragbaren, auf- und abbaubaren Zelt will er wohnen! Die Völker um die Nomaden herum haben Tempel, Standbilder und große Heiligtümer. Der heimatlose Gott JHWH hingegen wohnt im Zelt! Seine Heimat ist beweglich. „Die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung“ (2. Mose 40,34). Durch die großen Storys der Bibel zieht sich die Geschichte des heimatlosen Gottes, der den Menschen nachzieht: 2. Samuel 7,11 ff., 1. Könige 8,12 ff.; Hesekiel 1. Er sehnt sich nach Heimat bei den Menschen.

Das Zuhause Gottes

Wo wird die Sehnsucht des heimatlosen Gottes gestillt? Wo kennt er sich aus? Wo ist das Wohnzimmer Gottes? Klar, uns fällt sofort der Himmel ein: golden, prunkvoll, erhaben. Und weit weg. Aber: Kurz bevor Jesus ermordet wird, verspricht er seinen Gefährten: „Ich will euch nicht als Heimatlose zurücklassen. Ich komme wieder zurück“ (Johannes 14,18). Er sagt: „Ich und der Vater werden Wohnung nehmen in euch“ (Johannes 14,23 b). Die Wahrheit ist einfach, weise und tief: Gott hat unser Herz dafür gemacht, eine Wohnung zu sein. Unsere Herzen wurden dafür geschaffen, Gottes Heimat auf dieser Erde zu sein. Der heimatlose Gott findet in uns sein Zuhause. (Apostelgeschichte 17,27-28). Und trotzdem ist uns das oft nicht bewusst.

Paulus beschreibt es so: „Diese Botschaft war in der Vergangenheit über viele Jahrhunderte und viele Generationen hinweg wie ein Geheimnis verborgen; jetzt aber wurde es denen enthüllt, die zu ihm gehören. Und das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch! Darin liegt eure Hoffnung: Ihr werdet an seiner Herrlichkeit teilhaben“ (Kolosser 1,26-27).

Es erfordert ein Umdenken: Denn, wenn ich einfach nur „an Gott“ glaube, dann könnte er ja außerhalb von mir wohnen. Dann ist er ein „Gegenüber“. Dann versuche ich zu ihm zu kommen und irgendwie zu ihm durchzudringen. Genau das haben Menschen Jahrtausende lang gemacht – und es ist ihnen mal mehr, mal weniger gelungen. Der Clou ist, dass er in uns wohnt. Er ist mir nicht nur nahe, sondern er ist das Tiefste in mir. Er prägt und bestimmt mein Wesen. Er ist mir näher, als ich es mir selbst bin. Das verspricht Jesus (Johannes 20,21) und er betet sogar dafür (Johannes 17,11).

Dort, in deinem Herzen, begegnest du dem heimatlosen Gott. Da hat er Heimat gefunden. Er sehnt sich danach, dass du in deinem Herzen genauso zu Hause bist wie er. Es ist der Ort, an dem ich selbstverständlich mit Gott Gemeinschaft haben kann. Weil er dort wohnt. Mein Herz ist das Vaterland Gottes. Oft stelle ich mir ganz bildlich vor, dass ich mit Gott in meinem Herz spazieren gehe. So wie Adam und Eva das im Garten des Anfangs auch getan haben.

Es geht letztlich darum, dass ich einen Weg zu mir selbst finde. Weil dort mein Innerstes zu Hause ist. Und Gott dort auf mich wartet. Darin liegt der tiefe Sinn dieser alten Worte: „Nicht mehr ich bin es, der lebt, nein, Christus lebt in mir“ (Galater 2,20).


Diesen Artikel schrieb Daniela Mailänder zuerst für das Magazin DRAN. DRAN erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

 

 

 

Über die Suche nach der Herzensheimat hat Daniela Mailänder auch ein Buch geschrieben: „Herzheimat. Dort ankommen, wo Gott auf dich wartet“, ist im SCM R. Brockhaus Verlag erschienen. 

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2 KOMMENTARE

  1. Gott wohnt in meinem Herzen

    Gott wohnt in meinem Herzen – dies ist Heimat für mich. Wie findet man zurück in seine Heimat? Wie findet man eine neue Herzensbleibe? Wo fängt man so eine Reise an? Daniela Mailänder stellt die richtigen Fragen und gibt zielführende Antworten. Auch die beschriebenen vertrauten Gerüche, knarrende Türen oder klappernde Rolläden – natürlich bekannte Stimmen – beschreiben das Umfeld meines Lebens als Heimat. Wo ich mich auskenne. Dies habe ich existenziell erfahren, als ich Mitte der 1950er Jahre als Kindergartenkind in unserem kleinen Stadtkrankenhaus lag, 6 Wochen lang, von den Mandeln bis zum Blinddarm wurde alles bereinigt. Ich hörte aus meinem Kinderbett Geräusche, die fast so klangen wie zuhause, wenn etwa Türen die geschlagen wurden, aber es hörte sich fast so, aber eben nicht vollständig. So fühlte ich mich fremd, ein Stückweit verlassen und dieses Ur-Kindheitserlebnis ist so fundamental, dass es in verschiedenen Spielweisen nach fast 70 Jahren immer noch in meinen Träumen aufgeführt wird. Heute ist Gott meine Heimat und schon im Voraus kann ich sagen, er hat (eigentlich) mich gefunden. Angefangen wurde meine Reise im Kindergottesdienst und selbst in der Pubertät ging ich sonntags oft in den Erwachsenengottesdienst, fast ein Fremdling, denn da sas in den Bänken in der Adenauerzeit ein wenig Mittelalter, noch weniger Frauen (die zuhause kochten) und überwiegend ältere und alte Männer. Heute bin ich selbst bereits alt. In der Pubertät hatte ich aus einem Anlass, der aus meinem Gedächtnis verschwunden ist, wohl aus großem seelisches Tiefgang, regelrecht in den Himmel hinein gerufen: „Wenn es dich Gott wirklich gibt, dann antwortete mir“! Dann geschah das Wunder, er antwortete. Damals in einer Nacht hatte ich einen Asthmaanfall, bekam keine Luft mehr und betete. Da hatte ich eine unbeschreiblich intensive und kaum beschreibbare innere Begegnung wie mit einem großen Licht, das Wärme und Liebe ausstrahlte und mich innerlich in meiner Seele umarmte. Instinktiv wusste ich, dass es Gott war. Danach habe ich dies sofort wieder verdrängt. Wenige Tage später machten Jugendliche Zufallsbesuche bei anderen jungen Leuten und mir, um in den Jugendkreis der Gemeinde einzuladen. Ich ging tatsächlich hin, fand nun wirklich eine Heimat in meiner Ev. Kirchengemeinde, wuchs in den Glauben als einem großen Vertrauen hinein, erlebte wunderbare Gemeinschaft und so wurde ich auch ein praktizierender Christ. Dass Gott wirklich auf Gebet antwortet, ist meine Glaubenserfahrung. Er ist meine Heimat und so darf er als Jesus Christus in meiner Seele wohnen und der Heilige Geist mich trösten. Allerdings habe ich ihn auch ausgesperrt, den Schlüssel rumgedreht und mich aus dem Lichtkreis Gottes entfernt. Aber Gott ist wie der Vater (oder die Mutter) beim Verlorenen Sohn. Manchmal auch der gute Hirte, der die 99 Schafe verlässt, um mich unter den Dornen zu finden, auf seine Schultern zu laden und heimzutragen. Dann habe ich überhaupt keinen Anteil an meiner Heiligung. Gott ist immer größer als wir denken. Er liebt mich und alle Menschen, die je gelebt haben, wirklich unendlich. Seine Barmherzigkeit ist stets ohne jegliche Vorbedingungen. Denn wahre und damit göttliche Liebe kann niemand kaufen oder sich erarbeiten, sie ist immer ein Geschenk. Mein Leben ist ein Geschenk und ich bin zuhause bei Gott. Christlicher Glaube ist Beziehung, Dogmen sind manchmal nur hilfreiche Geländer wie etwa auch die 10 Gebote. Aber Jesus nicht nur zu gehorchen, sondern ihn zu lieben, macht das Gesetz Gottes zur Gnade.

  2. Ich danke Dir, Daniela, für diesen Beitrag, es spiegelt das wieder, was ich schon lange im Herzen bewege. Einst fragte ich JESUS, wie denn die Menschen da draußen zu IHM finden können. Daraufhin antwortete ER: „ICH habe meine Gebote auf ihre Herzwand geschrieben; Ewigkeit in ihren Herzen und ein geheimer Ort, an dem ich auf sie warte!“ Gerade junge Leute sind so offen für die beste gute Nachricht in unsrer Welt.
    Liebe Grüße Ulrike Fassnacht Augsburg

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