Deutsche und US-Theologen protestieren in einem offenen Brief dagegen, dass christliche Nationalisten in den USA den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer für ihre Zwecke instrumentalisieren.
Dietrich Bonhoeffers Leben und Werk würden in diesem Milieu der USA zunehmend dazu benutzt, politische Gewalt zu legitimieren, heißt es in dem offenen Brief, den die ZEIT am heutigen Donnerstag veröffentlicht. Unterzeichnet ist der Brief unter anderen von den beiden ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber und Heinrich Bedford-Strohm. Huber war als junger Theologe an einer Neuedition von Bonhoeffers Werk beteiligt.
Vor allem christliche Nationalisten behaupteten historisch falsche Gleichsetzungen zwischen der Gegenwart und dem totalitären NS-Regime und legitimierten so ihre zunehmende Gewaltbereitschaft. Im aktuellen, stark polarisierten Klima der Vereinigten Staaten sei das besonders gefährlich. Denn der Ausgang der Präsidentschaftswahl am 5. November könne eine noch nie da gewesene Welle der Gewalt nach sich ziehen, schreiben die Autoren. „Jeder Versuch, Dietrich Bonhoeffer und seinen Widerstand gegen Hitler als Legitimation für heutige politische Gewalt heranzuziehen, ist entschieden zurückzuweisen.“
Dietrich Bonhoeffer war ein deutscher evangelischer Theologe und Mitglied des militärischen und zivilen Widerstands gegen das NS-Regime. Als früher Gegner des Nationalsozialismus setzte er sich gegen die Verfolgung von Juden ein und war an den Attentatsplänen des 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler beteiligt. Bonhoeffer wurde schon 1943 verhaftet und 1945 wenige Tage vor Kriegsende im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Sein theologisches Werk umfasst akademische Schriften wie seine „Ethik“, aber auch Briefe und Gedichte über seine Haftzeit. Viele Menschen kennen sein Gedicht „Von guten Mächten“.
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Der Ungeist muss in Flasche zurück
Unseren Dietrich Bonhoeffer in den USA so zu vereinnahmen, widerspricht seiner Intension. Bonhoeffer gehörte in Deutschland bekanntlich zum (leider viel zu späten) Widerstand gegen Hitler. Und seine Bemerkung, man müsse notfalls mit seiner Hand auch in das sich drehende Wagenrad der Ereignisse greifen, hatte erstens damit zu tun: Dass er wusste, niemand könnte Widerstand gegen das Böse damals im Dritten Reich leisten, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen. Andererseits wusste er, dass ein solcher Widerstand gegen das System des Tausendjährigen Reiches niemals möglich ist, ohne sich selbst persönlich vor Gott schmutzige Hände zu machen. Mit allen seinen absurden und bereits überdeutlich doch krankhaften Äußerungen und seine kritiklosen Anhänger, gehört der unliebe Herr Trump nach Absurdistan und eher auf seine Golfplätze, oder so dann auch hinter schwedische Gardinen, wie vergleichsweise auch viele andere Täter. Aber Trumpisten auch noch mit einem Bonhoefferchen Heiligenschein zu versehen, ist purer Hohn und Unkenntnis. Bonhoeffer hatte den Heiligenschein für sich niemals beansprucht. Er hielt sich wie alle Christ:innen ebenso für einen Sünder wie jeder Mensch auf Erden, vom Konfirmanden, über den Kirchenpräsidenten bis zum Papst. Noch aber funktioniert auch in den USA allerdings der dortige Rechtsstaat, auch wenn ein US-höchstrichterliche Urteil doch lautet, jedem amerikanischen Präsidenten sei alles im Amt erlaubt. Nur wird man die Steinzeit-Republikaner nach dem Muster Trump in Amerika nicht mehr abschaffen können und dies sollte UNS IN DEUTSCHLAND darüber nachdenken lassen, doch über unser hiesiges Verbot der Rechtsradikalen noch viel ernsthafter und schnellstens nachzusinnen: Denn irgendwann kann man auch hier den Geist, der aus der Flasche geflohen ist, nicht mehr einfangen. Auch bei uns gibt es eine Krise der Demokratie, nur ist diese zu bewältigen, wenn man man sie nicht mehr mit einem Zuckerguss der Verharmlosung in einen sanften Wolf im Schafsfell umdeutet, der angeblich nur eine Protesterscheinung unzufriedener Bürger:innen ist: Der Ungeist muss wieder in die Flasche zurück. Aber wie soll das gehen in den USA, wenn vielleicht der zukünftige Präsident Trump über dem Gesetz steht und mit seiner tumpen Diplomatie unsere marode Weltgesellschaft samt Politik und Religion noch mehr durcheinander bringt? Hierzulande haben wir gerade noch Zeit, die undemokratischen Demagogen im Bundestag und den Landtagen unter die Lupe des sachkundigen BVG zu legen. Das wäre auch dann eine sinnvolle Maßnahme, weil man so nach legitimen Regeln die ‚Verantwortung abgibt. Wenn das BVG als Wächter unserer Verfassung dem Verbot nicht zustimmt, mag das die Rechtsradikalen freuen und deren Wähler auch, aber dann haben wir Klarheit, die wir jetzt niemals haben. Dass die politisch mehr Braunen als Schwarzen extrem rechts sich weitgehend bei uns nur rekruduieren aus unzufriedenen Bürger:innen, ist eben doch keine besonders glaubwürdige Erzählung eines Märchens, also nur ein Narrativ. Wie würde der alte Adenauer aus dem Himmel rufen: „Wir haben einen Abgrund an Rechtsradikalismus im Land“ und würde dann auch über den Großen Teich blicken. Das Wetter sagt politschen Sturm voraus und dies mag uns alle nicht freuen. Aber gegen politisches Wetter zu lamentieren nutzt nichts, es sei dann wird zu mutigeren Demokraten.
Theologen, die Bonhoeffer kirchlich vereinnahmt haben, protestieren gegen seine politische Vereinnahmung …
(Bonhoeffer erwartete, dass nach dem Zusammenbruch des 3, Reiches aus den Trümmern auch eine neue Art von Kirche entstehen würde, eine Art neutestamentliche Gemeinde.)