Susanne Ospelkaus: Auf Wiedersehen, Elias!

3

Wenn ein Mensch stirbt, ändert sich das Leben der Lebenden, brechen Fragen auf. Das gilt für Kinder vielleicht mehr als für Erwachsenen. Susanne Ospelkaus stand vor der Herausforderung, Tod und Ewigkeit ihren Kindern erklären zu müssen. Aus dieser Situation heraus entstand dieses Buch über die Libelle Elias.

Elias’ Geschichte ist zweigeteilt: Der erste Teil seines Lebens spielt im Wasser. Dort hatte er als Larve ein gutes, erfüllendes Leben voller Freude, Sinn und Leichtigkeit. Letztere wird jedoch durch eine Beobachtung und eine Frage gestört, das wie ein Hintergrundrauschen immer wieder dieses gute Leben durchbricht: Larven, auch die lieb gewonnenen, verschwinden, sind weg. Warum sind sie verschwunden? Und wohin? Aus diesen Fragen ergibt sich: Was ist dort oben, wo es kein Wasser geben soll, dort, wo das Licht ist?

Das erlebt Elias, denn auch seine Zeit als Larve ist begrenzt, er durchbricht die Wasseroberfläche Richtung Licht und ist nun eine Libelle. Sein Leben ist wunderbar, freudiger, farbenfroher als das als Larve. Dennoch vermisst er auch die anderen Larven, die er liebt, beobachtet sie und versucht Kontakt aufzunehmen, indem er mit seinen Flügel die Wasseroberfläche durchbrechen möchte. Das gelingt ihm nicht. Elias erhält keinen Kontakt.

Werbung

Die Stärke des Buches ist die Teilung des Lebenszyklus in zwei voneinander unabhängige Welten, die als ganz natürlich und selbstverständlich dargestellt wird. Positiv anzumerken ist die Darstellung beider Lebenszyklen als sehr lebensfroh. Die Illustrationen wirken angemessen: freudige Farben in Pastelltönen.

Eine Schwäche scheint mir im Bild des Elias zu liegen, der die Wasseroberfläche zu durchbrechen versucht, um in Kontakt mit den zurückgeblieben Larven zu kommen. Hier könnte die Frage auftauchen, wie wir mit den Verstorbenen in Kontakt treten können, wenn diese versuchen, mit uns in Kontakt zu treten und dies nicht schaffen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es für Kinder sehr wesentlich ist zu wissen, dass der geliebte Mensch nicht gehen, sondern bei ihm bleiben wollte, er aber gehen musste, dem Kind also keine Schuld trifft.

Es ist zu befürchten, dass durch dieses Bild ein neues Thema eröffnet wird: Sicherheit gewinnen durch Rückmeldung eines Verstorbenen. Dabei ist die Frage noch nicht gestellt worden, ob Gespräche mit Verstorbenen biblisch legitim sind und wenn ja, wie und wann. Hier wird deutlich: Das Buch ist eine Hilfe zum Gespräch über Tod und Ewigkeit mit Kindern, es ersetzt dieses nicht.

Von Björn Röhrer-Ertl

Leseprobe (PDF)

Verlag: SCM R.Brockhaus
ISBN: 978-3-417-28904-6
Seitenzahl: 40
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
5

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. In der Zusammenfassung steht, dass man man Kindern Leben, Tod und Ewigkeit nicht mit „Elias“ erklären kann. Warum nicht?

  2. Lieber Herr Röhrer-Ertl, gerne möchte ich meinen gestrigen Kommentar noch weiter ausführen. Ihre Rezension irritiert mich und möchte diese gerne verstehen. Ich habe das Bilderbuch selbst gelesen, bin Grundschul- und Religionslehrern. Persönliche komme ich zu einem anderen Fazit: Man kann sehr gut mit Kinder durch „Auf Wiedersehen, Elias!“ ins Gespräch kommen und die Themen Leben, Tod und Ewigkeit besprechen. Die Kinder identifizieren sich leicht mit dem lebensfrohen, abenteuerlustigen Elias. Andererseits können sie sich zu ihm distanzieren, da es sich um eine Libellenlarve und nicht um ein Kind als Hauptdarsteller handelt. Eben ein solches Distanzieren brauchen Kinder in Bezug auf einen heilsamen Trauerprozess immer wieder. (vgl.z.B. Fleck-Bohaumilitzky 2005). Daher interessiert es mich wirklich wie Sie zu ihrem Fazit gelangt sind? Herzliche Grüße T. Sauer

    • Liebe Frau Sauer, vielen Dank für Ihren Kommentar und ihre Nachfrage. Vermutlich war der erste Satz meiner Zusammenfassung etwas zu plakativ und zu verkürzend; das tut mir leid. Folgender Satz aus meiner Rezension gibt meine Ansicht hierzu gut wieder: „Das Buch ist eine Hilfe zum Gespräch über Tod und Ewigkeit mit Kindern, es ersetzt dieses nicht.“ Wer also die Erwartungshaltung besitzt: einmal vorlesen, weglegen, erledigt – wird enttäuscht werden, so meine Überzeugung. Aus meiner Erfahrung – ich musste 2019 mit meinen kleinen Kindern zu häufig an Gräber stehen – ist das Gespräch mit den Kindern ein sehr wesentliches Element für deren heilsamen Trauerprozess. Da stimme ich Ihnen zu. Hierfür ist das Buch sicherlich eine gute Hilfe. Ich habe die Vermutung, dass Sie und ich hier nicht allzuweit voneinander entfernt sind. Herzliche Grüße, Björn Röhrer-Ertl

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen ein