Valerie Riedesel: Geisterkinder – fünf Geschwister in Himmlers Sippenhaft

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Caesar von Hofacker, ein Cousin Stauffenbergs, war an den Plänen zum Umsturz Hitlers beteiligt. Nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 wurde er festgenommen und später hingerichtet. Das Regime war aber nicht zufrieden mit der Bestrafung der „Täter“, auch die Familien der am Anschlag Beteiligten wurden festgenommen und in Kinderheime, denn „bei der Blutrache wird ausgelöscht bis zum letzten Glied in der ganzen Sippe“.

In diesem Buch erzählt die Enkelin von Caesar von Hofacker, was das für seine Familie bedeutete. Seine fünf Kinder wurden getrennt. Die zwei Ältesten kamen mit der Mutter in wechselnde Gefängnisse und KZs. Auch wenn sie besser behandelt wurden als die meisten Häftlinge, litten sie unter Entbehrungen und Ungewissheit. Sie fragten sich, was mit ihnen geschehen sollte und wie es dem Rest der Familie ging. Als positiv erlebten sie die Zusammengehörigkeit mit anderen Widerstandskämpfern und ihren Familien.

Die drei jüngsten Kinder wurden in einem Kinderheim versteckt, daher der Titel des Buchs, „Geisterkinder“. Ihre Namen wurden geändert, sie sollten sich für ihre Väter schämen und ihre Herkunftsfamilien vergessen. Das Ziel war eine neue Identität als treue nationalsozialistische Bürger.

Obwohl viele historische Fakten einfließen, ist dieses Buch keineswegs eine trockene Dokumentation. Tagebucheinträge, vor allem der beiden Töchter Caesars, sind hier genauso zu finden wie Auszüge aus Briefen und Berichten. Der Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1943-1946, dabei wechselt die Erzählung immer wieder zwischen vier Erzählsträngen. Im Vordergrund steht das Erleben der beiden ältesten Kinder mit der Mutter, es wird berichtet wie den jüngeren Kindern erging, und was den Vater bewegte. Wichtige Hintergrundinformationen vervollständigen das Bild. Ein umfangreicher Informationsteil, mit Bildern, Stammbäumen, Namensregister, Quellenangaben und einer Karte ergänzen diesen wertvollen Bericht.

Besonders beeindruckend ist die feste Überzeugung Hofackers, dass er sich für das Richtige einsetzen muss, koste es was es wolle. Auch nach seiner Verhaftung steht er zu dieser Überzeugung, und möchte damit auch ein Vermächtnis hinterlassen. Die Nachwelt soll erfahren: Es gab Menschen, die mit diesem Unrechtstaat nicht einverstanden waren. In allem Entscheiden und Handeln ist er von seinem tiefen Glauben geprägt, und dieser Glaube trägt auch seine Familie durch das schwere Jahr der Ungewissheit und Trennung.

Von Marianne Müller

Verlag: SCM Hänssler
ISBN: 978-3-7751-5791-9
Seitenzahl: 416
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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