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Vielleicht ist Ihnen der Begriff „Hauskreis“ im kirchlichen Kontext schon mal begegnet. Vielleicht ging es aber auch um Kleingruppen, Minigruppen oder Sofagruppen. Christof Klenk erklärt, welche Idee dahinter steckt.

Es gibt Social-Media-Hasser und Leute mit eintausend Facebookfreunden, einsame Wölfe und Partylöwen, Vereinsmeier und Eigenbrötler, Intro- und Extrovertierte – doch in unterschiedlicher Ausprägung wohnt in allen die Sehnsucht nach menschlicher Gemeinschaft; die Sehnsucht danach, erkannt und geliebt zu werden. In der Bibel lesen wir, dass das vom Schöpfer durchaus so gedacht ist. Er schuf den Menschen als Beziehungswesen, als Mann und Frau, als sein Ebenbild. Das schlägt sich auch heute noch immer wieder in Umfragen nieder: Wenn nach den wichtigsten Dingen im Leben gefragt wird, dann tauchen Familie und Freundschaft ganz oben auf.

Die ersten Christen haben auf diese Sehnsucht reagiert: „Alle in der Gemeinde ließen sich regelmäßig von den Aposteln im Glauben unterweisen und lebten in enger Gemeinschaft, feierten das Abendmahl und beteten miteinander.“ Nachzulesen in Apostelgeschichte Kapitel 2, Vers 42. In dem Abschnitt wird auch erzählt, dass sich die Christen in den Häusern und im Tempel trafen, dass sie gemeinsam aßen und ihr Hab und Gut teilten. Die Gemeinschaft wirkte so attraktiv, dass ständig Neue dazu kamen und sich taufen ließen.

Austausch auf Augenhöhe

Christliche Kirchen und Gemeinden knüpfen an diese Versammlungen an, indem sie (meist) sonntags Gottesdienst feiern. Vielfach gibt es anschließend die Möglichkeit, sich bei einer Tasse noch zu begegnen und auszutauschen. Um sich näher kennenlernen, bietet der große Rahmen aber nicht immer die besten Möglichkeiten. In vielen Freien evangelischen Gemeinden, aber auch in anderen Kirchen gibt es deshalb zusätzlich auch noch kleinere Treffen unter der Woche, die sich Hauskreise, Kleingruppen, Bibelkreise, Glaubenskurse oder so ähnlich nennen.

Ziel dieser Versammlungen ist es, dass Menschen im kleineren Rahmen zusammenkommen können, sich über Gott und die Welt austauschen und Beziehungen knüpfen. Wichtig ist, dass sich jeder mit seinen Fragen und Sorgen, seinen Erfahrungen und Erkenntnissen einbringen kann und dass man voneinander lernt und profitiert. Solche Gruppen funktionieren ohne Pastor und festes Programm, weil sie vom Austausch auf Augenhöhe leben.

Passen wir zusammen?

In den Landeskirchen und Freikirchen sind Hauskreise die verbreitetste Form von Kleingruppen. Um diese Art soll es hier beispielhaft weiter gehen: In Hauskreisen liest man gemeinsam in der Bibel, spricht über die Abschnitte, erzählt aus dem eigenen Leben und betet miteinander. Es gibt auch Hauskreise, in denen man nochmals über das Predigtthema vom Sonntag spricht, in denen man zusammen isst, einige Kilometer walkt, Bücher liest oder Filme guckt.

Hauskreise finden meist in privaten Häusern und Wohnungen statt, aber es gibt auch welche, die sich in Gemeinderäumlichkeiten treffen oder (nicht so häufig) in Kneipen – und sich trotzdem Hauskreis nennen.

Nähere Informationen zu den Kleingruppen und Hauskreisen vor Ort finden Sie auf Gemeinde-Homepages oder Sie fragen einfach eine Pastorin oder einen Pastor in Ihrem Umfeld danach. Von dort werden Sie unter Umständen an eine Person weitergeleitet, die als Ansprechpartner zur Verfügung steht und das Zusammenspiel der kleinen Gruppen und Kreise koordiniert. Hauskreiskoordinatoren können Ihnen eine Gruppe vermitteln, wenn Sie sich gerne einmal einen so ein Treffen anschauen möchten. Sie können Ihnen auch sagen, welche Gruppe von der Mischung her passen könnte und wann sich wer wo trifft.

Einfach reinschneien

Ich möchte Ihnen Mut machen, mal einen Hauskreis oder eine andere geistliche Kleingruppe auszuprobieren. Es ist sicherlich manchmal nicht ganz leicht, an eine bestehende Gruppe anzudocken. Doch die meisten Hauskreise sind offen für neue Teilnehmer.

Besonders gut zum Ankommen eigenen sich so genannte Gemeindekampagnen. Das bedeutet, dass sich alle Gruppen der Gemeinde mit einem Thema oder einem Buch beschäftigen. Solche Kampagnen heißen beispielsweise „40 Tage Liebe in Aktion“ oder „Glaube am Montag“ und dauern sechs bis zehn Wochen. Im Rahmen von solchen Kampagnen bilden sich neue Kleingruppen, das heißt: alle Teilnehmer haben ähnliche Startbedingungen. Nach Ablauf der Aktion kann man sich in Sachen Kleingruppen wieder komplett neu orientieren.

Aber auch wenn gerade keine Kampagne geplant ist, gehen Sie kein großes Risiko ein, wenn Sie mal einen Hauskreis von innen anschauen. Solche Gruppen leben zwar davon, dass die Teilnehmer verbindlich und regelmäßig dabei sind, aber es wird Ihnen niemand verübeln, wenn Sie nach den ersten Treffen feststellen, dass es für Sie nicht ganz passt.

Vielleicht merken Sie aber auch, dass hier Leute mit den gleichen Fragen und Herausforderungen unterwegs sind, wie Sie. Allein schon diese Erfahrung kann sehr hilfreich sein. Vielleicht hat der eine oder andere auch Wege für sich gefunden, von denen auch die anderen profitieren können.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr erfrischend und belebend sein kann, wenn man sich nach einem langen Arbeitstag nochmals aufmacht und den Hauskreis besucht.

Klenk_ChristofChristof Klenk ist Redakteur im SCM Bundes-Verlag. Er leitet die Zeitschrift HauskreisMagazin.