Familie im Irak
Die vertriebenen irakischen Christen werden nach Einschätzung des Weltkirchenrates in naher Zukunft nicht in ihre Heimat zurückkehren. Trotz der sich abzeichnenden militärischen Niederlage der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ seien die Voraussetzungen für eine Neuansiedlung im Irak nicht gegeben, sagte der Internationale Direktor des Weltkirchenrates, Peter Prove, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Genf. Der Irak hat eine fast zweitausend Jahre alte christliche Tradition.
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Es bestehe sogar die große Gefahr, dass sich der Exodus fortsetze und die verbliebenen schätzungsweise 350.000 Christen das Land verlassen, betonte Prove.  Eine Rückkehr „vieler Christen nach Mossul scheint sehr unwahrscheinlich“, erklärte der Internationale Direktor. Die irakische Armee hatte im Juli den „Islamischen Staat“ in der früheren Millionenstadt Mossul, in der eine große christliche Gemeinde beheimatet war, besiegt.

Prove unterstrich, dass die Christen, aber auch Angehörige anderer vertriebenen Minderheiten, Sicherheitsgarantien des irakischen Staates erwarteten. „Die körperliche Unversehrtheit steht nach den Gräueltaten der Terrormilizen des ‚Islamischen Staates‘ im Mittelpunkt“, sagte Prove, der mehrmals mit Delegationen des Ökumenischen Rates der Kirchen den Irak besuchte. Jeder Mensch im Irak müsse „leben können ohne Angst vor Gewalt und Unterdrückung“.

Die Christen bräuchten auch rechtliche, soziale und wirtschaftliche Sicherheit im Irak, betonte der Lutheraner Prove. Christen und andere Minoritäten müssten gleichberechtigte Bürger sein, mit gleichen Chancen wie die muslimische Mehrheit. Der Direktor des Ökumenischen Rates der Kirchen befürchtet jedoch, dass der irakische Staat den Christen die nötigen Sicherheiten nicht geben kann.

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Vor der US-geführten Irak-Invasion im Jahr 2003 hatten nach Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Christen im Irak gelebt. Die Terrorkampagne des „Islamischen Staates“ gegen Christen und andere religiöse Minderheiten, die um das Jahr 2014 einsetzte, führte zu der Flucht Hunderttausender Menschen aus dem Land. Das Territorium des heutigen Irak gehört zu den frühesten Siedlungsgebieten der Christen. Im Ökumenischen Rat der Kirchen sind 350 Kirchen mit mehr als 500 Millionen Christen zusammengeschlossen.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Asyl ist ein wichtiges Schutzgut, welches auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene geregelt ist und gewährt wird. Es ist richtig, gut und notwendig.

    Was die Ausführung von Peter Prove betrifft, so ist das, was er wünscht nicht das, was sich mit der Gewährung von Asyl deckt. Zunächst gibt es da schon in der Formulierung Fehler. Wenn jemand der Asyl erhält, in sein wieder sicheres Heimatland zurückkehren kann, dann heißt und hieß das nie „Neuansiedlung“ sondern Reintegration. Dies ist nicht nur ein anderes Wort, sondern beinhaltet eine ganze Reihe von Hilfen, die die BRD den Menschen, die reintegriert werden. Das fängt mit der Qualifikation hier im Lande an und geht weiter über eine Jobsuche und Hilfen, sich in der Heimat wieder eine soziale Sicherheit aufzubauen. Hierfür gibt es in Deutschland Vereine, die von der Regierung bezahlt werden und die Reintegration vorbereiten. Desweiteren gibt es im Regelfall dort vor Ort Stiftungen, die ebenfalls von der deutschen Regierung bezahlt werden und die erste Zeit Zuschüsse für Miete, für die Arbeit, um sich selbstständig zu machen, zu zahlen. Eine lebenslange Sozialhilfe, wie in Deutschland ist es natürlich nicht.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass in Mossul die Lage nicht so stabil und sicher ist, dass man die Asylanten gegenwärtig zurückschicken kann. Ich kenne die Lage nicht. Im Normalfall ist ab jetzt die UNO zuständig, die ggf. auch Blauhelme in die Region schickt, oder andere wirkungsvolle Maßnahmen ergreift. Desweiteren ist die EU nicht ohne Einfluss und die BRD ebenfalls nicht. Schließlich fließen nicht nur Gelder in den Irak, sondern es gibt auch politische und geschäftliche Beziehungen.

    Die Verfassung im Irak räumt den Christen und Angehörigen anderer Religionen ein, gleichberechtigte Bürger zu sein. Der Irak ist in der inneren Führung ein schwacher Staat und bedarf hier unsere Unterstützung den eingeschlagenen demokratischen Weg weiter und auf dem richtigen Pfad zu gehen. Falsch wäre es, die Menschen, die im Irak potentiell bedroht sind, aus dem Land zu holen. Weil hier Prove vom Umsiedeln spricht, spricht er sich lapidar für eine Vernichtung von Kulturen, die es seit Jahrtausenden gibt aus. Auch das sollte man sich bei dieser Frage vor Augen halten. Hierfür war aber zu keinem Zeitpunkt das Asylrecht gegeben. Auch führt seine Ausführung dazu, dass in der Bevölkerung die Gewährung von Asyl weniger Akzeptanz hat. Er geht in die Richtung, die Asyl und Einwanderung vermengt. Diese ist aber getrennt.

    Die Menschen, die hier Asyl haben und ihre Gebiet wieder sicher ist, die sollen auch wieder in ihr sicheres Gebiet zurückkehren und machen somit Platz für Menschen, die auf der Flucht sind und tatsächlich Asyl brauchen.

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