Faszination Jesus
100 Fragen + Antworten zum Glauben
Jesus ABC
Abendmahl
Stell dir einen Abend in Jerusalem vor: Jesus sitzt mit seinen engsten Freunden um einen Tisch. Brot liegt bereit, Wein steht im Krug. Vermutlich feiern sie gerade das Passafest, und Jesus weiß, dass sein Tod nahe ist. Dann bricht er das Brot und sagt: „Nehmt und esst; das ist mein Leib.“ Danach reicht er den Becher: „Trinkt alle daraus. Denn das ist mein Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Matthäus 26,26–28).
Aus diesem Abend wurde eines der zentralen Zeichen des christlichen Glaubens. Bis heute erinnern Christen daran, wenn sie Brot und Wein miteinander teilen. Sie tun es, weil Jesus seine Freunde ausdrücklich aufforderte: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1. Korinther 11,24–25). Brot und Wein stehen für seine Hingabe und für die Versöhnung mit Gott, die er möglich machte.
Wie genau sich Christus in diesem Mahl gegenwärtig zeigt, verstehen die Kirchen unterschiedlich. Die katholische Kirche spricht von der Wandlung von Brot und Wein, die lutherischen Kirchen von der wirklichen Gegenwart Christi, die reformierten Kirchen von einer geistlichen Gegenwart. Gemeinsam ist allen: Am Tisch des Herrn ist jeder eingeladen, der sich nach Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen sehnt. Ein Mahl, das vor fast 2000 Jahren begann und bis heute Menschen zusammenbringt.
Auferstehung
Paulus bringt es auf den Punkt: „Ist aber Christus nicht auferweckt, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich“ (1. Korinther 15,14). Für ihn steht die Auferstehung im Zentrum. Er zählt Zeugen auf, unter ihnen Kephas, die Zwölf und „über fünfhundert Brüder auf einmal, von denen die meisten noch leben“ (1. Korinther 15,5–6). Wer nachfragen wollte, konnte es tun.
Auffällig ist, wer in den Evangelien zuerst am Grab steht: Frauen. In der damaligen Welt zählte ihr Zeugnis vor Gericht nicht viel. Viele Forscher sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Berichte nicht ausgedacht sind, denn wer eine Geschichte erfindet, wählt andere Zeugen. Ein Beweis ist das nicht, aber ein kluges Indiz.
Über das genaue Verständnis der Auferstehung ist auch unter Christen viel geschrieben, diskutiert und gestritten worden – und das nicht erst im Zeitalter der Aufklärung. Rational erschließen lässt sich die Auferstehung nicht. Die Bibel beschreibt die Auferstehung selbst nicht, sondern setzt sie als geschehen voraus. Für uns steht fest: Der Osterglaube ist nicht der Glaube an ein leeres Grab, sondern an den erstandenen Christus.
Aramäisch
„Talita kum“, „Mädchen, steh auf!“ So soll Jesus einem toten Mädchen zugerufen haben (Markus 5,41). Die Worte klingen fremd, denn sie sind Aramäisch, die Sprache, in der Jesus im Alltag sprach.
Aramäisch ist eine semitische Sprache, verwandt mit Hebräisch und Arabisch. Zur Zeit Jesu war es die Alltagssprache in Galiläa und Judäa, während Hebräisch vor allem in Schrift und Gottesdienst gebraucht wurde. Die Evangelien sind dagegen auf Griechisch überliefert, der Verkehrssprache des östlichen Mittelmeerraums.
Ab dem 7. Jahrhundert verdrängte das Arabische das Aramäische weitgehend. Bis heute sprechen kleine, oft christliche Gemeinschaften Nachfahren des alten Aramäisch, etwa das Chaldäisch-Neuaramäische im Irak. Diese Sprachen sind nicht identisch mit der Sprache Jesu, zeigen aber, wie lebendig das Aramäische geblieben ist. Wer die Worte hört, merkt: Jesus sprach nicht in einer fernen Gelehrtensprache, sondern in der Sprache des Alltags.
Bergpredigt
Die Bergpredigt gehört zu den bekanntesten Texten der Bibel. Sie steht im Matthäusevangelium, Kapitel 5 bis 7. Jesus sieht die Menschenmenge, steigt auf einen Berg und beginnt zu sprechen. Der Name erinnert an diesen Ort. Wo genau der Berg lag, verrät der Text nicht. Überliefert ist ein Hügel am Ufer des Sees Genezareth.
Die Rede beginnt mit den Seligpreisungen: „Selig sind die Armen im Geist…“. Jesus spricht Menschen Glück zu, die man sonst kaum glücklich nennen würde: Trauernde, Sanftmütige, Verfolgte. Es folgen die Antithesen („Ihr habt gehört… Ich aber sage euch…“), in denen Jesus die Gebote verschärft und verinnerlicht. Am Ende steht das Vaterunser, das Jesus seine Jünger zu beten lehrt.
Lukas überliefert eine verwandte Rede, die er auf einem ebenen Platz ansiedelt (Lk 6,17–49). Ob es sich um eine einzige Rede oder um eine Sammlung von Worten Jesu handelt, ist in der Forschung bis heute umstritten.
Bethlehem
Bethlehem liegt in den Hügeln Judäas, etwa acht bis zehn Kilometer südlich von Jerusalem. Schon im Alten Testament ist der Ort als Heimat König Davids bekannt. Der Prophet Micha kündigte um 700 vor Chr. an, dass der Herrscher Israels aus Bethlehem kommen werde.
Nach dem Lukasevangelium reisen Maria und Josef aus Nazareth dorthin, um sich dort in Steuerlisten eintragen zu lassen. Als sie ankommen, ist in der Herberge kein Platz mehr. Maria bringt ihren Sohn zur Welt und legt ihn in eine Krippe. Hirten hören die Botschaft der Engel und finden das Kind, wie es ihnen gesagt wurde.
Matthäus erzählt von Sterndeutern aus dem Osten, die einem Stern folgen und Jesus in einem Haus besuchen. Wann genau das geschah, bleibt offen.
Dass Gott in einfachen Verhältnissen zur Welt kommt und nicht im Glanz eines Palastes, ist für viele Christen bis heute ein Zeichen seiner Nähe zu den Menschen.
Barmherzigkeit
Barmherzigkeit heißt, das Leid anderer nicht zu übersehen, sondern sich ihm zuzuwenden: mit Mitgefühl und mit konkreter Hilfe. Jesus lebte das vor. Er setzte sich zu Zöllnern und Sündern an den Tisch, als die Frommen sich empörten, und stellte fest: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken (Markus 2,15–17).
In der Bergpredigt verspricht er: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ (Matthäus 5,7). Der Vers ist zuerst eine Zusage. Zur Einladung wird er, wenn man ihn mit dem Wort verbindet, barmherzig zu sein, wie der Vater barmherzig ist (Lukas 6,36).
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25–37) zeigt, wie das konkret aussieht: Ein Mann aus der verachteten Gruppe der Samariter kümmert sich um einen Verletzten am Straßenrand, während vermeintlich fromme Menschen vorübergehen. In Jesus zeigt sich ein Gott, der sich den Menschen zuwendet. Barmherzigkeit wirkt dabei nicht schwach. Sie heilt, verbindet und schenkt Hoffnung.
Christus
„Christus“ ist ein Titel und bedeutet „der Gesalbte“. Das griechische Wort übersetzt den hebräischen Begriff „Messias“. Salbung war im alten Israel das Zeichen, dass Gott einen Menschen für ein besonderes Amt bestimmt hatte, vor allem für Könige und Priester.
Im Neuen Testament wird Jesus in Caesarea Philippi erstmals von seinen Jüngern als Christus bekannt. Petrus sagt: „Du bist der Christus“ (Markus 8,29). Bei Matthäus fügt er hinzu: „der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16,16). Damit geht es um die Frage, wer Jesus ist.
Der Name „Jesus Christus“ findet sich bereits in den Evangelien, etwa im Anfang des Markusevangeliums (Markus 1,1). Nach Ostern wird er in den Briefen des Paulus zu einem festen Bekenntnis.
Credo
„Credo“ heißt auf Deutsch „Ich glaube“. Ein Credo ist ein Bekenntnis, in dem ein Mensch ausspricht, worauf er sein Leben gründet. Christinnen und Christen kennen verschiedene Glaubensbekenntnisse. Manche sind kurz, andere ausführlich. Manche beginnen mit „Ich glaube“, andere mit „Wir glauben“.
Die bekanntesten Bekenntnisse, das Apostolikum und das Nicäno-Konstantinopolitanum, stimmen im Kern überein. Gott ist der Vater und Schöpfer. Jesus Christus ist sein Sohn, der für uns gekreuzigt wurde. Der Heilige Geist ist der Herr und Lebensspender. So bekennen die Kirchen ihren gemeinsamen Glauben an den einen Gott in drei Personen.
Wer ein Credo spricht, bekennt sich zu einer Hoffnung, die über den eigenen Alltag hinausreicht.
Dornenkrone
In den vier Evangelien (Mt 27,29, Mk 15,17 und Joh 19,2) wird berichtet, dass die römischen Soldaten Jesus nach seiner Verurteilung schlugen, ihn als „König der Juden“ verspotteten und aus Verachtung eine Dornenkrone aufsetzten. Im Christentum wurde die Dornenkrone dagegen zu einem wichtigen Element der Passion Christi. In der Kunst wurde Jesus zunächst mit Königskrone oder Lorbeerkranz am Kreuz dargestellt. In der Gotik entwickelte sich dann die Dornenkrone zum Attribut des Gekreuzigten.
Diener
Jesus bezeichnet sich selbst als Diener – ein radikaler Gegensatz zu den Erwartungen vieler Juden an einen mächtigen Messias. Er sagt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um anderen zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele Menschen hinzugeben.“ (Markus 10,45). Damit macht er deutlich: Gott begegnet uns nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe.
Auch in seinen Gleichnissen lobt Jesus dienende Haltung, etwa im Gleichnis vom treuen Knecht (Lukas 12,35–38). Der Dienst an anderen ist für Jesus ein Ausdruck echter Nachfolge und gelebter Nächstenliebe.
Beim letzten Abendmahl wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße – eine Aufgabe, die sonst nur Sklaven verrichteten. Dann fordert er seine Nachfolger dazu auf, seinem Beispiel zu folgen und einander in Liebe und Demut zu dienen (Johannes 13,15).
Eltern
Die Eltern von Jesus hießen Maria und Josef. Er war Handwerker, sie zum Zeitpunkt der Geburt Jesu seine Verlobte. Über beide wird in der Bibel wenig berichtet. Klar ist: Die beiden wollten heiraten, als Maria plötzlich schwanger wurde. Josef musste annehmen, dass Maria fremdgegangen war und plante deshalb, sie zu verlassen. Doch es kam anders. Die Bibel berichtet, dass Josef einen Traum hatte, in dem ihm gesagt wurde, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger geworden sei. Für viele Menschen heute mag das unvorstellbar sein, doch für Josef war es überzeugend genug, um Maria nicht zu verlassen.
Einen Auftritt haben Maria und Josef noch in der Geschichte des 12-jährigen Jesus im Tempel (Lk. 2,41ff). Danach verliert sich die Spur seines Stiefvaters, Josef. Vielleicht lebte er auch schlicht nicht mehr, als Jesus erwachsen war. Maria wird noch einmal in Matthäus 12,46ff erwähnt: „Während Jesus noch zu den Leuten redete, kamen seine Mutter und seine Brüder zu ihm und wollten ihn sprechen. Jemand sagte zu Jesus: »Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen, sie möchten dich sprechen.« Jesus fragte: »Wer ist meine Mutter? Und wer sind meine Brüder?« Und er zeigte auf seine Jünger und sagte: »Diese Leute sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt, ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter!«“
Jesu Familie war nicht auf Gene beschränkt, sondern geöffnet auf die Gemeinsamkeiten des gemeinsamen Glaubens.
Emmaus
Zwei Jünger sind nach Jesu Tod enttäuscht auf dem Weg in den Ort Emmaus. Unterwegs gesellt sich Jesus zu ihnen, aber sie erkennen ihn nicht. Erst beim Brotbrechen gehen ihnen die Augen auf. Wo genau Emmaus lag, ist unbekannt - laut Lukas etwa 11 Kilometer entfernt von Jerusalem. Emmaus, was "warme Quelle" bedeutet, war zur Zeit Jesu ein häufiger Ortsname.
Evangelium
„Evangelium“ kommt aus dem Griechischen und heißt „gute Nachricht“. Gemeint ist zuerst die Botschaft, dass Gott den Menschen in Jesus Christus nahekommt. Später bezeichnet das Wort auch die vier Schriften, die davon erzählen: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Sie stehen am Anfang des Neuen Testaments.
Die Evangelien bezeugen Jesus als den verheißenen Retter. Sie erzählen von seinem Wirken, seinen Worten, seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung. Matthäus, Markus und Lukas ähneln sich stark, Johannes setzt eigene Akzente.
Wer die Evangelien liest, begegnet Menschen, deren Leben sich durch Jesus verändert. Gerade darin liegt ihre Kraft: Sie laden dazu ein, selbst zu prüfen, was diese Botschaft heute bedeutet.
Frauenbild
Der Status der Frau war zu der Zeit von Jesus je nach gesellschaftlichem Hintergrund sehr unterschiedlich. In der jüdischen Kultur war die Frau ein wertvoller Besitz des Mannes. Ihr wurde Ehrerbietung entgegengebracht. Seine Frau nicht gut zu behandelten, galt als schändlich. Aber sie gehörte im wahrsten Sinne des Wortes zum Hausstand des Mannes, wie Sklaven, Kühe und Möbel auch. Dementsprechend war die Frau zwar nicht rechtlos, aber doch in ihren Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt.
Jesus hob sich in seinem Umgang mit Frauen deutlich von dem Bild eines jüdischen Rabbiners seiner Zeit ab. Von einem solchen verlangte man Strenge und Traditionstreue. Beide Erwartungen ignorierte Jesus völlig. Zwar wählte sich Jesus nur Männer in den Kreis der „Zwölf“, also in die Apostelgruppe. Aber es befanden sich viele Frauen in seiner direkten Gefolgschaft und auch im engeren Kernteam. Jesus hatte keinerlei Skrupel, Frauen auf der Straße selbst auf persönliche Dinge anzusprechen und sich sogar von Huren, dem Abschaum der damaligen Gesellschaft, berühren zu lassen. Das war eigentlich unmöglich für einen jüdischen Mann, der etwas auf sich hielt.
Höhepunkt des veränderten Frauenbildes im Neuen Testament ist die Tatsache, dass es ausgerechnet Frauen sind, die das leere Grab entdecken und dem Auferstandenen als erste begegnen. Angesichts der völligen Wertlosigkeit weiblicher Zeugenaussagen ist dies höchst bemerkenswert.
Fußwaschung
Zur Zeit Jesu war es üblich, Gästen Wasser zum Füßewaschen bereitzustellen – in wohlhabenden Haushaten übernahmen dies Diener oder Sklaven. Die Fußwaschung galt als demütige Geste: Wer sie freiwillig ausführte, zeigte tiefe Ehrerbietung oder Liebe.
Beim letzten Abendmahl wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße (Johannes 13,1–17) – ein Zeichen seiner Demut und dienenden Liebe. Er fordert seine Nachfolger auf, ebenso zu handeln.
Auch Jesus erfährt Fußwaschung: In Lukas 7,36–50 wäscht eine sündige Frau seine Füße mit Tränen, trocknet sie mit ihrem Haar und salbt sie mit Öl. Ebenso salbt Maria, die Schwester von Lazarus, Jesu Füße und trocknet sie mit ihrem Haar (Johannes 12,1–8).
Fasten
Matthäus 4 erzählt, wie Jesus 40 Tage und 40 Nächte in der Wüste fastete. Es war unmittelbar nach seiner Taufe, aber noch vor seinen Reisen mit den Jüngern. In diesen 40 Tagen wurde Jesus dreimal vom Teufel versucht.
In der Bibel bezieht sich das Fasten immer auf den Verzicht von Nahrung. Es ist eine Zeit der Reflexion und der Verneinung des eigenen Willens. Durch den vertieften Fokus auf Gott, und nicht auf Essen, stärkt es die Gottesbeziehung und schafft Klarheit. Es dient zur Vorbereitung auf neue Aufgaben. So auch bei Jesus. In dieser körperlich anstrengenden Zeit ist er seinem Vater treu geblieben und hat den Versuchungen standgehalten.
Geburt
Das genaue Geburtsdatum Jesu kennen wir nicht. Die Evangelien nennen weder Tag noch Monat. Nach Matthäus 2 war Herodes König, als Jesus geboren wurde. Herodes starb vermutlich 4 v. Chr. Deshalb vermuten viele Forscher die Geburt zwischen 7 und 4 v. Chr. Das Jahr 0 gibt es in unserer Zeitrechnung nicht.
Im 4. Jahrhundert setzte sich der 25. Dezember in der Westkirche als Fest der Geburt Jesu durch. Warum gerade dieses Datum, ist nicht sicher geklärt. Eine verbreitete Vermutung ist der Bezug zu einem römischen Sonnenfest. Auch die Hirtenszene bei Lukas sagt nichts über die Jahreszeit aus. Sie spricht tatsächlich gegen den Monat Dezember.
In der frühen Christenheit spielte das Geburtsdatum Christi tatsächlich keine Rolle. Im Mittelpunkt stand Tod und Auferstehung Jesu.
Geschwister
Jesus hatte vier Brüder (Jakobus, Joses, Judas und Simon) und mehrere Schwestern, die in der Bibel aber nicht namentlich erwähnt werden. Als Jesus sein Wirken als Prediger begann, dürften seine jüngeren Brüder den Betrieb des Vaters fortgeführt haben. Belegt ist dies allerdings nicht. Mindestens einer seiner Brüder – Jakobus – schloss sich ihm später ebenfalls an.
Jesus lebt Familie in einem erweiterten Horizont mit den Leuten, die ihm nachfolgen.
Gleichnisse
Jesus sprach oft in Gleichnissen, also bildhaften Geschichten. Dabei griff er alltägliche Erfahrungen der Menschen auf, um das Reich Gottes zu beschreiben. Zu den bekanntesten Gleichnissen zählen das vom „verlorenen Sohn“ (Lk. 15,11-32) und vom „barmherzigen Samariter“ (Lk. 10, 30-37)
Gnade
Gnade ist ein zentraler Begriff im christlichen Glauben. Es meint: Gott schenkt uns seine Liebe, Annahme und Vergebung – nicht, weil wir sie verdienen, sondern weil er gnädig ist und Jesus durch seinen Tod unsere Schuld auf sich genommen hat. Jesus verurteilte nicht, wo andere Steine werfen wollten (Johannes 8,1–11). Paulus nennt Gnade das Fundament der Beziehung zu Gott (Epheser 2,8–9). Gnade nimmt den Druck, alles richtig machen zu müssen. Sie lädt ein, aus einem geschenkten „Ja“ zu leben – und nicht aus Angst, zu versagen.
Hirte
In der Bibel wird für Jesus das Bild des guten Hirten verwendet (z. B. in Psalm 23). Als Hüter seiner Herde, sprich all derer, die zu ihm gehören, sorgt er für sie, leitet sie und sucht nach Schafen, die auf Abwege geraten.
Heilung
Das Neue Testament berichtet, dass Jesus Kranke, Blinde und Gelähmte geheilt hat. Er war bekannt dafür, obwohl er den Geheilten oft auftrug, nicht davon zu erzählen. In Lukas 5 wird von Seiner ersten Heilung berichtet. Hier heilt Jesus einen aussätzigen Mann in einem Dorf. Der Leprakranke warf sich vor Jesus nieder, als er Ihn erkannte und sprach zu Ihm: "Herr, wenn du willst, kannst du mich gesund machen." Und Jesus antwortete: "Ich will es tun, sei gesund!" Später sagte Jesus, der Mann solle sich vom Priester untersuchen lassen und niemandem davon erzählen.
Sein Glaube und Gewissheit an Jesu Macht, haben ihn gerettet.
Jesus war nichts unmöglich und so brachten viele Leute Angehörige, Freunde oder sich selbst vor ihn, auf dass Er sie heile. Er war nämlich nicht für die Gesunden gekommen, sondern für die Kranken, weil Er ihr Arzt ist. (Matthäus 9,12)
INRI
INRI ist die Abkürzung des lateinischen Satzes „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“: „Jesus von Nazaret, König der Juden“. Diese Aufschrift hängt am Kreuz über Jesus. Nach dem Johannesevangelium ließ der römische Statthalter Pontius Pilatus sie anbringen, auf Hebräisch, Latein und Griechisch. So konnten alle lesen, aus welchem Grund Jesus hingerichtet wurde (Johannes 19,19–20).
Die Evangelien erzählen davon unterschiedlich. Markus nennt nur den Titel „König der Juden“ (Markus 15,26). Johannes stellt die Inschrift in den Mittelpunkt. Als die Hohepriester eine Änderung verlangen, bleibt Pilatus dabei: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Johannes 19,21–22).
Israel
Israel ist zuerst ein Name. In der Nacht am Jabbok ringt Jakob mit einem Unbekannten. Der segnet ihn und gibt ihm den neuen Namen „Israel“ (Genesis 32,23–33). Er wird vermutlich als „Gottesstreiter“ gedeutet. Aus Jakob gehen die zwölf Söhne hervor, aus ihnen die zwölf Stämme.
So wird Israel zum Namen des Volkes, das Gott sich erwählt hat. Es lebt in einem Bund mit Gott, dem Gott seine Verheißungen gibt. Der Name bezeichnet auch ein Land: zuerst das Gebiet, später das Nordreich, das sich nach der Teilung vom Südreich Juda löste (1 Könige 12).
Im Neuen Testament wird der Begriff weiter gefasst. Paulus spricht vom „Israel Gottes“ (Galater 6,16) und meint damit alle, die Gott vertrauen. Wer nach Israel fragt, stößt also auf eine Geschichte, die von Gottes Treue erzählt.
Jerusalem
Jerusalem war zur Zeit Jesu das religiöse Zentrum des Judentums. Pilger kamen zu den großen Festen und brachten im Tempel ihre Opfer dar. Herodes der Große hatte den Tempel prächtig ausgebaut. Im Jahr 70 n. Chr. zerstörten ihn die Römer im Krieg gegen den jüdischen Aufstand.
Nach dem Johannesevangelium besuchte Jesus die Stadt mehrmals. Die anderen Evangelien berichten vor allem von der letzten Reise: vom festlichen Einzug, von der Tempelreinigung und vom letzten Mahl mit seinen Jüngern. In Jerusalem wurde Jesus verurteilt und hingerichtet. Der Hebräerbrief sagt, er habe „außerhalb des Tores“ gelitten (Hebräer 13,12).
Heute erinnern Orte wie die Grabeskirche an die Stationen seines Leidens. Ob sie genau an den historischen Stellen stehen, ist nicht sicher. Jerusalem zeigt bis heute, wie eng Glaube und Geschichte miteinander verbunden sind.
Johannes der Täufer
Johannes war ein ungewöhnlicher Prediger: Er lebte in der Wüste, trug einfache Kleidung und rief die Menschen zur Umkehr. Viele kamen, ließen sich taufen und begannen ein neues Leben mit Gott. Johannes bereitete den Weg für Jesus und erkannte ihn als den versprochenen Retter (Johannes 1,29). Er war mutig – auch gegenüber der politischen Macht – und wurde schließlich hingerichtet (Markus 6,17–29). Jesus nannte ihn den größten unter den von einer Frau Geborenen (Matthäus 11,11).
Jünger
Wanderprediger waren zu Jesu Zeiten nichts Ungewöhnliches. Es gab viele sogenannte Rabbis (oder aramäisch: „Rabbuni“) in Israel – eigentlich bezeichnete das Wort einfach nur die Lehrer an den Synagogen. Rabbis konnten aber auch Lehrende sein, die ganz oder zeitweise unabhängig von den Synagogen durch Israel reisten und Schüler um sich sammelten. Sie waren Teil der damals durch und durch von Religion bestimmten Gesellschaft. So war es auch nichts Ungewöhnliches, dass Menschen ihre Arbeit verließen, um für einige Zeit einem solchen Rabbi zu folgen.
Jesus verließ mit ungefähr 30 Jahren den elterlichen Betrieb in Nazareth und begann in Kapernaum am Ufer des Sees Genezareth mit seinem Wirken. Sein engstes Team bestand aus zwölf Personen:
Simon Petrus, Fischer
Andreas, ein Bruder von Petrus
Jakobus & Johannes, Söhne des Zebedäus. Letzterer hat vermutlich das Johannesevangelium geschrieben.
Philippus, der später viel im Mittelmeerraum herumgereist ist, um die gute Nachricht von Jesus dort zu verbreiten.
Bartholomäus, auch Nathanael genannt
Thomas, der Täufer
Matthäus, der Steuerpächter und Jakobus, zwei Söhne des Alpäus
Judas Thaddäus
Simon, der Zelot. Bevor er Jesus begegnete war er Anhänger einer recht militanten Unabhängigkeitsbewegung („Zeloten“).
Judas Iskariot, der Jesus später verriet und dann Selbstmord beging.
Von den wenigsten dieser Männer kennen wir ihre Biografie vor der Begegnung mit Jesus und Details über ihr „ziviles“ Leben während ihrer Zeit mit ihm. Von Simon Petrus und Andreas wissen wir immerhin, dass sie Fischer in Kapernaum waren. Und mindestens Petrus war verheiratet und hatte eine eigene Familie. Matthäus Levi war Steuerbeamter oder Zöllner.
Simon, der Zelot, vollzog eine radikale Wendung, als er Jesus folgte. Als Zelot war er ein jüdischer Widerstandskämpfer, der Gottes Ehre mit Gewalt verteidigen wollte. Da Jesus Gewalt ablehnte, ist es unwahrscheinlich, dass er einen aktiven Kämpfer in seinem Kreis duldete. Simon könnte den Zielen der Zeloten noch zugestimmt haben, der Gewalt hatte er aber sicher abgeschworen.
Darüber hinaus gehörten neben den zahllosen sporadischen Zuhörern seiner Predigten noch einige Männer und Frauen zu seinem erweitertem, aber nichtsdestotrotz verbindlichen Umfeld. An einigen Stellen wird von 72 Jüngern berichtet. Wie dieser erweiterte Jüngerkreis genau organisiert war, ist nicht bekannt.
Die zwölf oben genannten Nachfolger waren dagegen so gut wie immer bei Jesus. Die Truppe hatte ihr Hauptquartier im Haus von Petrus in Kapernaum (nahe dem See Genezareth) eingerichtet, wobei aber vermutlich nicht alle dort wohnten. Eine Art Kernteam bildeten Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus praktisch nicht von der Seite wichen.
Kapernaum
Nach dem Matthäusevangelium ließ sich Jesus in Kapernaum nieder, nachdem er Nazaret verlassen hatte (Matthäus 4,13). Die Stadt lag am Nordufer des Sees Genezareth. Schätzungen gehen davon aus, dass hier zur Zeit Jesu zwischen 600 und 1.000 Menschen lebten.
Hier rief Jesus den Zöllner Matthäus in seine Nachfolge (Matthäus 9,9). Er heilte einen Gelähmten, dessen Freunde ihn durch das Dach zu Jesus hinabließen (Markus 2,1–12). Er lehrte in der Synagoge der Stadt (Markus 1,21). Nach der Überlieferung stand hier auch das Haus des Petrus, in dem Jesus zu Gast war.
Kapernaum zeigt, wie Jesus im Alltag der Menschen wirkte. Zugleich sprach er ein Wehe über die Stadt aus, weil sie seine Taten nicht annahm (Matthäus 11,23).
Kindheit
Viel wissen wir über die Kindheit von Jesus nicht. Sicher wurde er in der jüdischen Tradition erzogen. Sein Schriftwissen scheint groß gewesen zu sein. Mit 12 Jahren entwischte er seinen Eltern einmal bei einem gemeinsamen Besuch in Jerusalem. Nachdem Maria und Josef ihn verzweifelt gesucht hatten, fanden sie ihn schließlich im Jerusalemer Tempel, wo er mit den Priestern über die Heilige Schrift diskutierte.
Die Dialektik, also die „Kunst der Unterredung“, erlernten jüdische Schüler genauso wie Lesen, Schreiben und Mathematik in der Schule. Es war neben dem Auswendiglernen der Heiligen Schrift (also unseres Alten Testaments) sogar der Hauptlerninhalt des „Bet Talmud“ (Sammlung von jüdischem Gesetz).
Kreuzigung
Die Kreuzigung war eine Hinrichtungsart der Römer. Sie traf vor allem Sklaven, Aufständische und Räuber. Sie galt als besonders grausam und sollte abschrecken. Die Verurteilten hingen oft stundenlang, manchmal tagelang, an stark besuchten Straßen. Nach dem Aufstand des Spartacus 71 v. Chr. wurden etwa 6.000 seiner Anhänger entlang der Via Appia gekreuzigt.
Üblich war ein Querbalken, den der Verurteilte oft selbst zum Hinrichtungsort trug. Er wurde auf einen senkrechten Pfahl gesetzt. Manchmal hing daran eine Tafel mit dem Vorwurf. Eine kleine Fußstütze half dem Gekreuzigten, sich abzustützen, und verlängerte so das Leiden. Eine einheitliche Vorschrift gab es nicht.
Im Johannesevangelium werden den mit Jesus Gekreuzigten die Beine gebrochen, bei Jesus geschieht das nicht (Johannes 19,31–33). Die Evangelien schildern seinen Tod knapp, ohne die Qualen im Detail auszumalen.
Kultur
Die römische und hellenistische Kultur prägte den Alltag der jüdischen Bevölkerung genauso wie ihre eigene Tradition. Der Ort Kapernaum war römischer Garnisonsstandort und lag direkt an der von den Römern gut ausgebauten „Via Maris“. Sie war einer der damals wichtigsten Handelsrouten im Mittelmeerraum - die direkte Verbindung zwischen Damaskus und Ägypten.
Als das nahegelegene Tiberias am See Genezareth um 20 n.Chr. Sepphoris als Hauptstadt von Galiläa ablöste, lag es für jemanden, der eine wichtige Botschaft zu verkünden hatte, nahe, sich stärker am See Genezareth zu orientieren, dem neuen Mittelpunkt Galiläas. Jesus wählte Kapernaum als Heimat, vielleicht, weil einige seiner wichtigsten Mitarbeiter hier wohnten.
Dort, keine 100 Meter südwestlich der Meilensteine der Via Maris, gab es natürlich auch eine der zahlreichen Synagogen – den anderen kulturellen Pol des alten Palästina. Die Synagoge war (neben dem zentralen Tempel in Jerusalem) Mittelpunkt des jüdischen Glaubens, aber auch Mittelpunkt des lokalen Gemeindelebens, es war Bildungseinrichtung und sozialer Treffpunkt.
Lebenslauf
Trotz aller Unschärfe lässt sich aus den verschiedenen Quellen das folgende, ungefähre Bild erstellen:
Jahr Alter von Jesus Ereignis / Lebensabschnitt
zwischen 7 v.Chr. und 4 n.Chr. 0 Jahre Geburt
1 Monat Flucht nach Ägypten aus Angst vor König Herodes
1-3 Jahre Rückkehr aus Ägypten nach dem Tod Herodes
6 „Einschulung“ von Jesus in der Synagoge von Nazareth
12 Reise mit den Eltern zum Passahfest nach Jerusalem
14-29 Ende der schulischen Ausbildung, Beginn der Handwerkerlehre bei seinem Stiefvater, danach Mitarbeit im Familienbetrieb
30 Jesus beendet seine Tätigkeit als Baumeister und beginnt sein Wirken als Wanderprediger
ca. 28 n.Chr. 31-33 Letzte Reise zum Passahfest nach Jerusalem Donnerstag vor dem Passahfest
31-33 Letztes Abendessen mit seinen Schülern, Verhaftung Freitag vor dem Passahfest
31-33 Prozess, Kreuzigung, Tod und Grablegung Sonntag nach dem Passahfest (zwei Tage später)
31-33 Frauen finden das leere Grab, Jesus begegnet seinen Mitarbeitern anschließend Jesus begegnet nochmals den Jüngern und 500 weiteren Menschen, bevor er „in den Himmel aufgenommen“ wird.
Die Evangelien, also unsere Hauptquellen über das Leben von Jesus, genügen leider keinem Anspruch auf chronologische Vollständigkeit. Es sind zwar Biografien, aber sie orientieren sich (natürlich) am antiken Biografikstil, der völlig anders war, als es die heutige Geschichtsschreibung ist.
Es bedeutet vor allem, dass dramatische Elemente und dramaturgische Effekte den Wert eines Werkes als Geschichtsschreibung nicht schmälern, wie zum Beispiel das abrupte Ende des Markusevangeliums, das an einen fallenden Vorhang im Theater erinnert. Im Gegenteil: Worüber wir heute in einer Bismarck-Biografie die Nase rümpfen würden, war damals festes Element der Geschichtsschreibung – ja sogar ein „muss“ für erstklassige Literatur.
Das heißt für uns allerdings, dass sich beispielsweise Zeitangaben aus den Evangelien nur über den Zusammenhang erschließen lassen. Und selbst das bietet nicht unbedingt ein verlässliches Bild. So erscheint das Wirken von Jesus nach dem Evangelium von Johannes mindestens drei Jahre lang, weil von drei Reisen von Jesus zum jährlichen Passahfest nach Jerusalem berichtet wird.
Die anderen drei Evangelisten erzählen aber nur von einem Passahfest in Jerusalem. Womit sie weitere Reisen nicht ausschließen, aber eben auch nicht erwähnen. Aber auch bei Johannes bleibt natürlich offen, ob er alle Reisen erwähnte.
Lazarus
Lazarus lebte mit seinen Schwestern Maria und Marta in Bethanien, nur wenige Kilometer östlich von Jerusalem. Jesus war mit der Familie eng befreundet. Als Lazarus schwer krank wurde, ließen die Schwestern Jesus rufen. Er kam aber nicht sofort. Erst als Lazarus schon vier Tage im Grab lag, traf Jesus in Bethanien ein.
Zu Marta sagte Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Johannes 11,25). Dann rief er Lazarus aus dem Grab, und der Tote lebte wieder. Für Johannes ist das ein Zeichen: Jesus hat Macht über den Tod. Bei den Hohepriestern führte es zu dem Beschluss, Jesus zu töten (Johannes 11,47–53).
Messias
Messias
„Messias“ kommt aus dem Hebräischen (mašiach) und bedeutet „der Gesalbte“. Im alten Israel wurden Könige und Priester gesalbt. Die Salbung zeigte, dass Gott sie für ihren Dienst bestimmt hatte. Schon früh wuchs die Hoffnung auf einen König aus dem Haus Davids, der Israel Frieden und Gerechtigkeit bringen würde (Jesaja 11,1–5). Der Prophet Micha nannte dafür Bethlehem als Herkunftsort (Micha 5,1).
Im Neuen Testament wird Jesus dieser Erwartung zugeordnet. Die griechische Übersetzung lautet „Christus“. Als Petrus in Caesarea Philippi bekennt: „Du bist der Christus“ (Markus 8,29), verbietet Jesus, darüber zu sprechen (Markus 8,30). Kurz danach kündigt er sein Leiden an (Markus 8,31). Ein leidender Messias war für viele Zeitgenossen schwer vorstellbar.
Christen sehen in Jesus die Erfüllung der alten Verheißung. Dass er gekreuzigt wurde, verstehen sie nicht als Widerspruch, sondern als Teil des Weges, den Gott mit den Menschen geht.
Maria Magdalena
Maria aus Magdala, wie sie auch genannt wird, zählte zu einer Gruppe von Frauen, die Jesus nachfolgten. Lukas und Markus berichten, dass Jesus ihr Dämonen austrieb (Lk. 8,2 bzw. Mk. 16,9). Sie war Zeuge der Kreuzigung und begegnete am Ostersonntag dem auferstandenen Christus.
Nazareth
Nazareth in Galiläa war für viele Jahre Jesu Heimatstadt – so erklärt sich auch die Namensbezeichnung Jesus von Nazareth. Die Evangelien bezeugen diesen Ort als seine Heimat. So sagt der Jünger Philippus im Johannesevangelium: "Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazareth, den Sohn Josefs."
Nächstenliebe
Nächstenliebe wird in der Bibel so definiert: Liebe den Nächsten wie dich selbst. (Matthäus 22:39)
Aber was bedeutet das konkret?
Die Grundlage der Nächstenliebe ist die Liebe Gottes (Agape). Seine selbstlose, bedingungslose und nachsichtige Liebe gegenüber allen Menschen, soll uns ein Vorbild sein. Das bedeutet, dass wir jedem Menschen mit Grundrespekt, Höflichkeit und Herzlichkeit begegnen sollen. Auch die Diakonie (die soziale Hilfestellung gegenüber anderen Menschen) ist großer Teil der Nächstenliebe.
So hat Jesus Blinde geheilt, mit Zöllner gegessen, die Ehebrecherin verteidigt und jedem Menschen in Liebe begegnet.
Opfer
In so gut wie sämtlichen Religionen versuchen die Menschen, mit einer Opfergabe etwas zu erreichen, indem sie z. B. ein geschlachtetes Tier opfern, um die Vergebung der Sünden zu erlangen.
Auch die Bibel berichtet von „Opfern“. Im Alten Testament ist von Dankopfern und Lobopfern die Rede. In dieser Zeit wurden sie dem Schöpfergott gebracht, als ein Zeichen dafür, dass das Volk Gottes die Herrschaft Gottes anerkennt und dass sie von ihm abhängig sind.
Doch das größte Opfer in der Geschichte hat Jesus Christus für uns Menschen getan. Durch den Tod am Kreuz opferte er sich, um den Riss zwischen Gott und uns, den Menschen, zu heilen. Jesus, Gottes Sohn, starb für uns, damit wir leben können. Er gab sich für uns aus Liebe hin.
Ostern
Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit. Gefeiert wird am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn. Christen erinnern sich daran, dass Jesus nach seiner Kreuzigung von den Toten auferstanden ist. Die Evangelien erzählen, wie Frauen am dritten Tag das leere Grab fanden (Lukas 24,1–7).
Christen glauben, dass Jesus für die Sünden der Menschen starb (1 Korinther 15,3). Seine Auferstehung zeigt für sie, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Erlösung ist für Christen Gottes Geschenk der Gnade. Der Mensch nimmt sie im Glauben an. Dieser Glaube zeigt sich im Leben, wie es der Jakobusbrief betont (Jakobus 2,17).
Petrus
Petrus, ursprünglich Simon, war einer der ersten Jünger Jesu. Jesus gibt ihm einen neuen Namen: „Du bist Petrus, der Fels“ (Matthäus 16,18). Petrus ist leidenschaftlich und spontan – mal läuft er voller Vertrauen über das Wasser, mal schlägt er mit dem Schwert um sich. Und ausgerechnet er, der so mutig wirkte, verleugnet Jesus dreimal in der Nacht seiner Verhaftung (Lukas 22,54–62). Doch das ist nicht das Ende. Nach der Auferstehung fragt Jesus ihn dreimal: „Liebst du mich?“ – und vergibt.
Petrus wird zum Leiter der ersten Gemeinde (Apostelgeschichte 2) und erlebt, wie durch seinen Dienst Menschen zum Glauben finden. Sein Beispiel zeigt: Glaube bedeutet nicht, fehlerlos zu sein. Petrus war kein Held. Aber er war ehrlich – und genau das macht ihn zum Vorbild.
Pharisäer
Die Pharisäer waren eine der bekanntesten jüdischen Gruppen zur Zeit Jesu. Ihr Name wird meist als „die Abgesonderten“ gedeutet. Sie wollten das Gesetz des Mose auch im Alltag streng halten und entwickelten dafür Auslegungen und Überlieferungen. Anders als die Sadduzäer glaubten sie an die Auferstehung der Toten (Apostelgeschichte 23,8).
Zwischen Jesus und den Pharisäern gab es Gemeinsamkeiten, aber auch scharfe Konflikte. Jesus kritisierte Heuchelei und Selbstgerechtigkeit, wenn Frömmigkeit zur Schau gestellt oder andere verurteilt wurden (Lukas 18,9–14). In der Passion treten Pharisäer nur am Rand auf. Die entscheidende Rolle spielten Hohepriester und römische Behörden.
Die Pharisäer waren keine einheitliche Gruppe. Ihre Lehren prägten später das rabbinische Judentum. Ein pauschales Urteil über sie wird ihnen nicht gerecht.
Politik
Zur Zeit Jesu war Palästina in drei Regionen unterteilt: Judäa im Süden mit kargem Bergland und der Wüste Negev, Galiläa im fruchtbaren Norden mit dem See Genezareth, und Samaria in der Mitte. Zwischen Juden und Samaritern herrschten Spannungen – die Juden betrachteten die Samariter als minderwertige Glaubensbrüder und mieden sie, während die Samariter den Juden feindlich gegenüberstanden, da diese ihnen gewaltsam ihre Jerusalemer Glaubensauslegung aufzwingen wollten.
Die Juden betrachteten die Samariter als Unmenschen. Insofern enthält Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter eine starke Provokation: Ein Mann wird von Räubern überfallen, doch jüdische Passanten – darunter auch angesehene Priester – helfen ihm nicht. Erst ein Samariter zeigt Mitgefühl, versorgt den Verletzten und bezahlt dessen Unterkunft. Diese Darstellung empörte viele Juden, da Jesus damit ihren Stolz und ihre Ablehnung gegenüber den Samaritern kritisierte.
Gleichzeitig war das Römische Reich Besatzungsmacht. Die Israeliten mussten ihnen Steuern zahlen und sich an die Gesetze der Römer halten. Trotz des kulturellen und technischen Fortschritts, den sie durch die römische Herrschaft genießen konnten, wünschten sich viele Juden eine Befreiung von der Fremdregierung. Viele glaubten, der langersehnte Messias würde sie von der Unterdrückung durch die Römer befreien. Obwohl Jesus selten politisch wurde und nie die Römer direkt angriff, hielten bis zuletzt selbst einige seiner engsten Mitarbeiter Jesus für den Befreier Israels vom Joch der Römer.
Pontius Pilatus
Pontius Pilatus ist durch das Glaubensbekenntnis zu einem der bekanntesten Römer der Geschichte geworden: „gelitten unter Pontius Pilatus“. Über ihn selbst weiß man erstaunlich wenig. Geburtsjahr und Herkunft sind unbekannt. Gesichert ist, dass er von 26 bis etwa 36 n. Chr. Präfekt der römischen Provinz Judäa war, zu der auch Samaria gehörte. Ein Stein aus Caesarea, der 1961 gefunden wurde, nennt seinen Namen und seinen Titel.
Die Evangelien schildern Pilatus als Richter, der Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt. Sie zeigen ihn aber auch als zögernd (Johannes 18,38; Matthäus 27,24). Der römische Historiker Tacitus erwähnt, dass Christus unter Pilatus hingerichtet wurde (Annalen 15,44).
Quelle
Das Wort „Quelle“ hat in der Bibel eine große Bedeutung. Die Quelle wird als natürliches Bild der Unendlichkeit dargestellt. Eine Quelle sprudelt aus eigener, geheimnisvoller Kraft und gibt etwas, dass das Leben erfrischend und lebhaft macht. In der Bibel wird Gott als Quelle der Liebe und des Lebensmutes beschrieben. Die Quelle ist ein Bild für “Gott, dem Schöpfer“ geworden: unerschöpflich, ewig, unbegreiflich und immer da. In Offenbarung 21:6 steht “Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.”
Retter
In der Bibel wird Jesus oft als Retter bezeichnet. Den von Gott versprochenen Retter, dem die Weltherrschaft übertragen werden soll. Doch wie kommt es dazu? Kurz nach der Geburt Jesu wies bereits ein Engel den Hirten darauf hin, dass der ersehnte Retter geboren ist (Lukas 2, 11). Doch auch Jesus selbst bezeichnete sich in Johannes 14 Vers 6 als Retter der Menschen und als der Weg, der zum Vater führt. Denn Jesus ist der Retter, der uns von unserer Schuld befreit und den Weg zu Gott frei gemacht hat.
Sadduzäer
Die Sadduzäer waren eine jüdische Gruppe, die vor allem in der Priesterschaft Jerusalems stark war. Sie hielten sich an die fünf Bücher Mose und lehnten die mündlichen Überlieferungen ab, die den Pharisäern wichtig waren. Die Auferstehung der Toten bestritten sie (Apostelgeschichte 23,8). Ihre Stellung hing am Tempel, deshalb suchten sie ein pragmatisches Verhältnis zu Rom.
Jesus wurde ihnen gefährlich, als er mit seiner Lehre und mit der Tempelreinigung die öffentliche Ordnung störte (Markus 11,15–18). Der Hohepriester Kaiphas, der wahrscheinlich zu den Sadduzäern gehörte, sah in Jesus eine Gefahr für das Volk. Er war maßgeblich an der Festnahme beteiligt und brachte Jesus zu Pilatus (Matthäus 26,3–4; Johannes 18,28).
Die Entscheidung fiel im Rahmen der römischen Herrschaft. Wer heute über die Sadduzäer spricht, sollte sie nicht pauschal als Gegner des Glaubens darstellen, sondern als Gruppe mit eigenen Interessen und Überzeugungen.
Samariter
Zur Zeit Jesu galten Samariter bei den Juden als Außenseiter – man mied sie, es gab religiöse Spannungen. Umso überraschender ist Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25–37). Dort hilft ein Samariter einem Verletzten, den zuvor ein Priester und ein Levit ignoriert hatten. Jesus stellt damit klar: Nächstenliebe kennt keine Grenzen. Entscheidend ist nicht, woher jemand kommt, sondern ob er bereit ist zu helfen. Eine Provokation – damals wie heute.
See Genezareth
Der See Genezareth ist ein Süßwassersee im Norden Israels – etwa 21 Kilometer lang, 13 Kilometer breit. In der Bibel wird er auch „See von Tiberias“ oder „See von Galiläa“ genannt. Für Jesus war dieser Ort zentral: Viele seiner Jünger – darunter Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes – waren Fischer am See. Jesus rief sie direkt von ihren Booten weg in seine Nachfolge (Markus 1,16–20). Hier stillte er einen Sturm, um seine Freunde von Angst zu befreien (Markus 4,35–41). Hier ging er übers Wasser und forderte Petrus heraus, es ihm gleichzutun (Matthäus 14,22–33). Und nach seiner Auferstehung begegnete er seinen Jüngern erneut am Ufer – mit Frühstück am Kohlenfeuer (Johannes 21).
Segen
Der Segensbegriff zieht sich durch die gesamte Bibel – vom ersten Schöpfungsbericht bis zur Offenbarung. Gott segnet Adam und Eva (1. Mose 1,28). Später verspricht er Abraham: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“ (1. Mose 12,2). Segen bedeutet: Gott spricht Leben, Schutz, Gedeihen und Nähe zu. Es ist ein aktives „Ja“ Gottes zum Menschen – nicht als Belohnung, sondern aus Gnade.
Im Alltag Israels spielte Segen eine große Rolle: Väter segneten ihre Kinder (z. B. Isaak Jakob – 1. Mose 27), Priester segneten das Volk (4. Mose 6,24–26). Der sogenannte „Aaronitische Segen“ ist bis heute fester Bestandteil vieler christlicher Gottesdienste. Segen ist dabei mehr als ein gutes Wort – er bringt die Wirklichkeit Gottes ins Leben.
Jesus führt diese Segenspraxis fort: Er segnet Kinder (Markus 10,16), spricht Segen über Menschen aus, die benachteiligt sind (Matthäus 5,1–12) und macht deutlich, dass Gottes Segen oft gerade dort spürbar wird, wo menschlich wenig zu erwarten ist. Nach der Auferstehung sendet er seine Jünger mit einem Segen in die Welt (Lukas 24,50).
Im Neuen Testament wird deutlich: Segen ist nicht mehr an Orte, Rituale oder bestimmte Personen gebunden. Durch Christus und den Heiligen Geist dürfen alle Glaubenden selbst Träger und Weitergeber von Segen sein (1. Petrus 3,9). Segen ist also Geschenk – und zugleich Aufgabe: Segen empfangen heißt auch, anderen zum Segen zu werden.
Taufe
Die Evangelien berichten von Johannes dem Täufer, der die Menschen „als Zeichen der Umkehr“ im Jordan taufte. Nach übereinstimmenden Berichten zählte auch Jesus zu den Täuflingen. Jesus selbst taufte nicht, beauftragte aber seine Jünger damit, die dies auch schon zu seinen Lebzeiten taten (Joh. 4,1f). Das Matthäusevangelium endet schließlich mit dem sogenannten Taufbefehl.
Im Unterschied zur Johannestaufe („Umkehr“) ist die christliche Taufe laut Paulus mit der Gabe des Heiligen Geistes verknüpft (Apg. 19, 1ff). Schon in der frühen Christenheit trat das Bekenntnis des Glaubens hinzu.
Theologisch umstritten ist, ob auch Kleinkinder getauft werden dürfen, wie es Sitte in der evangelischen, der katholischen und der orthodoxen Kirche ist. Befürworter berufen sich auf die neutestamentlichen Berichte über „Haustaufen“. Viele Freikirchen und christliche Gemeinschaften praktizieren und akzeptieren dagegen ausschließlich die „Gläubigentaufe“.
Tempel
Der Tempel in Jerusalem war zur Zeit Jesu das religiöse Zentrum Israels – der Ort für Opfer, Gebet und Gottesdienst. Für viele galt er als der Ort, an dem Gott selbst wohnt. Doch Jesus bringt eine neue Sicht: Er nennt seinen Körper den Tempel (Johannes 2,19–21) und zeigt, dass Gottes Nähe nicht an Gebäude gebunden ist. Nach seiner Auferstehung verstehen Christen: Gott wohnt durch seinen Geist in den Menschen selbst (1. Korinther 3,16). Nähe zu Gott ist nun überall möglich.
Thomas
Thomas gehört zu den zwölf Jüngern und ist besonders bekannt durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesu (sprichwörtlich der "ungläubige Thomas"). Als die anderen Jünger berichten, Jesus sei ihnen erschienen, sagt er: „Wenn ich nicht seine Wunden sehe und berühre, glaube ich nicht“ (Johannes 20,25). Doch als Jesus ihm acht Tage später begegnet, fällt Thomas auf die Knie: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28). Thomas war nicht nur ein Zweifler, sondern auch mutig: Als Jesus nach Judäa gehen will, wo man ihn töten möchte, ist Thomas bereit, mit ihm zu sterben (Johannes 11,16). In Thomas finden sich viele wieder, die nicht blind glauben können, sondern ehrlich ringen. Seine Geschichte zeigt: Jesus weist Zweifel nicht ab – er begegnet ihnen.
Laut einiger Überlieferungen reiste Thomas später bis nach Indien, um dort das Evangelium zu verkünden.
Umkehr
Die Umkehr lässt sich definieren als „das Abwenden von der Sünde und dem Hinwenden zu Gott”. Als Zeichen dieser Umkehr setzte Johannes der Täufer „die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden“ (Markus 1,4; Lukas 3,3). Die Bibel gibt uns wieder, das wahre Umkehr eine Änderung der Taten zur Folge haben wird (Lukas 3,8-14; Apostelgeschichte 3,19).
In Matthäus 4 Vers 17 steht „Kehrt um, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen!“. Damit forderte Jesus seine Mitmenschen auf. Dies war der Kern seiner Botschaft. Umkehr ist für uns Christen somit ein zentraler Begriff. Denn erst durch die Umkehr zu Gott werden wir zum Christen.
Für den Begriff „Umkehr“ gibt es verschiedene Definitionen wie „Buße, Bekehrung...“. Im Griechischen heißt es „metanoia“, wörtlich übersetzt „Umsinnung“. Es geht um eine neue Denk- und Verhaltensweise. Eine neue Ausrichtung auf das Leben und einen neuen Blick auf die Wirklichkeit.
Vaterunser
Das Vaterunser ist vielleicht das bekannteste Gebet der Welt. In jedem Fall das von Christen weltweit am meisten gesprochene. Der Evangelist Matthäus berichtet (6,9-13), dass Jesus selbst seine Anhänger diese Worte so gelehrt hat. Eine kürzere Fassung findet sich bei Lukas (11,2-4). Es gilt als wahrscheinlich, dass das Vaterunser bereits in der Urchristenheit Ende des 1. Jahrhunderts einen Platz im Gottesdienst und auch der persönlichen Andacht hatte.
Vergebung
Es beschreibt die Wiederherstellung der Beziehung zwischen zwei Parteien. In der Bibel bedeutet Vergebung: Gott spricht uns von unseren Sünden frei und versöhnt sich mit uns.
Als Adam und Eva sich von Gott abwandten (1. Mose 3), musste Gott sie aus seiner unmittelbaren Nähe entfernen, weil sie sich schuldig wurden. In (Römer 6,23a) heißt es: „Der Lohn der Sünde ist der Tod“ . Deshalb mussten Gläubige im Alten Testament ein Tier opfern. Gott schenkt Leben – und wer sich von ihm trennt, muss mit dem Leben bezahlen. Die Menschen gaben das Leben eines Tieres hin, damit ihre Schuld vorübergehend gesühnt wurde und sie wieder in Gottes Nähe kommen konnten – bis sie erneut sündigten.
In Jesus gab Gott sich selbst hin, um – wie die Opfertiere – sein Leben für uns zu geben. Der Tod am Kreuz ist der einzige Weg, Vergebung für unsere Sünden zu erlangen. Gott selbst hat sich aus Liebe und Sehnsucht nach uns hingegeben, damit wir wieder in Nähe zu Ihm leben können. Seine Vergebung schenkt uns ewiges Leben. (Römer 6,23b)
Wunder
In der Bibel wird immer wieder von Wundern berichtet. Zum Beispiel die Befreiung des Volkes Israel aus der Versklavung in Ägypten. Wunder zeigen Gottes Wirklichkeit und Allmacht, seine Größe und Liebe. Auch von den Wundertaten Jesus, also auf wunderbare Weise vollbrachte, erstaunliche Taten, die Aufsehen erregen oder unbegreiflich erscheinen, wird berichtet.
Jesus vollbringt immer wieder solche Wunder: Heilungen, Austreibung von Dämonen oder z. B. die Stilllegung des Sturmes. Zu den berühmten Wundertaten Jesus zählen „die Speisung der 5000“ (Mk 6,35–44; Mt 14,13–21; Lk 9,10–17; Joh 6,1–13) und Heilung eines Gelähmten durch Sündenvergebung (Lk 5,17–26). Doch dies ist nur ein Teil von seinen vielen Wundern.
Im neuen Testament werden Wunder als „Zeichen“ bezeichnet. Denn sie zeigen, „wer Jesus wirklich ist“. In den Evangelien und in einigen später entstandenen Apokryphen (Schriften) wird von den Wundertaten Jesu in Galiläa, Judäa und Jerusalem erzählt.
Zöllner
Die Römer setzten in allen römischen Provinzen Steuern auf. So auch in Juda. Es war die Aufgabe der Zöllner, diese Beträge einzusammeln und abzugeben.
Das Problem: Die Zöllner verlangten oft mehr Geld vom Volk als nötig und behielten den Rest für sich selbst. Ihr unrechtes und betrügerisches Verhalten machte sie zu einer Menschengruppe, die verachtet wird. Die Pharisäer schotteten sich aktiv von ihnen ab. (Lukas 18,11, Matthäus 9,11)
Ein bekannter Zöllner ist Zachäus. Er lebte in Jericho und war dort oberster Zöllner. Auch er wurde verachtet. Doch als Jesus in die Stadt kam, kletterte Zachäus neugierig auf einen Baum, um ihn zu sehen. Jesus sprach ihn direkt an – und kehrte bei ihm ein. Die Begegnung veränderte Zachäus grundlegend: Er versprach, Unrecht wiedergutzumachen. Eine Geschichte über Sehnsucht, Gnade und Neuanfang. (Lukas 19,1–10)
Zeloten
Die Zeloten waren eine radikale jüdische Bewegung. Sie lehnten die römische Herrschaft über Israel ab und setzten auf bewaffneten Widerstand. Ihr Eifer galt Gott und dem Gesetz. Nach dem Historiker Josephus griffen sie römische Stellungen an und töteten auch jüdische Kollaborateure. Eine große Rolle spielten sie im Ersten Jüdischen Krieg (66–70 n. Chr.), in dem Jerusalem und der Tempel zerstört wurden.
Zur Zeit Jesu gab es diese organisierte Bewegung in dieser Form wohl noch nicht. Ob sein Jünger Simon, der „Zelot“ genannt wird (Lukas 6,15), dazugehörte, ist unklar. Jesus setzte einen anderen Weg. Er riet zur Feindesliebe (Matthäus 5,44) und antwortete auf die Steuerfrage mit den Worten: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ (Markus 12,17).
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