Der Bremer Pastor Olaf Latzel muss sich demnächst wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor dem Amtsgericht verantworten. Dies hat das Gericht heute mitgeteilt.

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Das Gericht habe die Anklage der Staatsanwaltschaft unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet, heißt es in einer Pressemitteilung (Az: 96 Ds 225 Js 26577/20). Die Staatsanwaltschaft Bremen wirft dem Pastor der evangelischen St.-Martini-Gemeinde vor, sich in einem Eheseminar im Herbst 2019 vor rund 30 Ehepaaren in einer Art und Weise über Homosexuelle und Gender geäußert zu haben, die den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Ein Audiomitschnitt der Veranstaltung sei auf einer Internetplattform online gestellt worden, wo die Datei allgemein verfügbar gewesen sei. Mittlerweile ist die Aufnahme nicht mehr öffentlich.

Bereits im Mai hatte die Bremische Evangelische Kirche ein Disziplinarverfahren gegen den Pastor eröffnet. Der konservative evangelische Theologe hatte im Verlauf des Seminars gesagt, Homosexualität stehe gegen die göttliche Schöpfungsordnung. Er warnte vor einer „Homolobby“: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.“ Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur, zitierte ihn der Evangelische Pressedienst unter Berufung auf das oben genannte Video.

20.000 Unterstützer

Die Person Olaf Latzel ist umstritten. Im Gegensatz zur Bremischen Kirche und der Staatsanwaltschaft stehen Latzels Gemeinde sowie auch manche evangelikale Christen hinter dem Prediger. Eine Solidaritätsbekundung hatte mehr als 20.000 Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden. Pastor Latzel selbst hatte sich nach einer Predigt für seine Wortwahl entschuldigt. Mit Verbrechern habe er nicht alle Homosexuellen gemeint, sondern „Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben.“ Unbekannte hatten 2019 das Auto Latzels zerkratzt, Schilder und Schaukästen beschmiert und Kondome und einen Dildo auf das Kirchengelände geworfen.

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Der evangelikale Theologe ist in der Vergangenheit mehrmals in die Kritik geraten, unter anderem weil er 2015 Buddhisten, Katholiken und Muslime diffamiert hatte. Für bundesweite Schlagzeilen sorgten Latzel und die Gemeinde auch 2008, als sie einer Pastorin ihre Kanzel verwehrten, weil sie die Ordination von Frauen strikt ablehnen. (dw/nate/epd)

Zu dem Fall hat Jesus.de im Mai einen Hintergrundartikel veröffentlicht.

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