Kreuz
Kreuz (Foto: Thinkstock)
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Es sei „bemerkenswert“, „dass wir ausgerechnet in den Tagen, in denen sich die Heidelberger Disputation zum 500. Male jährt, in der Öffentlichkeit eine leidenschaftliche Debatte über das Kreuz führen“, schreibt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in einem theologischen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Gemeint ist die Debatte, um den bayrischen Beschluss, ab dem 1. Juni im Eingangsbereich jeder staatlichen Behörde Bayerns ein Kreuz aufzuhängen. Ausführlich widmet sich der Ratsvorsitzende der Betrachtung des Kreuzes durch Martin Luther – im Zusammenhang mit der religiösen und öffentlichen Bedeutung des Kreuzes heute.

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. GESPRÄCHSBEDARF ÜBER DAS KREUZ

    Des Herrn Ministerpräsidenten Söders Aktion, das Kreuz in allen Amtsstuben aufzuhängen, muss man wegen der Motivlage (Wahlkampf) und der fast automatischen Annahme, die Tiefe von Ernsthaftigkeit christlichen Glaubens werde möglicherweise auf ein ausgedünntes Kulturchristentum reduziert – einiermaßen distanziert gegenüber stehen.

    Aber eines wurde ja wenigstens angeschoben, nämlich die offensichtlich dringende Erfordernis, über die wirkliche Bedeutung des Kreuzes vertieft nachzudenken. Immerhin stellt das Kreuz das Gottesbild eines Macht ausübenden absoluten Herrschers über das Universum, der alle Geschickte lenkt, weitgehend infrage. Gott verzichtet auf Macht, wird ganz Mensch, der ganz nach unten in das tiefste menschliche Elend (eines zum Tode Verurteilten) kommt und der uns das Bild eines unendlich liebenden, barmherzigen und geschwisterlichen Gottes vermittelt. Natürlich erklärt das Geschehen am Kreuz nicht das Wesen Gottes. Etwas oder jemand der unendlich ist in Weisheit und Liebe, kann niemand erklären. Aber das Kreuz verkündet die Botschaft, dass die Beziehung Gottes zu uns Menschen so völlig anders ist als jede durchschnittliche Beziehung, die wir einzugehen vermögen. Ein Gott, der auf Macht um der Liebe zu allen Menschen und der gesamten Schöpfung willen verzichtet, lässt sich nicht so einfach kollegial in den Götteshimmel der unterschiedlichen Religionsvorstellung einordnen.

    Über die Bedeutung des Kreuzes zu diskutieren, ist aus vielerlei Gründen dringend erforderlich. Dabei darf es im Prinzip meiner Auffassung nach auch keine Sprach- und Denkverbote geben. Ich bin zwar kein Theologe, aber die Aussage eines guten Predigers hat mich doch aufhorchen lassen, als dieser erläuterte, dass man das Kreuz nicht auf eine juristische Weise verstehen sollte. Ihm war wichtig zu betonen, dass es ja nicht in erster Linie darum ging, durch einen stellvertretenden Tod das Problem des schuldig gewordenen Menschen zu lösen, weil dann die Schuld ja abgebüßt ist. Der Predigende verdeutliche, dass hier vielmehr die ganz große Liebe Gottes deutlich wird. Der Christus, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird, wurde ja von Menschen zu Tode gebracht. Dass ausgerechnet ein solcher Mord an Gott selbst zu des Menschen Erlösung führen soll, ist schon ein gewaltiger und tiefgründiger und vorallem revolutionärer Gedanke, denn Gott handelt und denkt nicht wie ein Mensch. Vorallem: Er vergilt nicht gleiches mit gleichem. Wäre dem nicht so, hätte die Gewalt gegen seinen Gesalbten ja eine entsprechende Strafe folgen müssen nach dem Priinzip, dass der Untat die Strafe folgen muss.

    Ich würde mir wünschen, dass unsere Mitrmenschen, die sich über das Kreuz in bayerischen Amtsstuben freuen, auch in unseren Gottesdiensten denjenigen anbeten, der auf ihm symbolisiert wird. Sonst wäre das nur Symbolpolitik.

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