Carolyn Miller: „Die unnahbare Miss Ellison“

0

Lavinia Ellison lebt im Jahr 1813 in einem Dorf im Südwesten Englands. Ihr Vater ist Pfarrer, ihre Mutter starb bei einem tragischen Unfall. Lavinia schert sich wenig darum, was andere über sie denken. Sie scheut sich nicht, im Garten selbst Hand anzulegen, und es ist ihr ein Herzensanliegen, den armen Familien im Dorf zu helfen. Das sieht sie als ihren christlichen Auftrag, die Standesunterschiede, die zu ihrer Zeit so wichtig sind, interessieren sie nicht.

Im Dorf herrscht große Aufregung, denn der neue Graf hat seinen Besuch angekündigt. Als Landbesitzer hat er für das Wohl der Dorfbewohner, die sein Land bearbeiten, zu sorgen. Die Häuser verfallen, und weil es den armen Arbeitern an so vielem fehlt, sind sie auch oft krank. Die wohlhabenden Damen des Orts sind an dem gut aussehenden Adligen interessiert. Lavinia interessiert sich jedoch nur für bessere Lebensumstände für die Armen. Während alle anderen Nick hofieren, bewahrt sie Abstand. Sie hat außerdem ganz persönliche Gründe, von seiner Familie enttäuscht zu sein.

Nick ist sich seiner hohen gesellschaftlichen Stellung sehr wohl bewusst. Seine verletzliche Seite verbirgt er gekonnt. Als Nick und Lavinia sich begegnen, prallt Stolz auf Stolz. Während sich Nick wegen seiner Stellung für etwas Besseres hält, ist Lavinia stolz auf ihr aufrechtes christliches Leben und ihrem Einsatz für die Armen. Trotz aller Konflikte fühlen sich Nick und Lavinia allmählich zueinander hingezogen. Aber abgesehen von den dunklen Geheimnissen der Vergangenheit wäre Nicks Mutter nie mit einer Braut einverstanden, dessen Vater nur Geistlicher ist.

Authentisches Gesellschaftsbild

Dieses Buch erinnert an Jane Austens Werke. Die Zeit der Regency wird sehr gut wiedergegeben. Sowohl die Beschreibungen als auch die Sprache und Haltungen geben einen authentischen Eindruck von dieser Zeit. Während es im ersten Teil einige Längen gibt, steigt die Spannung im letzten Drittel, sodass man die Lektüre gar nicht mehr weglegen will.

Es werden einige wichtige Themen beleuchtet, die auch den heutigen Leser berühren werden. Eine große Rolle spielt Vergebung. Außerdem lernen Nick und Lavinia, ihren Stolz und ihre Vorurteile zu erkennen und zu überwinden. Ein zweites Thema ist der Wert des Menschen. Während die Reichen ihre Bediensteten nicht als Menschen wahrnehmen, verbringt Lavinia gerne mit ihnen Zeit und betont immer wieder, dass sie genauso wertvoll sind wie Menschen der oberen Gesellschaftsschicht. Passend zur Regency-Epoche geht es außerdem darum, ob die Grundlage einer Ehe Liebe sein kann, entgegen der gängigen Praxis, sich mit der Heirat gesellschaftliche oder finanzielle Vorteile zu sichern.

Von Marianne Müller

 

Verlag: SCM Hänssler
ISBN: 978-3-7751-5855-8
Seitenzahl: 384
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
5