Seit über 30 Jahren rockt es gewaltig in der Adventszeit. An zwei Tagen stehen bei der Christmas Rock Night (CRN) in Ennepetal hochkarätige nationale und internationale Bands auf der Bühne. Auch dieses Jahr wieder am 2. und 3. Dezember. Hinter dem Musik-Festival steht das Ehepaar Detlev und Martina Westermann. Stefan Kleinknecht hat mit Detlev Westermann über die Entwicklung der CRN, Experimentierfreude und das Ende der Quotenfrau gesprochen.

Ein Rockfestival mitten in der besinnlichen Adventszeit. Habt ihr den Zeitpunkt absichtlich so gelegt?

Detlev Westermann: Nein, die allererste Christmas Rock Night vor 32 Jahren war einfach zufällig im Dezember. Wir haben damals und später nie gesagt, dass wir ein spezielles Weihnachtskonzert veranstalten. Trotzdem haben einige Bands immer wieder von sich aus auch ein paar Weihnachtslieder gespielt, was beim Publikum gut angekommen ist. Sicherlich wird es da auch bei der diesjährigen CRN einige zu hören geben. Hawk Nelson zum Beispiel hat gerade eine EP mit Weihnachtssongs herausgebracht. Der wird dann sicherlich zwei Stücke spielen.

Seit 32 Jahre gibt es jetzt die CRN schon. Wie war denn die Entwicklung von damals zu heute?

Wir haben damals mit gerade mal drei Bands angefangen. Dann ist das auf so viel Interesse gestoßen, dass wir gesagt haben: Das machen wir wieder. So ging es jedes Jahr weiter und so  sind es immer mehr Gruppen geworden. Irgendwann kam eine zweite Bühne dazu, dann ein zweiter Festivaltag, ein Gottesdienst. Und so sind wir immer ein Stückchen weiter gewachsen.

Ein ganz entscheidender Schritt bei euch war auch die Einführung der Talkbühne. Die habt ihr ja sozusagen erfunden, oder?

Genau. Wir waren das erste Festival, das eine Talkbühne gemacht hat. Uns ist es einfach  besonders wichtig, dass es ein Meet and Greet zwischen Künstlern und dem Publikum gibt. Der Star soll nicht nur auf der Bühne stehen und danach ist er hinter der Bühne oder im Hotel verschwunden. Wir fordern bewusst auf, dass die Künstler in den Talkbereich gehen und dort mit den Leuten ins Gespräch kommen und auf der Talkbühne erzählen. Das unterscheidet uns auch von vielen anderen säkularen Festivals.

Ihr seht euch also als ein christliches Festival.

Ja, ganz klar. Alle Bands, die bei uns spielen, sind Christen und sind alle sind in der christlichen Musikszene im Pop- oder Rockbereich aktiv.

Gibt es ein Erfolgs-Geheimnis, warum die CRN so beliebt ist und über 30 Jahre immer weiter geht?

Nein, glaub ich nicht. Wir haben immer nur das getan, was wir für angebracht hielten. Auch als viele Leute zu uns gesagt haben, wir müssten in eine große Halle gehen und sollten alles noch viel größer machen, sind wir im Haus Ennepetal geblieben. Wir versuchen aus den Möglichkeiten, die wir haben, alles rauszuholen.

Inzwischen scheint sich die CRN auch in andern Ländern rumgesprochen zu haben, wenn man das Publikum anschaut.

Ja, stimmt, das ist schon sehr international geworden. Für dieses Jahr haben sich schon über 300 Holländer, 100 Schweizer und Leute aus Spanien, Italien, Rumänien, Tschechien und anderen Länder angekündigt. Das freut uns natürlich, wenn Menschen aus so vielen Ländern und Gemeindehintergründen zusammentreffen und gemeinsam feiern.

Was sind eure Ziele mit dem Festival?

Vor allem soll es eines sein: Eine große Musik-Fete – aber nicht nur. Uns ist es auch wichtig, dass wir uns von anderen säkularen Events unterscheiden. Deswegen gibt es Künstler mit Message, die Talkbühne und den Raum der Stille. Dort kann sich jeder auch mal zurückziehen und mit Mitarbeitern, die vom CVJM-Kolleg Kassel kommen, beten oder singen. Und nicht zu vergessen, der Gottesdienst in der evangelischen Kirche, der fest integriert ist und ein wichtiger Bestandteil des Festivals ist.

Ich habe den Eindruck, dass ihr aber auch gerne neue Wege geht und immer den Blick in die Zukunft wagt. Ihr seid zum Beispiel bei der Ska-Musik vorangegangen, habt als erstes Festival Ska-Bands eingeladen, die heute auf jedem Festival rocken. Macht euch diese Vorreiter-Rolle Spaß?

Ja, das würde ich ganz klar unterschreiben und betonen. Wir haben uns immer große Mühe gegeben, Künstler zu entdecken und aufzubauen. Das macht natürlich als Veranstalter auch wahnsinnig Spaß, wenn man neue Gruppen sucht und die dann später groß rauskommen. Und die Anzahl an Bands, die zum ersten Mal in Deutschland gespielt haben, ist doch recht hoch. Ich erinnere mich da gerade an P.O.D. – oder wie du sagtest, viele der Ska-Bands. Und was uns aktuell total freut, sind die Frauen. In den 80er war es meiner Frau immer ganz wichtig, dass wir mindestens eine Frau dabei haben. Das war aber immer nur so eine Art Quotenfrau. In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die Frauen immer mehr und mehr mit reinzunehmen. Und jetzt auf der CRN 2011 haben wir so viele Frauen auf der Bühne, wie noch nie vorher. Das macht Spaß. Vor allen sind das viele schillernde Frauen, wie Ariel von „Icon for Hire“ oder Johanna von „HB“. Die können nicht nur super singen, sondern bieten auch Identifikationspotenzial. Da freu ich mich schon sehr drauf.

Auf was – neben den Frauen – freust du dich sonst noch?

Als Veranstalter freue ich mich auch noch sehr auf die Bands, die man selber noch nicht kennt und die man zum ersten Mal nach Deutschland holt und präsentiert. Das ist immer spannend, ob sie ankommen und was sie auf der Bühne abliefern. Klar, auf die Headliner-Bands „Skillet“ und „Red“ freu ich mich auch, aber da weiß ich schon, dass sie super sind. Bei den neuen Bands ist die Spannung als Veranstalter einfach noch etwas größer.

Vielen Dank für das Gespräch.

INFOS:

Christmas Rock Night 2011
2. und 3. Dezember 2011
www.christmasrocknight.de

(Quelle: jesus.de)