Fabian Vogt (Hg.) – Hoffnungsmorgen. Biblische Augenzeugen erzählen die Ostergeschichte

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Schon die vier Evangelisten blicken von unterschiedlichen Perspektiven auf das Ostergeschehen. In ihren Texten begleitet der Leser die beteiligten Personen nach Golgatha, zum leeren Grab oder nach Emmaus. Die Geschichtensammlung „Hoffnungsmorgen. Biblische Augenzeugen erzählen die Ostergeschichte“, wählt einen anderen Ansatz: Hier erlebt der Leser die Ostergeschehnisse aus der Ich-Perspektive der Augenzeugen. Sechszehn Autorinnen und Autoren aus der christlichen Künstlergemeinschaft „Das Rad“ versuchen in literarischen Beiträgen, Stimmungen, Gedanken und Geschehnisse aus einer ganz persönlichen Sicht einzufangen – mal in Briefform, mal als Erzählung oder als Tagebucheintrag.

Die Kapitel sind nur kurz betitelt: „gegessen“, „verworfen“, „verurteilt“… Dabei entsteht allerdings der fälschliche Eindruck einer Chronologie in der Erzähl-Reihenfolge. Tatsächlich springen die letzten Kapitel in der Zeit hin und her: Im Kapitel „berührt“ lässt Frauke Bielefeldt den Leser einen Blick in das Tagebuch des Thomas’ werfen. Er ärgert sich darüber, dass der Auferstandene den anderen Jüngern erschienen ist, während er nicht dabei war. Doch nach einer Woche begegnet auch er seinem Herrn. Zwei Kapitel weiter schreibt Kleopas (Autor Christoph Zulehner) allerdings einen Brief an Thomas, in dem er seine Abwesenheit bedauert, als Jeshua zu ihnen trat. Thomas weiß hier noch nicht Bescheid.

Eine Stärke des Buches ist das Einfangen von Eindrücken rund um das Passahfest. Der heutige (christliche) Bibelleser nimmt die Umstände eher zweitrangig wahr und sieht das letzte Abendmahl, den neuen Bund, Jesu Tod und Auferstehung im erweiterten christlichen Horizont. Doch die Autorinnen und Autoren nehmen die historisch-jüdischen Begebenheiten ernst. Sie lassen den Leser durch Beschreibungen von Gerüchen und Geräuschen Sinneserfahrungen mitnehmen, wie sich Jerusalem vor 2.000 Jahren auf das Fest vorbereitete: „Es duftet nach gebratenem Lamm, nach bitter-herben Kräutern in den Schüsseln und auch nach einwenig Männerschweiß“, beschreibt Ute Auland die Abendmahlsszene aus der Sicht von Maria Magdalena.

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Um die Authentizität der Augenzeugenberichte zu unterstreichen, werden einige Namen in der ursprünglichen Aussprache wiedergegeben. Man liest hier nichts von „Jesus“, sondern von „Jeshua“. Das hätte es allerdings nicht gebraucht, denn diese Bezeichnungen werden nicht konsequent durchgezogen. So wird eine Lokomotive in Inken Weiands Petrus-Erzählung erwähnt.

Es ist die größte Schwäche des Buches, dass es konsequent mit Sprachstilen bricht. In einem Kapitel berichtet ein Augenzeuge in moderner Umgangssprache von seinen Erlebnissen, lässt die Personen in seinen Erinnerungen aber die biblischen Zitate wiedergeben. Die Sprache wird nicht einem Stil angepasst. Nicht zu unterschätzen ist außerdem der hohe Kitschfaktor. „Der nächste Morgen war strahlend hell, und die Vögel sangen um die Wette. Als hätte jemand einen Preis ausgesetzt für die schönste Melodie“, heißt es da bei Bodo Mario Woltiris Geschichte des jungen Antonius.

Ebenfalls unpassend erscheint mir die saubere, theologisch-moderne Auslegung der Ostergeschehnisse. Diese war für die Augenzeugen so kurz nach Jesu Auferstehung kaum möglich. Ihre Bekenntnisse könnten einer heutigen Predigt entnommen sein.

Positiv sticht da die Erzählung der Maria heraus. Sie wird noch keineswegs als diejenige dargestellt, die um Gottes Plan weiß und ihn hundertprozentig annimmt. Es geht um eine Frau, die zweifelt und die auch wütend ist über die Alleingänge ihres Sohnes.

Ein weiteres Highligt ist das Kapitel des mitgekreuzigten Verbrechers, von dem die Bibel kaum etwas berichtet. Hier bekommt er eine eigene Geschichte und man erfährt, warum er so geworden ist. Ist sind die genauen Beobachtungen und der feine Sinn für die biblischen Geschichten der Autoren besonders zu spüren.

Von Laura Schönwies

Verlag: Brendow
ISBN: 978-3-86506-935-1
Seitenzahl: 128
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