Geld fehlt: Kirche stellt YouTube-Kanal „Jana glaubt“ ein

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Jana Highholder
Jana Highholder ist das Gesicht der Evangelischen Kirche auf Youtube. Foto: epd / Joern Neumann
185 Videos konnte Jana Highholder für die Evangelische Kirche produzieren, jetzt ist Schluss. Die Kirche hat den Vertrag mit der zuständigen Produktionsfirma nicht verlängert.
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Der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitfinanzierte christliche Youtube-Kanal „Jana“ wird eingestellt. Grund dafür seien finanzielle Einbußen, die durch die Corona-Krise entstanden sind, teilte das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) am Dienstag in Frankfurt am Main mit. Das GEP hatte den Kanal gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) im Auftrag der EKD verantwortet. Im Februar war das evangelische Contentnetzwerk „yeet“ an den Start gegangen, das mediale Inhalte verschiedener Sinnfluencerinnen und Sinnfluencer anbietet.

22.000 Abonnenten

Wie das GEP mitteilte, wird der Vertrag mit der Kölner Produktionsfirma Mediakraft für den YouTube-Kanal nicht verlängert. Die EKD hatte nie Zahlen darüber veröffentlicht, was der Kanal kostet. Das Gesicht des Kanals ist die mittlerweile 22-jährige Medizinstudentin Jana Highholder. Sie hatte im April 2018 mit dem Kanal begonnen. In ihrem letzten Video äußerte sie sich stolz über das Erreichte. Der Kanal hat mittlerweile mehr als 22.000 Abonnenten. 185 Videos habe sie produziert, die insgesamt 1,75 Millionen Mal angeklickt worden sein. Darüber könne sie nur staunen und dankbar dafür sein, sagt Highholder in dem Abschiedsvideo, das am Mittwoch veröffentlicht wird. Die Videos bleiben bis auf weiteres online sichtbar.

Hoffnung liegt auf „yeet“

„Wir würden uns freuen, wenn wir Jana dafür gewinnen könnten, ihre besonderen Gaben auch weiterhin bei ‚yeet‘ einzubringen“, sagte GEP-Direktor Jörg Bollmann. „Jana“ hatte mit dazu beigetragen, dass das Online-Netzwerk christlicher Sinnfluencerinnen und Sinnfluencer gegründet wurde. Dazu gehören neben anderen die norddeutsche Pfarrerin Josephine Teske, die Berliner Pfarrerin Theresa Brückner und die beiden niedersächsischen Pfarrerinnen Steffi und Ellen Radke, die auf dem Youtube-Kanal „andersamen“ über ihren Alltag als homosexuelles Ehepaar berichten.

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Im vergangenen Jahr hatte es eine kircheninterne Debatte über den Kanal „Jana“ gegeben, weil Highholder in einem Video ein konservatives Familienbild vertreten hatte.

13 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Sind nicht am glaubwürdigsten jene Menschen, die dem Schöpfer dienen, auch wenn sie nicht mehr finanziert werden? Glauben sie nicht, dass der Schöpfer schon für sie sorgt ?

  2. Unfassbar! Für alles ist Geld da, aber nicht für dieses tolle Angebot das besonders junge Menschen anspricht.

    Dass Jana wegen ihres normalen Familienbild weggemobbt wurde, ist sicher ein Grund!

  3. Christen mit einem konservativen , biblischen menschenbild haben ,auch nach meinen Erfahrungen, für die Leitungsgremien der ev. Kirche keinen Platz mehr in ihr.

    • Einsparrung des Yutube-Kanals ist großer Fehler

      Liebe Hanna,
      ich schreibe es mal umgekehrt: Das Argument, die Ev. Kirche habe kein konservatives biblisches Menschenbild mehr und deshalb habe Jana aus vorgeblichem Geldmangel den Yutubekanal nicht mehr, halte ich erstens für eine Verallgemeinerung: Wer ist die Ev. Kirche ? Viele ? Unterschiedliche ? Menschen mit unterschiedlichen Frömmigkeitsformen ? Ganz verschiedenen Gemeinden und auch ebenso Menschen, die auch einzeln unterschiedlich sind ? Andererseits finde ich es sehr schade, solche wichtigen Instrumente wie Zugänge ins Netz nicht mehr zu finanzieren. Auch wenn jetzt unbestitten
      Geldmangel herrscht aus Gründen, für die kein Mensch und auch die Kirche nichts kann, so sollte man doch Prioritäten setzen. Das Weitersagen, Weiterschreiben und das Vorleben des Evangeliums als beste Botschaft im Universum muss auf der Liste der Wichtigkeiten immer an der ersten Stelle stehen. Im übrigen halte ich das Evangelium nicht für konservativ,
      sondern es sollte – soweit es nicht an uns als Christinnen und Christen ganz allgemein liegt – doch eine Befreiungsbewegung und eine Revolution der Liebe sein. Gott befreite die Israeliten aus ihrer Sklaverei aus Ägypten und der Mensch und genauso
      Gott Jesus Christus befreite uns alle von unserer Sklaverei der Unversöhntheit mit Gott. Bei konservativ denken die meisten Leute an alte Hüte und an den Staub von Talaren aus tausend Jahren. Die Bergpredigt ist auch keine Handlungsanweisung für Bedenkenträger, alles beim alten zu lassen. Die Schwerter zu Pflugscharen zu machen – modern die Atomwaffen nicht nur zu ächten, sondern abzuschaffen – halte ich für eine politische Aufgabe, auch wenn es utopisch ist. Jesus so wie ich ihn aus der Bibel kenne und wie er mir in meiner Seele begegnet, ist keinesfalls konservativ. Er wird alles völlig ändern.

  4. Eventuell hat es auch damit zu tun, dass sie den Kanal als Werbeplattform für ihr Merchandising missbraucht hat? Das hoffe ich jedenfalls.

  5. Das ist einer der Gründe, warum die kirchlichen Institutionen mehr und mehr an Glaubwürdigkeit verlieren.

    Die Kirchen sind die reichsten Institutionen weltweit und jammern … und jammern … und jammern, wenn es um den lieben Mammon geht.

    Geld für die „hohen Priester“ ist immer vorhanden, nur Geld für wirklich wichtige Dinge fehlt vermeintlich.

    Es ist eben nicht immer wirklich das Evangelium drin, nur weil evangelisch drauf steht!

    • Liebe/r Gavee,

      so ganz wie du das schreibst ist das nicht. Jedenfalls bei meiner Ev. Kirche wächst das Geld nicht auf den Bäumen und auch unsere Mitchristen bei den Katholiken haben (auch) wegen der vielen Gebäude unter Denkmalschutz enorme Kosten. Im übrigen ist es gerade umgekehrt: Geld für die hohen Priester – vermutlich sind die Pfarrer gemeint – wird bei uns Evangelischen eben eher vordringlich eingespart und nicht an anderer Stelle. Zudem gibt es bei der Kath. Kirche einen eklatanten Mangel an Priestern, was aber andere Gründe hat. Man hätte gerne viel viel mehr. Die Einsparung bei Menschen mit Kernkompetenzen habe ich wiederholt harsch kritisiert. Ich würde mir gerne auch eine arme Kirche wünschen, aber eine, die ihre Kernkompetenzen nicht reduiert. Seelsorge und Predigt sind wichtig, wobei das aber nicht ausschließt, daß dies auch Leute machen können, die keine Theologen sind.. Übrigens glaube ich nicht an die Kirche als eine aus sich heraus schon heilbringende Institution, sondern durch die vielen Menschen in ihr, die liebevoll mit anderen, der Welt, mit sich und Gott umgehen. Das kann man auch in Notzeiten mit wenig Geld. Auch die Kirche/ n sind nur so gut wie die Menschen in ihr, aber das gilt gleichsam für alle anderen Gruppen und Institutionen. Ich bin auch desilusioniert, daß wir Gläubigen bessere Menschen sind als die Anderen, wie haben aber eine Hoffnung, sind manchmal guten Willens und sollten für unsere Glaubwürdigkeit sorgen.

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