Es lohnt sich, als Christ immer wieder auf die Grundlagen zurückzukommen. Diese Serie gibt Denkanstöße anhand des Apostolischen Glaubensbekenntnisses.
Von Wolfgang Kraska
Das Apostolische Glaubensbekenntnis geht nicht unmittelbar auf die Apostel zurück und findet sich auch nicht in der Bibel. Es hat eine eigene Entwicklungsgeschichte und lag erst im 5. Jahrhundert in seiner jetzigen Fassung vor. Im 10. Jahrhundert wurde es zum gemeinsamen Bekenntnis der Kirche. Bis heute verbindet sein Wortlaut die unterschiedlichsten Kirchen der Welt miteinander. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle dasselbe meinen, wenn sie diese Worte sprechen.
Wie die Bibel kann auch das Apostolikum unterschiedlich gedeutet und verstanden werden. In dieser Reihe bemühe ich mich um eine Auslegung auf der Grundlage eines persönlichen Glaubens an Jesus Christus und dem grundsätzlichen Vertrauen in die Bibel als dem Wort Gottes. Anzumerken ist noch, dass Aussagen zu manchen Themen, die uns heute wichtig sind, völlig fehlen. Das Reich Gottes und die Nachfolge mit ihren ethischen Konsequenzen kommen nicht vor.
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde; und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“
Apostolisches Glaubensbekenntnis
Glauben – Wie soll das gehen?
Haben Sie auch schon einmal den Keller aufgeräumt, und sich dabei gefragt: Was war das noch mal?
Warum habe ich das gekauft? Wozu gehört dieses Teil? – Im Laufe der Zeit vergessen wir vieles, weil wir es nicht ständig benutzen. So kann es uns auch mit dem Glauben gehen. Vielleicht sind wir auch so durch das Leben gerauscht, dass wir Glaubensfragen nie wirklich gründlich durchdacht, sondern unsere Erkenntnisse nur „im Keller verstaut“ haben. Plötzlich stehen wir etwas ratlos davor und fragen uns, wie das alles zusammenpasst.
Etwas Zweites kommt hinzu: Wir gewöhnen uns an die schönen Dinge unseres Lebens, und manchmal wissen wir gar nicht mehr zu schätzen, was wir an ihnen haben. So kann es uns mit der super Arbeitsstelle, der harmonischen Ehe oder auch der schönen Wohnung ergehen. Und auch mit dem Glauben. Alles ist irgendwie selbstverständlich und langweilig geworden. Dabei ist es doch in Wahrheit so wertvoll und wichtig für uns.
Diese Artikelreihe setzt genau hier an. Lassen Sie uns gemeinsam den Glauben Stück für Stück anschauen und etwas Ordnung in unsere Gedanken und Gefühle bringen. Als Orientierungs- und Aufräumhilfe soll uns dabei das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ leiten. Es ist eine kompakte Zusammenfassung dessen, was die Apostel verkündigt haben und Christen in aller Welt über Jahrhunderte bei allen Unterschieden im Glauben verbindet.
Ich glaube, und das ist gut so
Was? Das alles muss ich für wahr halten, wenn ich Christ sein will? Das erschlägt einen doch völlig. Deshalb lohnt es sich, das große Ganze auseinanderzunehmen und Stück für Stück zu betrachten. Wenn wir das tun, geht es nicht darum, das dogmatische Kompendium zu unterschreiben, sondern den Wert und die Bedeutung der einzelnen Aussagen für uns persönlich zu entdecken. Nehmen wir das Apostolikum als das, was es für uns ist: Ein Bekenntnis und kein lehrmäßiger Anspruch. Kein Stress also!
Am Anfang steht die Aussage: Ich bin ein glaubender Mensch, und darüber freue ich mich. Ich erlebe, betrachte und gestalte die Welt vom Glauben her. Das macht meine Identität aus. Jeden Tag neu will ich es mir bewusst machen und gerne auch andere spüren lassen: Ich bin ein Mensch, der glauben darf. Und das ist wunderbar!
Der Weg zu diesem fröhlichen Bekenntnis geht in allen Folgen dieser Serie über die drei Stationen Klärung, Vergewisserung und Hoffnung. Wer glaubt, hat Fragen, und die wollen wir uns anschauen und so gut wie möglich klären. Wer glaubt, hat Zweifel, aber die müssen nicht das Ende darstellen, sondern nach einer Klärung der Fragen kann es mit neuer Gewissheit weitergehen. Und wer glaubt, hat Hoffnung. Denn anschließend können wir mit begründeter und vertiefter Zuversicht hoffnungsvoll weiterleben. Beginnen wir mit dem ersten Aspekt und klären wir, um was es beim Glauben geht.
Der Glaube und das Glauben
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“, sagt Jesus in seiner Antwort an den „ungläubigen Thomas“ (Johannes 20,29 | LUT). Wie schade, dass Thomas bei der Begegnung mit dem Auferstandenen nicht dabei war. Wie schwer tat er sich mit dem Glauben, und wie sehr brauchte auch er das Geschenk des Glaubens. Denn wer glauben kann, ist gut dran oder wie Jesus es sagt, ist selig. Aber wie soll das gehen, wenn wir doch genau wie Thomas daran leiden, dass wir nicht sehen können, was wir glauben sollen? Keine Frage, der Glaube hat Inhalte. Daneben aber ist „Glaube“ ein Beziehungsbegriff. Ich unterscheide deshalb gerne „der Glaube“ und „das Glauben“. Das Glauben ist nicht weniger herausfordernd als der Glaube mit seinen Themen.
Im Kreis der Jünger gab es einmal eine erhebliche Krise, als Jesus befremdliche Aussagen über das Essen seines Fleisches und das Trinken seines Blutes machte (Johannes 6,53–66). Als viele seiner Nachfolger ihn daraufhin verlassen, will Jesus wissen, was seine Worte mit dem Zwölferkreis gemacht haben. „Wollt ihr auch weggehen?“, fragt er sie. Petrus spricht aus, was sie wohl alle denken (V. 68f): „Herr, zu wem sollten wir gehen? Nur du hast Worte, die ewiges Leben schenken. Wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.“
Jesus begegnen
Wie sind die Jünger denn zu der unglaublichen Erkenntnis gelangt, dass ihnen in Jesus Gott selbst in seiner Heiligkeit begegnet? Nicht durch theoretisches Nachdenken, sondern indem sie sich auf den Ruf in die Nachfolge eingelassen haben und ihr Leben mit Jesus geteilt haben. Sie haben erlebt, wie er Wunder tut und wie er sich Ausgegrenzten zuwendet. Sie waren bei seinen großen, öffentlichen Predigten dabei, und sie haben mit ihm im kleinen Kreis über sehr persönliche Dinge gesprochen. Sie haben sich von ihm herausfordern lassen und dabei Erfahrungen gesammelt.
Bei all dem ist in ihnen klar geworden, wer Jesus ist, nämlich „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“, wie Petrus es an anderer Stelle (Matthäus 16,16) formuliert. In ihrem Leben also, in der Beziehung zu Jesus im Alltag. Das meint Glauben! Und noch etwas Anderes haben sie dabei erlebt: wie reich und schön diese Beziehung ihr Leben gemacht hat.
Gibt es Gewissheit im Glauben?
Es gibt Menschen, darunter durchaus auch Christen, die dies verneinen. Sie halten jede Gewissheit für Anmaßung. Es gehört für sie zur intellektuellen Redlichkeit, die Dinge immer wieder infrage zu stellen. Mir scheint, manchmal wird dabei der Zweifel auch gehätschelt und kultiviert. Aber wer ständig pflügt, wird niemals ernten!
Beim Glauben geht es letztlich nicht um akademische Theorien, sondern um das wirkliche Leben. Dort können Zweifel sehr quälend und bedrohlich sein. Es ist doch wichtig, ob es tatsächlich einen Gott gibt, der mich liebt und meine Gebete hört oder nicht. Und es hat ja doch Bedeutung, ob mir meine Schuld wirklich vergeben ist.
Dies heute für möglich und morgen für fraglich zu halten, gibt niemandem Frieden. Für das Neue Testament ist es jedenfalls kein Wert und kein Ziel, in Ungewissheit und im Unklaren zu bleiben. Im Gegenteil: Jesus ist gekommen, um uns ein stabiles Fundament, eine feste Hoffnung und eine tiefe Gewissheit zu geben, mit der wir zuversichtlich leben können. Solche Gewissheit ist aber etwas anderes als Sicherheit aufgrund unwiderlegbarer Beweise. Deswegen gehört zum Glauben durchaus auch der Zweifel.
Gott begreifen
Der entscheidende Hinweis, wie wir zur Gewissheit finden können, ist in Hebräer 11,1 zu finden: „Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.“
Es gibt auf der Beziehungsebene eine feste Zuversicht und ein Nichtzweifeln, obwohl dem auf der Sachebene lediglich etwas Unsichtbares und eine bloße Hoffnung entgegenstehen. Was wie ein Widerspruch aussieht, ist in Wahrheit der Schlüssel zum Geheimnis des Glaubens. Wer darauf besteht, die Wirklichkeit Gottes bewiesen zu bekommen, dem wird sie sich grundsätzlich niemals erschließen. Aber in der gelebten Beziehung zu Gott, wachsen eine tragfähige Gewissheit und Hoffnung, mit der wir leben und sterben können.
Jesus hat sich der Erwartung seiner Gegner verweigert, etwa durch Wunder zu beweisen, dass er der Messias ist. Stattdessen fordert er seine Zuhörer und uns auf (Johannes 7,17): „er den Willen Gottes tun will, wird erkennen, ob meine Lehre von Gott kommt oder ob ich aus mir selbst heraus rede.“
Nur im Tun, im Lebensvollzug, gewinnen wir Klarheit. Glauben heißt also keineswegs nichts zu wissen, sondern vielmehr immer mehr von den Geheimnissen Gottes zu begreifen. Jeder Tag mit Jesus, jede Alltagserfahrung des Glaubens ist ein Puzzlestück, durch das einerseits die Erkenntnis schärfer und andererseits das Vertrauen tiefer wird.
Was mir Hoffnung gibt
Ich selbst habe mehrfach das übernatürliche Eingreifen Gottes in meinem Leben erlebt. Unter anderem in einer markanten Heilung. Aber ist das ein unumstößlicher Beweis? Ein Mediziner, der nicht mit Gott rechnet, kann den Vorgang durchaus anders deuten, etwa als statistischen Extremwert. Es gibt eben immer auch erstaunliche Ausnahmen, wird er argumentieren.
Wie eindrücklich die Erfahrung auch gewesen sein mag, auch für mich als Betroffenen ist sie keineswegs unanfechtbar. Wenn nämlich die Beziehung zu Gott nachlässt und ich dann die Ereignisse von damals noch einmal bedenke, kann ich durchaus Zweifel haben, ob es sich wirklich um Gottes übernatürliches Eingreifen gehandelt hat, oder ob der atheistische Arzt nicht doch Recht hat.
Der Zweifel ist nach meiner Erfahrung keine Faktenkrise – als ob das Erlebte gar nicht so stattgefunden hat. Er ist auch keine Deutungskrise – weil mir auf einmal bewusst wird, dass sich das Erlebte auch anders verstehen lässt. Letztlich ist er eine Beziehungskrise zu Jesus. Hier habe ich persönlich auch immer wieder angesetzt, um Zweifel zu überwinden.
Der Glaube trägt
Ich habe Jesus gesagt, dass nur er mir den Zweifel nehmen kann. Oder mit den Worten des hilfesuchenden Vaters (Markus 9,24 | LUT): „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Und immer habe ich erlebt, dass der Heilige Geist mir einen neuen Zugang geschenkt hat, sodass ich weiter glauben konnte. Letztlich geht es nicht um geklärte Fragen, sondern um eine geklärte Beziehung.
Deshalb vertraue ich darauf, dass der Glaube mich auch weiterhin trägt – bis hin zu dem Tag, an dem ich diese Welt verlassen muss. Nicht etwa, weil ich inzwischen einen Glauben habe, der unanfechtbar ist. Sondern weil ich davon ausgehe, dass Jesus die Beziehung zu mir gerade dann nicht abbricht, wenn ich ihn am nötigsten brauche und zugleich am wenigsten dazu in der Lage bin. Er selbst schafft und erhält den Glauben, der eine feste Zuversicht ist und ein Nichtzweifeln ermöglicht. Er schenkt durch seinen Geist jenen Frieden, den wir uns mit unserer Vernunft niemals selbst herleiten und erarbeiten können.
Zur Vertiefung allein oder in der Gruppe
Klärung
- Wie erleben Sie ihren eigenen Glauben? Als Geschenk und Privileg – oder eher als Last und Einschränkung? Vielleicht hilft es, sich selbst zwischen diesen beiden Polen auf einer Skala von 1 (Last) bis 10 (Privileg) einzuordnen.
- Warum kommen Sie zu dieser Selbsteinschätzung? Welche Erfahrungen haben dazu geführt?
Vergewisserung
- Was löst bei Ihnen Zweifel aus, und wie erleben Sie diese?
- Wie gehen Sie mit Ihren Zweifeln um? Wie weit können Sie sie in Ihren Glauben integrieren und damit leben?
- Gab es in Ihrer Vergangenheit Zweifel, die Sie inzwischen überwunden haben, und wie war das möglich?
- Welche Zweifel machen Ihnen nach wie vor zu schaffen, und wie wollen Sie damit umgehen?
Hoffnung
- Wie weit hat der Glaube ihre Sicht auf das Leben verändert? Gibt es eine Entwicklung im Laufe der Jahre, und wie ist es dazu gekommen?
- Die nächste Lebenskrise kommt bestimmt. Sind Sie zuversichtlich, dass der Glaube Sie dann durchtragen wird? Wie können Sie sich vorbereiten, damit Sie nicht untergehen und hoffnungsvoll weitergehen können?
Immer habe ich erlebt, dass der Heilige Geist mir einen neuen Zugang geschenkt hat, sodass ich weiter glauben konnte. Letztlich geht es nicht um geklärte Fragen, sondern um eine geklärte Beziehung.
Wolfgang Kraska ist Autor und FeG-Pastor im Ruhestand.

Dieser Artikel ist in Christsein Heute erschienen. Christsein Heute ist das Magazin des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG).
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