Hauskreis Kaffee
Foto: thinkstock
Etwa 1.600 Menschen besuchen die vier Gottesdienste der ICF Karlsruhe an verschiedenen Orten der Stadt. Um in der Masse nicht den Überblick zu verlieren, setzt die Gemeinde auf Hauskreise, hier „Smallgroups“ genannt. Pastor Martin Wurster erklärt im HauskreisMagazin die Herangehensweise und den Wert der kleineren Gruppen.

HauskreisMagazin: Martin, du bist als Church-life-Pastor für etwa sechzig Kleingruppen, die über eure Standorte verteilt sind, verantwortlich. Was genau ist deine Aufgabe?

Martin Wurster: Wir haben 13 Coaches, inklusiv der Standortpastoren. Diese Coaches treffen sich zweimal im Jahr mit den Leitern, für die sie verantwortlich sind. Sie fragen nach, was der Heartbeat in der Smallgroup ist, was sie machen, was ihre nächsten Schritte sind. Außerdem klären sie ab, welche Kleingruppen offen für neue Teilnehmer sind. Ich begleite Neugründungen, daneben ist es meine Aufgabe, die Coaches und Standort-Pastoren zu koordinieren. Die Standort-Pastoren sind automatisch auch die Coaches der Smallgroups. Sie haben aber auch zusätzliche Mitarbeitende. Je größer der Standort, desto schneller suchen sie jemanden, der auch für die Smallgroups zuständig ist.

Wie eigenständig sind eure Smallgroups?

Die Smallgroups können selbst entscheiden, was sie machen. Da gibt es ein Riesenangebot. Es gibt zum Beispiel zu jeder Predigt Material für die Kleingruppen. Das nutzen etwa ein Drittel der Smallgroups. Die Kleingruppen können aber genauso ein Buch durcharbeiten oder den Schwerpunkt auf Beten oder Bibellesen legen. Aber es gibt drei Grundpfeiler, die wir festgelegt haben: Gemeinschaft leben, Gott erleben und Multiplikation. Und so schulen wir auch die Smallgroup-Leiter. Wir bieten zweimal im Jahr Smallgroup-Leiter-Grundschulungen an, wo unsere Werte kommuniziert werden, und es wird erwartet, dass eine Smallgroup-Leiterin oder ein Co-Leiter irgendwann mal diese Schulung besucht.

Was vermittelt ihr sonst noch in den Schulungen?

Wir schulen die Leiter, wie sie einen Abend aufbauen. Wir versuchen sie von der Ausrichtung her in die Weite zu führen, wissen aber, dass jeder Smallgroup-Leiter/jede Leiterin sein/ ihr eigenes Gepräge lebt. Möchte die Smallgroup stärker Neue integrieren oder Nächstenliebe leben? Da kann jeder/jede so ein Stück seine/ihre Smallgroup prägen. Ich mache Mut, dass sie es ganz offen ansprechen, wenn es Differenzen gibt, was die Ausrichtung der Gruppe betrifft. Zum Beispiel, wenn die Gruppe eigentlich offen für Neue sein wollte, es tatsächlich aber gar nicht ist. Ich empfehle eine Teilung, wenn die Interessen auseinandergehen und alle unzufrieden sind. Das ist besser als eine latente Unzufriedenheit.

Pastor Martin Wurster
Martin Wurster (Foto: Christof Klenk)

Warum sind euch eure Kleingruppen so wichtig?

Wir glauben, dass wir in einer Event-Church Menschen nur durch Kleingruppen integrieren können. In einer Event-Church kann ich Gott erleben, kann ich Kirche neu erleben, da kann ich eine Begegnung am Kreuz haben, wo für mich gebetet wird. Ich werde aber nicht in die Gemeinschaft hineinkommen. Um im Glauben zu wachsen, gemeinschaftsfähig zu werden und auch Gott zu erleben, face to face, brauche ich eine Kleingruppe.

Wie kommen Neue dazu? Auf welchem Weg?

Wir laden jeden Sonntag im Gottesdienst zu den Kleingruppen ein. Der Weg aus dem Gottesdienst führt am Infodesk vorbei. Dort können Leute, die gerne Teil von Kleingruppen werden möchten, einen Zettel ausfüllen. Das FollowUp-Team wertet diese Anfragen jede Woche aus, sucht jeweils nach einer entsprechenden Smallgroup und kontaktiert den Leiter dieser Gruppe. Dann wendet sich der Smallgroup-Leiter direkt an den Suchenden. Vielleicht ist die Smallgroup aber auch selber so aktiv, dass sie ihre Freunde einladen. Das ist natürlich auch ein guter Weg.

„In einer Event-Church kann ich Gott erleben, kann ich Kirche neu erleben, da kann ich eine Begegnung am Kreuz haben, wo für mich gebetet wird. Ich werde aber nicht in die Gemeinschaft hineinkommen“

Und wie gewinnt ihr Leiter für die Smallgroups?

Wir laden regelmäßig zu diesen Schulungen ein und sagen den Leitern, sie sollen in ihren Gruppen nach neuen Leitern Ausschau halten. Die können sie dann auch zu den Schulungen schicken.

Du hast gerade schon das Thema Teilung angesprochen. Das ist ja für viele Hauskreise ein wunder Punkt. Was macht ihr, wenn die zu groß werden?

Bei uns gibt’s kein zu groß. Wenn jemand ein großes Wohnzimmer hat, kann er sich meinetwegen auch mit 40 Leuten treffen. Uns ist wichtig, dass die Leitenden sich an ihre Coaches wenden, wenn sie merken, dass es unruhig wird, dass es nicht mehr so richtig passt. Aufgabe der Coaches und auch von mir ist es dann, einen Weg und einen guten Zeitpunkt für eine Teilung aufzuzeigen. Wir ermutigen die Leitenden bewusst in die Gruppe zu fragen: „Wie geht es euch in der Gruppe? Was ist für euch dran?“ Die unterschiedlichen Neigungen sind eine gute Möglichkeit, neue Wege zu gehen und die Gruppen zu teilen.

„Um im Glauben zu wachsen, gemeinschaftsfähig zu werden und auch Gott zu erleben, face to face, brauche ich eine Kleingruppe“

Besuchst du die Kleingruppen regelmäßig?

Nein, das könnte ich nicht leisten. Ich rede mit den Leitern zweimal im Jahr für eine halbe Stunde. Viermal im Jahr kommen sie als Leiter zusammen und können sich miteinander austauschen. Zum Beispiel nächste Woche, da habe ich alle zu einer Party eingeladen. In der ersten Stunde geben unsere Hauptleiter die Infos durch, was wir in diesem Jahr noch alles vorhaben und machen wollen. In der zweiten Hälfte sind alle zum Essen eingeladen und können sich miteinander austauschen.

Haben eure Smallgroups Aufgaben im Gemeindeleben?

Gute Frage! Wir schreiben die Smallgroups über eine Art Newsletter an. Da sind auch Aufgaben vermerkt, die Einzelne oder die Gruppe übernehmen können, um Nächstenliebe zu praktizieren. Aber den Newsletter haben wir erst seit einem halben Jahr. Insgesamt haben wir noch zu wenig Aufgaben, wo die ganze Gruppe etwas rocken kann. Insofern ist es eher so, dass wir sie eher dazu ermutigen, in ihrem Umfeld zu schauen, wo sie Menschen helfen können. In der großen Kirche gibt es natürlich viele Möglichkeiten der Mitarbeit für Einzelne. Manche Teams sind auch Smallgroups. Wir haben ein Musikteam, das sich gleichzeitig als Smallgroup trifft.

Lobpreis in der ICF
Gottesdienst in der ICF Karlsruhe (Foto: Christof Klenk)

Ich habe gesehen, ihr gebt auch Liedtexte mit Akkorden an eure Smallgroups raus? Ist der Lobpreis ein fester Bestandteil?

Nein, das ist kein fester Bestandteil. Gebet ist ein fester Bestandteil. Ich weiß gar nicht, wie viele unserer Smallgroups tatsächlich regelmäßig zusammen singen. Da müsste ich mal eine Umfrage starten.

Was würdest du Hauskreisleitern raten, die psychisch angeschlagene Menschen in ihrer Smallgroup haben?

Das kommt immer wieder vor. Menschen geraten durch Scheidungen oder andere schwierige Ereignisse in Krisen, verlieren ihren Glauben oder werden depressiv. Wir machen den Gruppen Mut, solche Menschen zu tragen, bieten aber auch gleichzeitig Hilfe an: sowohl den Leitenden als auch denen, die in der Krise stecken. So lange psychische Probleme nicht allzu massiv sind, kann die Gruppe diesen Menschen tragen. Das ist eigentlich wunderbar. Es gibt auch Selbsthilfegruppen bei uns. Die nennen sich nicht so, aber die finden sich und tun sich gut. Deswegen geben wir auch vor, dass eine Smallgroup sich selbst beschreibt und ihren Heartbeat benennt, ansonsten verlieren wir genau diese Qualität.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christof Klenk.


 

Dieses Interview ist zuerst im Hauskreismagazin erschienen, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

 

 

 

Homepage der ICF Karlsruhe

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Alles schön und gut, aber warum muss alles so einen Eventcharakter haben und alles geheralstabsmäßig organisiert sein? Das klingt ja wie in einem Unternehmen. Ich lobe mir da meine eigene, überschaubare Kirchengemeinde vor Ort, wo ich meine Leute und die hauptamtlichen Leiter kenne und schnörkelos, das gemacht wird, was von Christen erwartet wird. Das Evangelium von Jesus Christus zur verkündigen. Denn was passiert mit Leuten in einer Eventkirche, wenn es einmal nicht so läuft??? Der Glaube, der trägt ist der, wo ein Mensch in den Höhen und Tiefen des Lebens persönlich erlebt, dass man nie tiefer fallen kann, als in die erbarmende Hand Gottes. Ich will nicht richten, aber auch die großen Macher, sollen sich mal wieder an ihre einfachen Wurzeln erinnern. Ja und dabei schreibe ich nicht einfach so, weil ich einfach unwissend rede, sondern, weil mir der Erwähnte nicht unbekannt ist.

  2. Aus meiner Erfahrung mit Hauskreisen kann ich sagen, dass es eben doch ein „zu groß“ gibt. Wenn nämlich 40 Leute in meinem Wohnzimmer sitzen, dann gerät der Abend zu einem Gottesdienst. Ist der Leiter ein begabter Bibelausleger wird er schnell zu einem, den man gehört haben muss. Ein entspannter Gedankenaustausch ist in einer so großen Runde auch nicht möglich.

  3. Nach meiner Erfahrung sind Hauskreise selbst in kleinen Gemeinden wie unserer von durchschnittlich 100 Besuchern sehr hilfreich und glaubensstärkend. Je kleiner umso besser der persönliche Austausch und enger der Zusammenhalt. Was Hauskreise ermöglichen schafft kein anderes Gottesdienstangebot. Was mich an diesen Artikel jedoch abstößt ist das allgegenwärtige „Denglish „.

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